Hypnosystemische Ideen für den Jahresübergang

Der Jahresübergang von 2020 auf 2021 wird im Vergleich zu vorherigen Jahren für dich und die meisten anderen Menschen vermutlich etwas anders verlaufen. Thematisch wird der Rückblick auf 2020 durch die globale Coronavirus-Pandemie bestimmt. Der Ausblick auf 2021 wird ebenfalls stark geleitet von der Hoffnung auf eine Rückkehr zu Normalität und den Lehren aus der Pandemie.

Nichtsdestotrotz wird es natürlich wie jedes Jahr die üblichen Neujahrsvorsätze geben: Mehr Sport und gesünder essen, weniger Alkohol und endlich mit dem Rauchen aufhören. Da es von diesen Ratschlägen mehr als genug gibt, möchte ich dich ganz im hypnosystemischen Sinne zu einer Refokussierung einladen: Weg von den altbekannten Neujahrsvorsätzen hin zu einem neuen Ansatz, wie du dein Er-Leben gestalten kannst. 

Vorsätze fürs neue Jahr: “Nice to have” statt Druck und Stress

Dabei macht schon die innere Haltung einen Unterschied: Hast du schon mal energisch Ziele verfolgt, nur um dann zu merken, dass sie an Bedeutung verlieren, sobald du sie erreicht hast? Manchmal kann sich dein Erleben alleine dadurch positiv verändern, dass du deinen Fokus mit einem wohlwollenden Blick in den gegenwärtigen Moment richtest, anstatt immer nur deine Ziele in der Zukunft anzuvisieren. 

Das heißt natürlich nicht, dass du dir nicht auch Ziele für das neue Jahr stecken kannst. Aber es macht einen Unterschied, ob diese Ziele als grobe Orientierung und “Nice to have” angesehen werden oder ob man sich pedantisch darauf fokussiert.

In diesem Artikel habe ich daher für dich einige hypnosystemische Ideen zusammengefasst, wie du den Jahresübergang bedeutsamer gestalten kannst.

Achtsamkeit und Dankbarkeit

Die angesprochene Umfokussierung auf das, was schon im Jetzt gut läuft, führt im besten Fall dazu, dass du in ein Gefühl von achtsamer Dankbarkeit kommst, statt dich auf den Mangel zu fokussieren. Sich regelmäßig zu erinnern, wofür du dankbar sein kannst, ist hilfreich, um sich klar zu machen, dass nichts im Leben selbstverständlich ist.

Ein Spaziergang durchs zurückliegende Jahr

Eine Möglichkeit, dich an das zu erinnern, wofür du dankbar sein kannst, ist ein Spaziergang durch das zurückliegende Jahr.

Ich nutze den letzten Tag des Jahres gerne für einen ausgiebigen Spaziergang, bei dem ich mich frage, welches die wichtigsten Erkenntnisse des Jahres sind.

Du kannst diesen Spaziergang natürlich auch ein paar Tage früher oder später machen: Die Zeit “zwischen den Jahren”, also zwischen Weihnachten und dem 6.1. werden Rauhnächte genannt: Sie sind traditionell die Zeit des Jahres, die zur Reflexion und für einen Ausblick genutzt werden.

Mögliche Fragen, die du dir dabei stellen kannst, die das Erleben auf Entwicklung fokussieren: Was habe ich aus den Ereignissen dieses Jahres für mich persönlich gelernt? Was sehe ich anders als letztes Jahr? Was habe ich dieses Jahr zum ersten Mal gemacht? Wovon möchte ich im nächsten Jahr mehr haben? Was soll bleiben und wovon darf ich mich lösen? 

Zunächst blicke ich auf das Positive, was gut lief und wofür ich dankbar bin.

Spaziergang durch's Jahr.

Unsere jetzige Fehlerkultur - anders mit Fehlern umgehen

Mein Blick war nicht immer von diesem Fokus geprägt. Früher habe ich oft auf das "Negative" geschaut und mit "Fehlern" gehadert.

Viele neigen dazu, sich dann ihr eigenes Handeln vorzuwerfen und das, was sie getan haben, als Fehler zu kritisieren. 

Doch niemand macht absichtlich Fehler: Daher kann es ein echter “Game Changer” sein, sich im Rückblick klar zu machen, dass du in der früheren Situation die beste Entscheidung getroffen hast und dir zu verzeihen, wenn du aus der jetzigen Perspektive anders handeln würdest: Hinterher ist man immer schlauer. Beim nächsten Mal kannst du dein neues Wissen dann besser nutzen. Dafür ist es aber hilfreich im neuen Jahr freundlich statt vorwurfsvoll mit dir umzugehen. 

Achtsamere und inkludierende Sprache zu verwenden

Wenn du merkst, dass dir der achtsame Umgang mit dir selbst guttut, dann kannst du auch dein Umfeld davon profitieren lassen. Durch achtsame und inkludierende Sprache kannst du eine Umgebung schaffen, in der sich alle wohlfühlen. Ein Beispiel ist das Gendern der Sprache, aber auch achtsam mit (ab)wertenden Ausdrücken umzugehen oder deine Bedürfnisse zu kommunizieren, ohne einzufordern, dass andere sie erfüllen müssen.

Rituale der Selbstfürsorge zu finden

Im stressigen Alltag gibt es immer wieder Situationen, in denen du dich vielleicht nach Belohnungen oder Ablenkung sehnst. Um zu verhindern, dass du dich dann durch Social Media, Rauchen, Süßigkeiten oder andere schnelle “Kicks” betäubst, ist es hilfreich, dir Rituale der Selbstfürsorge zu überlegen, die dir ganz persönlich guttun.

Das kann ein Schaumbad sein, dir etwas Schönes kochen, oder eine Selbstfürsorge-Trance anhören.

Außerdem kann es hilfreich sein, einen Anker zu finden, der dich an einen achtsamen Umgang mit dir erinnert, wenn du merkst, dass sich die alten Muster wieder einschleichen.

Um diese Umfokussierung zu trainieren ist es eine gute Unterstützung, regelmäßig zu meditieren und ein Journal zu führen. Das ist eine Art Tagebuch, was dich durch verschieden Fragen auf Aspekte der persönlichen Entwicklung und Dankbarkeit fokussiert.

Gemeinsam geht vieles leichter

Alle Ideen für einen guten Übergang ins neue Jahr haben eines gemeinsam: Sie werden dir leichter in einem Umfeld gelingen, dass dich unterstützt. Daher ist meine letzte Idee für dich, die Umsetzung gemeinsam mit einer Person anzugehen, die ebenfalls Lust hat, etwas zu verändern. Wenn du mit jemand anderem darüber sprichst, was du vorhast, steigt die Wahrscheinlichkeit, die Vorsätze einzuhalten. Außerdem ist es toll, sich gegenseitig zu motivieren am Ball zu bleiben.

In diesem Sinn hoffe ich, dass meine Gedanken eine Inspiration sind, wie du den Jahreswechsel erfüllend ​nutzen kannst, um eine angenehme Rückschau zu halten und einen Ausblick zu wagen, der weder hemmt, noch frustriert, sondern dich vielmehr dazu motiviert, in ein bedeutsames Jahr 2021 zu starten.

Autor: ​Aldo Haumann

​Aldo ist Master of Arts der Philosophie und absolvierte in Wien ein Masterstudium für hypnosystemische Beratung und Interventionen. Er macht zurzeit eine Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater und systemischen Coach. Im Zuge dieser Ausbildung betreut er hypnosystemische Kongresse und Institute in Deutschland und Österreich.

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