{"id":1071,"date":"2019-04-17T17:34:13","date_gmt":"2019-04-17T15:34:13","guid":{"rendered":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/?p=1071"},"modified":"2019-10-22T15:37:28","modified_gmt":"2019-10-22T13:37:28","slug":"quo-vadis-mann-maennlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/quo-vadis-mann-maennlichkeit\/","title":{"rendered":"Quo vadis Mann? Aus dem unsichtbaren Gef\u00e4ngnis traditioneller M\u00e4nnlichkeit ausbrechen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"945\" height=\"756\" title=\"quo-vadis-mann (1)\" data-id=\"1116\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/quo-vadis-mann-1.png\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Man kann M\u00e4nnlichkeit nicht unabh\u00e4ngig von der sexuellen Beziehung zur Frau verstehen. Es w\u00e4re jetzt aber ein Fehler zu versuchen, M\u00e4nnlichkeit als Reaktion auf die derzeitige Selbstbem\u00e4chtigung der Frau zu definieren, so wie sich (umgekehrt) der Feminismus als berechtigte Reaktion auf das Patriarchat bestimmt. Die Frage ist vielmehr, was ist die Essenz des Mannes? Man kann nicht dar\u00fcber hinwegsehen, dass Frauen in vieler Hinsicht den M\u00e4nnern \u00fcberlegen sind. Sie ergreifen nicht nur jede Art vormals typisch m\u00e4nnlichen Berufen vom Banker \u00fcber Soldaten bis zum Schornsteinfeger. Sie k\u00f6nnen dar\u00fcber hinaus Kinder geb\u00e4ren und stillen, und sind sexuell potenter als der Mann \u2013 k\u00f6nnen z.B. multiple Orgasmen haben. Was ist die Rolle des Mannes, wenn er eigentlich so gut wie \u00fcberfl\u00fcssig erscheinen k\u00f6nnte, wenn man bedenkt, dass Frauen wohl lange Zeit ohne M\u00e4nner auskommen k\u00f6nnten, was umgekehrt eher nicht der Fall ist? Wie soll es aussehen, dass sich zwei potente Geschlechter in der F\u00fclle begegnen? Damit befasst sich dieser Artikel (Skript zum Vortrag von Prof. Dirk Revenstorf auf der MEG-Tagung: Gender, Sex &amp; Identit\u00e4t \u2013 Hypnotherapie und Vielfalt.)<\/p>\n<h2 id=\"tab-con-5\">1. Einleitung<\/h2>\n<p align=\"right\"><em>Es ist Zeit sich auf dem Weg zu machen.&nbsp;<\/em><em>\u200b<\/em><em>Heldenreise (Joseph Campbell 1999)<\/em><\/p>\n<p>Mitte der 90er Jahre hatte ich unverhofft Gelegenheit meine Rolle als Mann zu \u00fcberdenken. Ich wurde n\u00e4mlich Vorsitzende der Frauenkommission \u2013 da es in der Fakult\u00e4t keine weiblich besetzte Professur gab. Die Diskussion in diesem Gremium unterschied sich deutlich von der ausgesuchten Rhetorik in den Fakult\u00e4tssitzungen, wo nur M\u00e4nner sa\u00dfen, die hemmungslos &#8211; wenn auch emotionslos &#8211; aufeinander losgingen. Jeder wollte Gewinner sein, immerhin ging es um Geld und Stellen, das typische Nullsummenspiel. Was der eine gewann, verlor jemand anderes. Aber eigentlich ging es um Prestige. Anders in der Frauenkommission. Es schien keine Hierarchie zu geben, alle redeten ausgiebig, spontan und gleichzeitig, sodass ich oft M\u00fche hatte, zu Wort zu kommen. Ich war am Anfang total genervt von dem undisziplinierten Geschnatter. Aber es war lebendig und es ging nicht darum, wer die geschliffensten Argumente fand. Ich hatte auf einmal nicht mehr das Bed\u00fcrfnis besser sein zu m\u00fcssen. Ich dachte, naja, ungewohnt aber ohne den tierischen Ernst. Davon k\u00f6nnten M\u00e4nner profitieren.<\/p>\n<h3 id=\"tab-con-12\">1940\u20131950&nbsp;<\/h3>\n<p>In meiner Kindheit war Krieg und die richtigen M\u00e4nner waren Soldaten, hart wie Kruppstahl hie\u00df es. Typ <em>Landser<\/em>: tapfer und unerm\u00fcdlich stapften und schossen sie sich f\u00fcr den Sieg durch K\u00e4lte und Schlamm z.B. in Russland, von wo mein Vater nach zehn Jahren zur\u00fcckkam. \u00dcber Schmerz, Angst und Trauer wurde kein Wort verloren. In jovial heiterem Ton erz\u00e4hlte er von Kommissbrot Wettessen und geklauten H\u00fchnern. Das war verwirrend; da waren doch so viele gestorben &#8211; ganz abgesehen davon, wie gr\u00e4sslich sie gestorben waren; und dass auch jemand sie get\u00f6tet haben muss. Irgendwie schien das alles nicht erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr mich galt, <em>Jungs weinen nicht<\/em>; <em>sei keine Memme<\/em>.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"684\" height=\"852\" title=\"landser-3-komprimiert\" data-id=\"1095\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/landser-3-komprimiert.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Mit freundlicher Genehmigung von&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.galerielaqua.de\/\">www.galerielaqua.de<\/a><\/p>\n<h3 id=\"tab-con-1\">1950\u20131960.&nbsp;<\/h3>\n<p>Dann kam die Nachkriegszeit. Unnahbare ernste M\u00e4nner, vom Krieg zur\u00fcckgekehrt auch mal mit nur noch einem Bein oder einem Arm. Wieder keine Trauer, keine Schuld. Es wurde z\u00e4he am Wiederaufbau gearbeitet und dabei die Vergangenheit \u00fcbersprungen. Man kn\u00fcpfte beim M\u00e4nnerbild der Preu\u00dfen an \u2013 sozusagen Bestandswahrung ohne die totgeschwiegene, unmittelbare Vergangenheit des bankrotten 3. Reiches. Flei\u00df und Verantwortung z\u00e4hlte, so wie vorher Subordination und Gehorsam gez\u00e4hlt hatte. Diese \u00fcbrig gebliebenen V\u00e4ter schienen die Niederlage mit unerm\u00fcdlichem Aktivismus zuzudecken und von Versagen war keine Rede. Sie machten mir Angst mit ihrem humorlosen Ehrgeiz und ihrer unerbittlichen Disziplin. Immer noch das traditionelle M\u00e4nnerbild: <em>H\u00e4rte und Unverletzbarkeit.<\/em><\/p>\n<h3 id=\"tab-con-2\">1960\u20131980.&nbsp;<\/h3>\n<p>Mit deren S\u00f6hnen wurde es turbulent. Die versagten der Obrigkeit den Respekt und bewarfen die Polizei mit Steinen. Insubordination und politisches Bewusstsein war angesagt; es wurde um Ideologien gestritten: Marxismus, Maoismus Anarchismus, Kriegsdienstverweigerung und in der Ferne Black Power. Die Schuldfrage der V\u00e4ter kam auf den Tisch. Das Studium war B\u00fchne f\u00fcr politischen Diskurs. Streber waren nicht gefragt. Aufbruch zu neuen Werten wurde enthusiastisch gefeiert. Der richtige Mann war Revolution\u00e4r oder Hippie. Die Wut und Flowerpower machten gleicherma\u00dfen Spa\u00df. Schade nur, dass das schon so bald wieder vorbei war, dachte ich sp\u00e4ter. Hier spaltete sich das M\u00e4nnerbild. Einerseits Politagitation mit Aggression und H\u00e4rte, anderseits Gegenkultur und Pazifismus. <em>Krieger und Softie<\/em>. Aber sie waren reflektiert.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"640\" title=\"che-34554_640-komprimiert\" data-id=\"1074\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/che-34554_640-komprimiert.png\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<h3 id=\"tab-con-3\">1980\u20132000&nbsp;<\/h3>\n<p>Nachdem das Neue sich etabliert hatte, machte sich eine gewisse Desillusionierung breit; einerseits Umwelt- und Friedensbewegung und andererseits No-Future und Punk (Babyboomer und Generation X). Dann war f\u00fcr viele pl\u00f6tzlich Karriere vorrangig. Es wurde flei\u00dfig studiert, damit man im Leben vorankommt, wirtschaftlich erfolgreich wird. Die Yuppies trugen Designer-Garderobe, Geld, und Konsum z\u00e4hlte. Der richtige Mann war l\u00e4ssig und imponierte durch Statussymbole, dicke Autos und so. <em>Cool <\/em>aussehen war angesagt, keine Sentimentalit\u00e4ten. Ich fand das anstrengend und ich machte mich heimlich \u00fcber die Angepassten lustig. MANN hatte jetzt zwar viel in der Birne, aber es gab Tabus. MANN durfte nicht versagen, nicht im Beruf und nicht im Bett. Frauen wurden immer noch als Objekte gesehen.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" title=\"hippie\" data-id=\"1125\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/hippie.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"334\" title=\"punks-komprimiert\" data-id=\"1075\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/punks-komprimiert.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Mit Globalisierung und Digitalisierung kam ein neuer Typ von Mann auf den Plan: Mobil, viel besch\u00e4ftigt, technikaffin. Die allm\u00e4hliche Umsetzung der Gleichberechtigung lie\u00dfen M\u00e4nner auch vormals weibliche Attribute f\u00fcr sich beanspruchen. Der <em>Metro-Mann<\/em> k\u00fcmmert sich um K\u00f6rperkultur, Mode und Kosmetik.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"750\" title=\"beckham-komprimiert\" data-id=\"1077\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/beckham-komprimiert.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Allerdings ergab sich eine schleichende Verunsicherung. M\u00e4nner machen sich unbeliebt, weil sie die Gleichberechtigung verschleppen. In einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung fanden selbst 2016 nur 10 % der Frauen und 15 % der M\u00e4nner, dass die Gleichberechtigung bereits eingetreten sei (Stokowski, 2016 S. 221). Immer noch unterschiedliche Bezahlung, M\u00e4nner-dominierte F\u00fchrungspositionen, immer noch wurde 80 % der Hausarbeit durch die Frauen erledigt.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"566\" title=\"wonderwoman-komprimiert\" data-id=\"1078\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/wonderwoman-komprimiert.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Aber sogenannte weibliche Werte haben Konjunktur; aber gibt es \u00fcberhaupt typische m\u00e4nnliche und typisch weibliche Werte und Fertigkeiten? Womit ist das begr\u00fcndet? Genetik, Steinzeit oder Kultur? Frauen k\u00f6nnen, das, was M\u00e4nner m\u00e4nnlich macht, oft genauso gut und manchmal sogar besser. Sie sind konkurrenzf\u00e4hig, erfolgreich und setzen sich zur Wehr \u2013 von Thelma und Luise \u00fcber Kill Bill zu Wonder Woman als Kino-Metaphern [1]. M\u00e4nnliche Werte geraten ins Wanken. M\u00e4nner k\u00f6nnten nicht lieben und w\u00fcrden immer noch das Gef\u00fchlsleben den Frauen \u00fcberlassen (das wusste man schon seit den Achtzigern [2]).<\/p>\n<p>Hinzukommt, dass sich die Geschlechts-Rollen differenzieren und sich die Grenzen zwischen m\u00e4nnlich und weiblich teilweise aufzul\u00f6sen scheinen. Wie reagieren M\u00e4nner auf die allgemeine Verunsicherung? Manche mutierten daraufhin zu Kofeministen und wurden von Rechtsradikalen als Weicheier diffamiert. Andere kehrten zum Machismo zur\u00fcck. B\u00e4rte, Glatzen G\u00e4ngsta-Rapp.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" title=\"gangsta\" data-id=\"1155\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/gangsta.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Neue M\u00e4nnlichkeit kann ja nicht bedeuten, dass man einer Frau nicht mehr in den Mantel helfen darf, weil es als \u201epaternalistischer Akt der Bevormundung\u201c ausgelegt werden k\u00f6nnte&nbsp;[1], oder soll jedes Mal ein Tonband mitlaufen, wenn der Mann seine Frau fragt, ob sie mit ihm schlafen will? Neue M\u00e4nnlichkeit kann auch nicht bedeuten, f\u00fcr die Wiederkehr eines Matriarchats einzutreten, <strong>denn Feminismus will keine Frauenherrschaft, sondern die Abschaffung der Herrschaft.<\/strong> Wo ist die Perspektive, sich von den Makeln der M\u00e4nnlichkeit zu l\u00f6sen, ohne R\u00fcckfall in die Tradition oder Angleichung an die Frau? Selbsterm\u00e4chtigung und Augenh\u00f6he: doch M\u00e4nner und Frauen jede auf eigene Weise. Aber wie sieht das aus?<\/p>\n<p>Wenn man im Netz nach M\u00e4nnertypologien forscht, finden sich zahlreiche nicht sehr schmeichelhafte Sortierungen. Eine hei\u00dft z.B.: \u201eVor diesen Kerlen sollten Frauen sich h\u00fcten\u201c [4] mit f\u00fcnf Kategorien:<\/p>\n<ul>\n<li><em>der Unverbindliche (schw\u00e4rmt immer von der Mutter);<\/em><\/li>\n<li><em>der (G)Raver&nbsp;(immer noch Techno, aber mit einem Bein schon im Grab), <\/em><\/li>\n<li><em>der Zweifler (\u00fcbernimmt keine Verantwortung);<\/em><\/li>\n<li><em>das M\u00e4dchen (kommt nicht zum Date, wenn es regnet);&nbsp;<\/em><\/li>\n<li><em>der Gossip-Boy (postet alles in Echtzeit).<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Sind M\u00e4nner tats\u00e4chlich die gef\u00fchlten Verlierer?[5] Nach einer Umfrage eines Berliner Meinungsforschungsinstituts waren 81 % der Frauen stolz auf ihr Geschlecht w\u00e4hrend das nur 17 % der M\u00e4nner von sich behaupteten. Wie der Soziologe Walter Hollstein (2008) anmerkt, war das zu Goethes Zeiten anders, wo er doch Egmont sagen l\u00e4sst: \u201eWelch Gl\u00fcck sondergleichen ein Mannsbild zu sein\u201c. Man kann wohl von einer gravierenden Identit\u00e4tskrise des Mannes sprechen.&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>Sokrates Weisheit bestand darin, die richtigen Fragen zu stellen aber zuzugeben, dass er nichts wisse. Geben wir doch zu, dass wir nicht wissen, wie der neue Mann der n\u00e4chsten Stufe seiner Evolution aussieht und stellen wir ein paar Fragen.<\/p>\n<ul>\n<li>Kann man M\u00e4nnlichkeit unabh\u00e4ngig von der Beziehung zur Frau definieren?<\/li>\n<li>Was ist eigentlich toxische M\u00e4nnlichkeit?<\/li>\n<li>Welche Rolle spielt die sexuelle Begegnung f\u00fcr sein Mann-sein?&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<h2 id=\"tab-con-6\">2. M\u00e4nnlichkeit in der Evolution&nbsp;<\/h2>\n<p>Von Vertretern der konservativen Rollenverteilung von Mann und Frau wird oft mit der Steinzeit argumentiert: Es sei schon immer so gewesen. Die Frau ist f\u00fcr Kinderaufzucht und den Herd zust\u00e4ndig, der Mann geht auf die Jagd. So wird es in Medien, Filmen und Schulb\u00fcchern dargestellt. Selten wird der Zirkelschluss wahrgenommen, dass dieses Bild eine Projektion der b\u00fcrgerlichen Kleinfamilie in das J\u00e4ger- und Sammler-Szenario ist, was dann wieder zum Beweis f\u00fcr die patriarchalen Rollenbilder der Gegenwart als evolution\u00e4r gegeben herangezogen wird.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"367\" title=\"steinzeit\" data-id=\"1084\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/steinzeit-1.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Aber wom\u00f6glich waren M\u00e4nner \u00fcber lange Perioden der Menschheitsgeschichte bis auf den kurzen Moment der Zeugung weitgehend \u00fcberfl\u00fcssig. Entsprechend finden sich zahllose Zeichnungen des weiblichen Scho\u00dfdreiecks an den H\u00f6hlenw\u00e4nden. Die mindere Rolle des Mannes belegen auch Funde von Hunderten weiblicher Figurinen im Verglich zu ganz wenigen m\u00e4nnlichen Statuetten (K\u00f6nig, 1979). &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"401\" height=\"600\" title=\"VenusHohlefels2-komprimiert\" data-id=\"1096\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/VenusHohlefels2-komprimiert.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Die Figurine von Hohle Fels. Gesch\u00e4tztes Alter 30.000\u201340.000 Jahren.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens im antiken Griechenland und der r\u00f6mischen Republik hatten dann die Frauen nicht mehr viel zu sagen. Allm\u00e4hlich wurden die weiblichen Gottheiten aus dem Olymp verdr\u00e4ngt bis am Ende Juden, Christen und Moslems sich mit einem einzigen Gott begn\u00fcgten und der war m\u00e4nnlich.<\/p>\n<p>Es ist insgesamt gesehen <strong>unplausibel<\/strong> \u00fcber einen Zeitraum von 2 Millionen Jahren Menschheitsgeschichte eine einheitliche kulturelle Pr\u00e4gung oder genetische Determination der Geschlechterrollen anzunehmen. Es hat vermutlich vieles schon gegeben: Frauenherrschaft mit starken M\u00e4nnern, M\u00e4nnerherrschaft mit starken Frauen. M\u00e4nner, die mit Frauen jagen und Krieg f\u00fchren und mehr. Sodass sich das beliebte Steinzeitargument <strong>nicht<\/strong> aufrechterhalten l\u00e4sst, dass es schon immer so gewesen sei, dass Frauen Hausfrauen und M\u00e4nner J\u00e4ger waren.<\/p>\n<h2 id=\"tab-con-7\">3. Toxische M\u00e4nnlichkeit<\/h2>\n<p>Aber seit einigen hundert, wenn nicht einigen tausend Jahren gibt es das oft beschriebene <em>Traditionelle M\u00e4nnerbild<\/em> (z.B. S\u00fcfke 2016) vom emotional gefassten, rationalen und strukturierten Besch\u00fctzer und Versorger. Das ist funktional und produktiv. Doch es ger\u00e4t aus zwei Gr\u00fcnden zunehmend in Misskredit, denn es ist repressiv und ungesund. Es ist <em>ungesund,<\/em> denn M\u00e4nner leiden zwar nur halb so oft wie Frauen an Depressionen aber:<\/p>\n<ul>\n<li>neigen mehr zu Burnout und<\/li>\n<li>dreimal mehr, bei Jugendlichen sogar viermal mehr zu Selbstmord,<\/li>\n<li>leiden h\u00e4ufiger unter Erk\u00e4ltungen, Leberzirrhose, HIV und Koronarerkrankungen, unter S\u00fcchten,<\/li>\n<li>sterben 7 Jahre fr\u00fcher als Frauen und<\/li>\n<li>sind h\u00e4ufiger Langzeitobdachlose, Wanderarbeiter, Opfer von Gewalttaten (Hollstein, 2008).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vieles davon galt bisher als stark, so als seien M\u00e4nner unverletzbar. Nur ist diese Art von St\u00e4rke toxisch, wie die Anekdote vom flei\u00dfigen Manager deutlich macht:<\/p>\n<p>Ein pflichtbewusster Gesch\u00e4ftsmann arbeitete abends immer l\u00e4nger als alle anderen und hatte \u00f6fter mal schon Beschwerden in der Magengegend und am Herzen. Eines Abends war es schon acht Uhr, als er noch im B\u00fcro war und regelrechte Kr\u00e4mpfe in der Herzgegend empfand. Da ging er auf dem Heimweg beim Notarzt vorbei und der machte ein kleines Blutbild und ein EKG. Als er sich die Ergebnisse anschaute, wurde er vor Schreck ganz blass und sagte: \u201eGuter Mann, wie es aussieht, werden Sie den n\u00e4chsten Morgen gar nicht erleben!\u201c Der brave Mann ging bedr\u00fcckt nach Hause und erz\u00e4hlte seiner Frau die traurige Neuigkeit. Sie weinten zusammen ein bisschen und dann sagte die Frau: \u201eWei\u00dft du was, ich koch dir nochmal dein Leibgericht \u2013 es k\u00f6nnte ja das letzte Mal sein.\u201c Dann a\u00dfen sie und gingen zu Bett. Auf der Bettkante sagte die Frau: \u201eWei\u00dft du was, wir schlafen nochmal miteinander \u2013 es k\u00f6nnte ja das letzte Mal sein.\u201c Der Mann war einverstanden, das war so um elf Uhr. Um eins weckte er seine Frau und sagte: \u201eK\u00f6nnen wir vielleicht noch mal \u2013 es k\u00f6nnte ja das letzte Mal sein.\u201c Die Frau war einverstanden. Um drei weckte er sie nochmal und sagte: \u201eIch wei\u00df, es ist sp\u00e4t, aber k\u00f6nnen wir vielleicht noch mal \u2013 es k\u00f6nnte ja das letzte Mal sein.\u201c Da setzte die Frau eine strenge Miene auf und sagte: \u201eDu hast gut reden \u2013 du musst morgen fr\u00fch nicht raus!\u201c<\/p>\n<p>Insofern ist doch der traditionelle Mann in seiner Klaglosigkeit eine tragische Figur. <strong>Tragisch ist auch, dass laut der Sinusstudie \u00fcber Jugendliche (Calmbach et al. 2016) zwar 80% der Frauen eine positive Vorstellung davon haben, wie Erwerbst\u00e4tigkeit und eine Beteiligung am Haushalt zusammenpassen, aber nur 25% M\u00e4nner angaben, einen solchen Lebensentwurf zu haben.<\/strong> \u00dcberhaupt ist die Rolle des traditionellen Mannes mit einem modernen Frauenbild schwer vereinbar. Er gilt als gewaltt\u00e4tig, sexgetrieben, hegemonial, egoistisch. Es l\u00e4sst sich nicht leugnen, die letzten 2000 Jahre sind eine Geschichte von m\u00e4nnlicher Gewalt und Missachtung der Frau, bis hin zu den 50.000 Hexenverbrennungen im europ\u00e4ischen Mittelalter (Richter 2006). Als Herrscher \u00fcber Eigentum und Menschen hat sich der Mann in seiner Machtposition nicht immer gut benommen, was das traditionelle M\u00e4nnlichkeitsbild \u00fcberschattet.<\/p>\n<p>Frauen prangern immer neue krasse F\u00e4lle von sexueller Bel\u00e4stigung an. In Europa haben 33 % Prozent aller Frauen k\u00f6rperliche Gewalterfahrungen hinter sich \u2013 davon zwei Drittel in der Familie[6]. In Deutschland werden j\u00e4hrlich 145 Frauen durch ihre derzeitigen oder ehemaligen Partner umgebracht. M\u00e4nner ver\u00fcben 80% aller Gewalttaten und f\u00fcllen daher auch die Gef\u00e4ngnisse zu 94 %. Hat das vielleicht auch etwas mit kulturell gepr\u00e4gten hegemonialen Anspr\u00fcchen zu tun?&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Die \u201eNatur\u201c des traditionellen Mannes ist der Weiblichkeit moralisch unterlegen, die <em>in einer rational, kalten und brutalen Welt zum Sehnsuchtsort wird, von dem aus sich die Gesellschaft kritisieren l\u00e4sst<\/em> wie der Innsbrucker Psychoanalytiker und Bildungsforscher Josef Aigner sagt (2016).<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"333\" title=\"wrestle\" data-id=\"1086\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/wrestle.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Man kann es bedauern, dass manche Feministinnen meinen, dass M\u00e4nner eine Art biologischer Irrtum seien. Dass es ihnen nur um drei Dinge ginge, n\u00e4mlich \u201et\u00f6ten, v\u00f6geln und Geld machen\u201c, und dabei w\u00fcrden sie angeblich auch noch versagen, wie Marilyn French in ihrem Bestseller \u201eFrauen\u201c behauptet (2008). Man kann es aber auch als Gelegenheit sehen, den Dialog mit Frauen aufzunehmen, um einer derartigen M\u00e4nnerverachtung (Misandrie) entgegenzutreten. Man kann als Mann sein eigenes Verhalten auf sexistische Anteile untersuchen, die reflexartig im Alltag einflie\u00dfen und mit seinen Geschlechtsgenossen und mit Frauen eine entsprechende Diskussion dar\u00fcber beginnen.&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"441\" title=\"man-spreading\" data-id=\"1097\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/man-spreading.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Courtesy of <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/comicada\/\" target=\"_blank\">Comicada<\/a><\/p>\n<p>Doch jetzt, da Muskelkraft nicht mehr erforderlich ist und die letzte Steinkohlenzeche gerade geschlossen wurde, wo Roboter die verbleibende schwere Arbeit \u00fcbernehmen \u2013 was bleibt den M\u00e4nnern, was die Frauen nicht auch oder sogar besser k\u00f6nnen. Sie lernen schneller, sind seit 100.000 Jahren im Multitasking ge\u00fcbt und sind besser im Vernetzen und der Pflege von Beziehung. Alles Eigenschaften, die heute in der Dienstleistungsgesellschaft gefragt und wichtig sind. Was bleibt dem Mann? Wie kann er respektvoll gegen\u00fcber der Frau sein und zugleich sich selbst gegen\u00fcber den Respekt nicht verlieren?<\/p>\n<p><strong>V<\/strong><strong>on zahlreichen Autoren wird immer wieder darauf hingewiesen, was der tiefere Grund f\u00fcr diese m\u00e4nnliche Defektologie ist.<\/strong><strong> <\/strong><strong>Es ist der mangelnde Zugang zu den eigenen Gef\u00fchlen \u2013 sei es Unwilligkeit oder Unf\u00e4higkeit. Und das wird gesellschaftlich so gew\u00fcnscht. Denn auf der anderen Seite: wie steht es mit der Frauenquote bei T\u00e4tigkeiten wie Abfallbeseitigung, Tiere schlachten, Unfallsanit\u00e4ter, Polizist oder Feuerwehrmann sein und derart belastende Dinge tun \u2013 mal ganz abgesehen von Scharfsch\u00fctzen oder Bomben auf Zivilisten werfen. Wer will, dass sich mehr Frauen an solchen Jobs beteiligen, die durch Abspaltung von Gef\u00fchlen leichter ertragen werden. Diese Arbeitsteilung wird scheinbar stillschweigend vorausgesetzt: <em>Frauen f\u00fchlen, M\u00e4nner halten durch<\/em>. <\/strong><\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen M\u00e4nnern weibliche Lebenshaltungen in den Blick nehmen, um herauszufinden, was sich dann an diesem heiklen Thema \u00e4ndern w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n<h2 id=\"tab-con-8\">4. Gleichberechtigung und Gleichheit<\/h2>\n<p>Durch die Frauenbewegung und die zunehmende Umsetzung der Gleichberechtigung scheint das Verh\u00e4ltnis der Geschlechter aus dem Gleichgewicht zu geraten, \u201eM\u00e4nner am Rande des Nervenzusammenbruchs\u201c, wie es in einem Buchtitel der letzten Jahre hei\u00dft (Rose &amp; Sichtermann 2006). M\u00e4nner sp\u00fcren, dass sie sich \u00e4ndern m\u00fcssen, aber schlingern orientierungslos zwischen Hausmann und Retromacho.<\/p>\n<p>F\u00fcr Frauen ist es sonnenklar, was zu gewinnen ist, n\u00e4mlich endlich auch die Privilegien zu haben, die sich bisher M\u00e4nner zugestanden haben. N\u00e4mlich Gleichbehandlung[7] in politischer und \u00f6konomischer Hinsicht. Das ist eindeutig attraktiv; daf\u00fcr k\u00e4mpfen sie seit \u00fcber hundert Jahren. Und zu verlieren haben sie gar nichts, denn das, was als weiblich gilt, wird sowieso als wertvoll erachtet: Empathie, Beziehungstalent, Opferbereitschaft, F\u00fcrsorge. Doch &#8211; ein bisschen haben sie vielleicht schon zu verlieren, das Versorgt-werden.&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>M\u00e4nner dagegen sollen die toxische Seite der traditionellen M\u00e4nnlichkeit aufgeben, die ihnen ein Gef\u00fchl der St\u00e4rke gab \u2013 aber was haben sie zu gewinnen, wenn sie einf\u00fchlsamer, beziehungsf\u00e4higer und weniger konkurrenzorientiert werden? Die bisher weiblichen Privilegien: Erziehung und Hausarbeit \u00fcben auf die meisten M\u00e4nnern keine besondere Anziehung aus. Wir werden zwar offiziell als Helden gefeiert, wenn wir unseren Vaterschaftsurlaub in Anspruch nehmen, doch inoffiziell gelten wir dann als Hausm\u00e4nner und das kann anscheinend nur bedeuten, dass die Frau die Hosen anhat, hei\u00dft es in <em>Neon<\/em>.[8]&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Es bedarf eines kulturellen Wandels, um dahin zu kommen, dass es normal ist, dass M\u00e4nner Hausm\u00e4nner und hauptberuflich V\u00e4ter sind und Frauen zwei Tage im Monat frei haben. Um das androzentrische Weltbild zu verlassen, wo die Monsterwellen von M\u00e4nnern gesurft werden und die Tech- und die KI Branche M\u00e4nnersache sind (12 % Frauen) [9].&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Doch die Emanzipation des Mannes kann nicht darin bestehen, das alles zu tun, was Frauen als ungerechte \u00dcberlastung erleben. Vielmehr m\u00fcsste die Emanzipation der M\u00e4nner darin bestehen, seine <strong>Essenz<\/strong> zu suchen, ohne dies auf dem R\u00fccken der Frauen auszutragen.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"443\" height=\"600\" title=\"pompej-phallus\" data-id=\"1099\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/pompej-phallus.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Phallus im Tempel. Ein Relief aus Pompej.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind un\u00fcbersehbar, anatomisch, hormonell, emotional, kognitiv. Das Fatale scheint zu sein, dass M\u00e4nner wenig haben, was Frauen nicht haben. Au\u00dfer dem Penis. Dagegen haben Frauen viel was M\u00e4nner nicht haben. Sie tragen Kinder aus, geb\u00e4ren Kinder und k\u00f6nnen sie stillen. Sind dadurch n\u00e4her an der Natur, wie Camille Paglia anmerkt (1996). M\u00e4nner strebten stattdessen schon immer nach geistiger H\u00f6he. Die Orientierung nach oben zeige sich schon bei der Erektion. Doch die Erektion als Indiz der M\u00e4nnlichkeit ist ja so fragil.&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"333\" title=\"hulk\" data-id=\"1088\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/hulk.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" title=\"trump-bomb\" data-id=\"1087\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/trump-bomb.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>M\u00e4nner haben der Erdverbundenheit der Frau wenig entgegenzusetzen mit ihrem monotonen Hormonspiegel und dem ewigen Kriegsgeschrei, als wollten sie ihre Bedeutungslosigkeit \u00fcbert\u00f6nen. Hinzukommt, dass die Frau grunds\u00e4tzlich sexuell potenter ist als der Mann. Schlie\u00dflich kann sie mehrere Orgasmen nacheinander haben und wenn es darauf ankommt, mehrere M\u00e4nner in einer Nacht gl\u00fccklich machen. Im Grunde haben die M\u00e4nner uneingestanden Angst vor der Sexualit\u00e4t der Frau, k\u00f6nnte man meinen. Jedenfalls wurde das zu Zeiten der Hexenverfolgung so erkannt:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEs ist die sexuelle Leidenschaftlichkeit der Frauen; dass alle Hexerei von der fleischlichen Lust kommt, die bei Frauen uners\u00e4ttlich ist\u201c hei\u00dft es im Hexenhammer vom Gro\u00dfinquisitor H Kramer 1534.<\/p>\n<h2 id=\"tab-con-9\">5. Sexualit\u00e4t<\/h2>\n<p>F\u00fcr M\u00e4nner resultiert aus dem Auftritt einer Frau als sexuell begehrenswert ein Doublebind. Er soll den K\u00f6der der erotischen Ausstrahlung annehmen, ohne zu denken, dass er ihn konsumieren kann. Das ist in doppelter Hinsicht pathogen. M\u00e4nner werden dadurch dazu erzogen, dass das, was sie wirklich wollen, verboten ist, dass ihre sexuelle Lust nicht <strong>wunderbar,<\/strong> sondern dass sie <strong>unanst\u00e4ndig<\/strong> ist. Sie m\u00fcssen damit im Grunde sich selber unanst\u00e4ndig finden. Und daraus, n\u00e4mlich sich selbst unw\u00fcrdig zu empfinden, k\u00f6nnen Hass und Verachtung entstehen, die sich nach innen wie nach au\u00dfen zerst\u00f6rerisch auswirken. Dies wird an dem Fall eines Mannes deutlich, der bei einer McPherson Dessous-Show auf den Laufsteg st\u00fcrzte und Hure br\u00fcllte und sich nach Rauswurf vom Dach des Geb\u00e4udes st\u00fcrzte (Bidulph 1996, S. 82).<\/p>\n<p align=\"center\">\n<\/p>\n<p>F\u00fcr Frauen ist diese Inszenierung genauso krank, denn es bedient zwar den Narzissmus, aber Frauen m\u00fcssen sich dabei vorkommen wie Geldf\u00e4lscher, die Scheine ausgeben, die nicht eingel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Die Feministin Svenja Fla\u00dfp\u00f6hler bemerkt dazu, die Sexualit\u00e4t der Frau bleibe \u201eeine gesellschaftliche Leerstelle&#8220; (Fla\u00dfp\u00f6hler, 2018).<\/p>\n<p>Sexuelle Freiheit hat etwas mit Freiheit von Herrschaftsanspr\u00fcchen zu tun, hatte Wilhelm Reich vermutet. Und tats\u00e4chlich geht Sexismus mit gesellschaftlicher Macht einher. Denn ist es nicht bemerkenswert, dass in Zeitschriften, die von pubertierenden M\u00e4dchen und Jungen gelesen werden, sich elaborierte Anleitungen f\u00fcr den optimalen <em>blowjob<\/em> finden[10] aber keine Ratschl\u00e4ge, wie eine Vulva oral verw\u00f6hnt werden kann, googelt man \u201eCunilingus\u201c \u00f6ffnen sich nur Pornoseiten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Es gibt sexuelle Begegnungen auf Augenh\u00f6he und in gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung, aber wohl nicht durchg\u00e4ngig, sonst g\u00e4be es nicht <em>#me-too<\/em>. Der Unterschied zwischen \u00dcbergriffigkeit und Kompliment entscheidet sich an der Frage des Respekts; dazu sind altmodischer Takt und Anstand n\u00fctzlich, von denen Axel Hacke (2017) meint, sie st\u00e4nden gegenw\u00e4rtig nicht gerade hoch im Kurs. Oder k\u00f6nnen W\u00fcnsche vielleicht auch verhandelt werden?<\/p>\n<p>W\u00e4hrend auf der gesellschaftlichen Ebene viele Unterschiede im Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau sozial konstruiert sind, sind sie in der k\u00f6rperlichen sexuellen Begegnung biologisch in gewissen Grenzen vorgegeben. Der Mann dringt ein, die Frau l\u00e4sst ihn in sich hinein. Ihre Verletzbarkeit besteht in der ungewollten Invasion. Der Mann dagegen kann nicht so leicht von einer Frau sexuell \u00fcberw\u00e4ltigt werden. Dazu braucht er eine Erektion. Und gerade darin besteht seine Verletzbarkeit, n\u00e4mlich, dass er sichtbar versagt, wenn diese schw\u00e4chelt. Diese Art von Scham muss die Frau nicht bef\u00fcrchten, da ihre Sexualit\u00e4t sich weitgehend f\u00fcr den Mann unsichtbar im Inneren abspielt.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu zielorientiertem Durchhalten dr\u00fcckt sich lustvoll erlebte m\u00e4nnliche Sexualit\u00e4t in Pr\u00e4senz aus und im spielerischen Umgang mit der sexuellen Erregung, Erkundung des erotischen Raumes und eine eindringende Haltung, die <strong>weder z\u00f6gerlich noch <\/strong><strong>bed\u00fcrftig oder gierig<\/strong> ist.<\/p>\n<p>Um Sexualit\u00e4t ohne Verrenkung oder Selbstzweifel entspannt und selbstbewusst zu leben, muss man sie aus dem Sumpf der moralischen Sch\u00e4bigkeit befreien.<\/p>\n<p>Wenn sie in Abgrenzung zum Warencharakter der medialen Massen-Angebote und der uralten ecclesiogenen Abwertung seit Augustinus und der Kirchenv\u00e4ter aus der Schmuddelecke befreit ist, wird sie als Quelle von Lebendigkeit und tiefer Verbindung mit dem Partner zur\u00fcckgewinnen. Sex ist nicht nur, wie Anais Nin<em> <\/em>sagt<em> der einzige Zauber gegen den Tod, das Altern und die Langeweile<\/em>. Sex ist nicht nur gesund[11], er ist g\u00f6ttlich, weil wie der Poet Kalil Gibran (1923) sagt, <em>Sex die Gewissheit vermittelt, dass es etwas gibt, was gr\u00f6\u00dfer ist als jede Angst in uns<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p><strong>M\u00e4nner m\u00fcssen die Gratwanderung hinkriegen, mit Bestimmtheit ihr Interesse zu signalisieren, ohne respektlos zu sein. Aber auch ohne sich und seine Sexualit\u00e4t moralisch fragw\u00fcrdig zu finden.<\/strong><\/p>\n<h2 id=\"tab-con-10\">6. Quo vadis?<\/h2>\n<p>Traditionell haben sich M\u00e4nner stark und den Frauen \u00fcberlegen gef\u00fchlt. Das war eine Illusion, die durch Unterdr\u00fcckung aufrechterhalten wurde und sie wurde mit einem Preis bezahlt, der sowohl f\u00fcr die eigene Gesundheit wie f\u00fcr die Beziehung toxisch war. Nun stellt sich heraus, dass Frauen in typischen M\u00e4nnerdom\u00e4nen selbstbewusst auftreten: man sieht sie im Ring boxen, h\u00f6rt aus dem Cockpit die Stimme der Pilotin den Senkflug ank\u00fcndigen und \u00fcberhaupt \u00fcben Frauen mittlerweile fast alle Berufe aus, die M\u00e4nner als typisch m\u00e4nnlich betrachten: Soldatin, Richterin, Pr\u00e4sidentin, Kfz-Mechanikerin usw., in denen sie keineswegs unterlegen sind. Was sich zeigt ist, dass Frauen durch die Emanzipation zu einer Vielfalt von Frauenbildern vorgedrungen sind und die Rolle der hauptberuflichen <em>Mutter und Hausfrau <\/em>hinter sich gelassen haben. Entsprechend k\u00f6nnte Vielfalt auch unter M\u00e4nnern das Ziel sein: weg von der Rolle <em>Sieger und Versorger<\/em> \u2013 nun, da das patriarchale Modell \u00fcberlebt ist.<\/p>\n<p>M\u00e4nner und Frauen befinden sich in einem historischen Moment, in dem der Schl\u00fcssel zur gegenseitigen Befreiung liegt. Die Frauen hatten es in den ersten Wellen der Feminismus einfach, denn es gab einen definierten Feind: das Patriarchat und einzelne seiner Repr\u00e4sentanten. Sie konnten eine bew\u00e4hrte, eigentlich m\u00e4nnliche Methode nutzen, um ihren Zielen n\u00e4herzukommen. N\u00e4mlich einen Feind ausmachen, eine Strategie finden und k\u00e4mpfen. So haben sie die m\u00e4nnliche Welt in vieler Hinsicht erobert. M\u00e4nner befinden sich in einer ungleich schwierigeren Lage: es gibt keinen offensichtlichen Feind. Man kann nat\u00fcrlich S\u00fcndenb\u00f6cke suchen. Zun\u00e4chst die Frauen selbst etwa, wenn man \u00fcber die Feministinnen jammert oder Soldatinnen als Flintenweiber bezeichnet.<\/p>\n<p>Wie Susan Faludi (2001) in dem Buch \u201eM\u00e4nner, das betrogene Geschlecht\u201c deutlich macht, hat die m\u00e4nnliche Krise mehrere Ebenen und am Ende f\u00e4llt sie mit der Krise der Frauen zusammen. Als Erstes haben M\u00e4nner die <em>\u00f6konomische \u00dcberlegenheit<\/em> verloren. Schlimmer als diese Kr\u00e4nkung ist, dass der Glaube daran br\u00f6ckelt, dass seine berufliche <em>Pflichterf\u00fcllung und Loyalit\u00e4t vom Arbeitgeber gew\u00fcrdig<\/em>t wird. Er findet in der Arbeitswelt weder Sicherheit noch Geborgenheit und wird austauschbar und nicht selten unerwartet arbeitslos (h\u00e4ufiger als Frauen). Tiefer sitzt die vielfach unbewusste Schicht der <em>Vaterlosigkeit<\/em>. Entweder durch die gesch\u00e4ftliche Abwesenheit des Mannes in der Familie oder durch Scheidung der Eltern wachsen Jungen vielfach mit Frauen heran: alleinerziehende M\u00fctter, Kinderg\u00e4rtnerinnen, Lehrerinnen auch Gro\u00dfm\u00fctter (die Gro\u00dfv\u00e4ter sterben ja fr\u00fcher). Wo ist der v\u00e4terliche Garant f\u00fcr wohlwollende M\u00e4nnlichkeit, der dem Jungen beibringt, wie man ein Mann wird. Stellvertretend wirken die Pop- und Actionhelden und die Pornohengste aus den Medien auf die Vorstellung heranwachsender M\u00e4nner ein.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich die vielleicht weitreichendste Krise: M\u00e4nner werden in der Gesellschaft zu Kunstfiguren stilisiert, die zwar nach wie vor Gewinner sein m\u00fcssen aber nicht wissen wof\u00fcr. Es z\u00e4hlt der Erfolg in Form von Einkommen, Besitz, Titeln aber es fehlt der Bezug zum Gemeinwohl, der dem Erfolg einen tieferen Sinn geben. Was z\u00e4hlt, ist der narzisstisch ornamentale Charakter des Erfolgs. Deswegen m\u00fcssen immer neue Erfolge errungen werden, ohne dass damit Stabilit\u00e4t verbunden ist. Und der Motor dahinter ist der Konsum, M\u00e4nner werden ebenso wie Frauen schon lange zu repr\u00e4sentablen Kunstfiguren stilisiert, die durch ihre Kaufkraft dem Markt dienen. M\u00e4nner wie Frauen werden mehr oder weniger ohne es zu merken zu Objekten des digitalisierten Massenkommerz \u2013 wobei der weibliche K\u00f6rper mehr noch als der m\u00e4nnliche f\u00fcr die Sexualisierung der Werbung missbraucht wird und anschlie\u00dfend als plastifizierte Idealvorstellung den Konsum von Mode, Kosmetik und Wohlstandsg\u00fctern bei Frauen und M\u00e4nnern gleicherma\u00dfen anheizen soll.<\/p>\n<p>Um zu einer neuen Perspektive von M\u00e4nnlichkeit vorzudringen, m\u00fcssen Klischees \u00fcberholt werden. Einer <em>D\u00e4monisierung<\/em> der M\u00e4nnlichkeit in den Nachrichtenmedien ist entgegenzuhalten, dass der Mehrheit der M\u00e4nner keine sexuelle Gewalt vorgeworfen werden kann und sie zu Unrecht einer kollektiven \u00c4chtung ausgesetzt w\u00fcrden. Und der <em>Glorifizierung<\/em> der M\u00e4nnlichkeit als heldenhaft, attraktiv, super potent in den fiktionalen Medien wie Filmen, Serien, Pornos, Musikvideos, ist entgegenzuhalten, dass hier bindungsloses und leistungsorientierte Sexualverhalten und M\u00e4nnlichkeit mit den genannten toxischen Auswirkungen suggeriert wird, n\u00e4mlich Risikoneigung, Frauenfeindlichkeit und Selbstwertzweifel bei Nichterreichen der Ideale.<\/p>\n<p>Es geht um den Abbau der sozial konstruierten Unterschiede bei gleichzeitiger Beachtung der facettenreichen biologischen Kerngeschlechtlichkeit, wie der Sexualforscher Volker Sigusch (2013) es nennt. M\u00e4nner sollen Sexualit\u00e4t leben k\u00f6nnen, die aus der Schmuddelecke befreit und in Abgrenzung zum Warencharakter der medialen Massen-Angebote als Erf\u00fcllung in der Liebesbeziehung erlebt wird. Und es geht um Akzeptanz der polaren maskulinen und femininen Anteile der Psyche, in allen hetero- oder homosexuellen M\u00e4nnern und Frauen und in allen Mischungen dieser beiden Aspekte. F\u00fcr den femininen Teil ist die Liebe in der Beziehung vorrangig. F\u00fcr den maskulinen Teil ist wichtig, was jeder in die Welt bringt, was man als Aufgabe oder Mission empfindet (Deida 1996). Wenn man merkt, dass sich eine Aufgabe ersch\u00f6pft, resultiert meist eine Krise, die zur einer neuen Mission auf einer pers\u00f6nlicheren Ebene f\u00fchrt. Allerdings nur, wenn man bereit, ist eine erreichte Komfortzone zu verlassen. Das ist \u00fcbrigens auch eines unter f\u00fcnf Dinge, die finale Patienten in der Befragung durch die Sterbebegleiterin Broni Ware (2012) am meisten bereuten: nicht den Mut gehabt zu haben, die Komfortzone zu verlassen und eine gewagte Entscheidung zu treffen. Und das trifft auch auf die Entwicklung der eigenen M\u00e4nnlichkeit zu. Es ist ein Projekt wie Bernd Ulrich in Erwiderung auf Jens Jessens Klagelied \u00fcber die Kollateralsch\u00e4den des Feminismus<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\" title=\"\">[12].<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte von einem <em>Kollateralnutzen des Feminismus<\/em> f\u00fcr die M\u00e4nner sprechen, dass es sich n\u00e4mlich lohnt, die Komfortzone des angestammten androzentrische Welt- und Selbstbildes zu verlassen. Um dabei die unsichtbaren W\u00e4nde des m\u00e4nnlichen Gef\u00e4ngnisses zu erkennen und neue Formen der M\u00e4nnlichkeit zu erforschen. Als g\u00e4be es nicht unter M\u00e4nnern humanit\u00e4re Werte, Schutz der Kinder, Respekt f\u00fcr die Frauen und F\u00fcrsorge f\u00fcr die Schwachen, emp\u00f6rt sich der Aigner (2016). Es kursieren ja bereits unterschiedliche Modelle von nicht-toxischer M\u00e4nnlichkeit in Selbsthilfegruppen und der entsprechenden Literatur dazu (z.B. Bidulph 2000, Eldrige 2003, Schick 2014, Gray &amp; Ardach 2015)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n<ul>\n<li><em>Archaische positive M\u00e4nnlichkeit<\/em>: Autonomie und Mut (Der wilde Mann)<\/li>\n<li><em>Neue anst\u00e4ndige M\u00e4nnlichkeit<\/em>: nobel, ritterlich, heldenhaft,<\/li>\n<li><em>Inclusive M\u00e4nnlichkeit<\/em>: f\u00fcrsorglich, z\u00e4rtlich, partnerschaftlich<\/li>\n<li><em>Metrosexuelle M\u00e4nnlichkeit<\/em>: gepflegt, gestyled, schlank, trainiert (Simpson 1994)&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie kann man von sich von dem eingefleischten Mythos l\u00f6sen, dass das Leben ein Nullsummenspiel sei und dass das Gl\u00fcck dem Sieger geh\u00f6rt? M\u00e4nner brauchen den Feminismus, denn erst, wenn Frauen gleichberechtigt sind, k\u00f6nnen sie aufh\u00f6ren zu glauben, sie m\u00fcssten die 51er sein. M\u00e4nner sollten gute Verlierer sein und sich Gef\u00fchle eingestehen k\u00f6nnen. Als Roger Federer gegen Rafael Nadal im Tennis verlor, hat er auf der B\u00fchne geweint und ihn umarmt<strong> <\/strong>(nach dem Finale der Australian Open 2009). Er zeigte sich verletzbar und verbunden. Serena Williams sagte, sie danke Gott, dass Nadal und Federer geboren wurden.<\/p>\n<p align=\"center\">\n<\/p>\n<p>M\u00e4nner sollten sich um ein gutes Leben k\u00fcmmern. Ein Beispiel ist die britische Kampagne gegen das elende Leben (CALM, Campaign against living miserably), die M\u00e4nnern in suizidalen Krisen hilft [13]. Und M\u00e4nner sollten mit M\u00e4nnern und Frauen dar\u00fcber reden, wie sie aus dem m\u00e4nnlichen Gef\u00e4ngnis ausbrechen k\u00f6nnen und was sie daran hindert. Die Partnerin spielt dabei f\u00fcr den Mann eine besondere Rolle, weil sie Beschwichtigung und halbherziges Engagement durchschaut. Ohne die teils unerbittlichen Gespr\u00e4che mit meiner Frau h\u00e4tte ich mich diesem Thema \u00fcberhaupt nicht n\u00e4hern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Autor: Prof. Dirk Revenstorf<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"209\" title=\"dirk-revenstorf\" data-id=\"1108\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/dirk-revenstorf.jpg\" style=\"width: 100%;\"><\/span><\/p>\n<p>Professor f\u00fcr Psychologie, Universit\u00e4ten T\u00fcbingen und Puebla (Mexiko). Ausbildung in Gestalt-, Hypno und K\u00f6rpertherapie sowie VT. Ehemaliger Vorstand der M.E.G. Gr\u00fcndungsmitglied der Deutsch Chinesischen Akademie f\u00fcr Psychotherapie. Publikationen: 16 B\u00fccher und 200 Artikel \u00fcber Psychotherapie und Evaluation. Jean-Piaget-Award of Clinical Excellence. Preis der Milton H. Erickson Gesellschaft f\u00fcr Klinische Forschung.<\/p>\n<h2 id=\"tab-con-11\">Fu\u00dfnoten<\/h2>\n[1] Nur wenn Kinder geboren werden, kommt es h\u00e4ufig zu einer Re-Traditionalisierung. Die Karriere wird den Kindern geopfert. Und die Kinder werden wieder nach Geschlechtsstereotypen erzogen. Wenn ich jetzt f\u00fcr die Enkel in Kleider- und Spielzeugl\u00e4den umsehe, finde ich im Gegensatz zu Zeiten der 68-Generation wieder streng nach Rosa und Blau getrennte Abteilungen &#8211; entweder Ballettschuhe und Glitzer oder Camouflage und Autos.&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[2] Wilfried Wieck (1989). M\u00e4nner lassen lieben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[3] wie eine den Gr\u00fcnen angeh\u00f6rende Politikerin meinte (zit. nach Aigner, 2016 S. 21)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[4] Die WELT 1.9.2009: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/104651978\" rel=\"nofollow\" target=\"_blank\">https:\/\/www.welt.de\/104651978<\/a>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[5] <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/lesart.1269.de\" rel=\"nofollow\" target=\"_blank\">www.deutschlandfunkkultur.de\/lesart.1269.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[6] Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zitiert nach Stokowski (2016) S. 198<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[7] Entsprechend der Anzahl der Studienabschl\u00fcsse m\u00fcssten \u00fcber die H\u00e4lfte der C4-Professuren weiblich besetzt sein; es sind aber nur 11 % (Statistisches Bundesamt, zit. nach S\u00fcfke, 2016 S 24). Auf der anderen Seite sind M\u00e4nner bei den Sorgerechtsentscheidungen eher benachteiligt<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[8] <a href=\"http:\/\/www.neon.de\/artikel\/sehen\/gesellschaft\/die-emanzipation-des-mannes\/665625\" rel=\"nofollow\" target=\"_blank\">www.neon.de\/artikel\/sehen\/gesellschaft\/die-emanzipation-des-mannes\/665625<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[9] Fei Fei Li, Direktorin des Human-centered Artificial Intelligence Institue der Stanford University in: <em>Time<\/em>, 4.Februar 2019<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[10] <em>Petra<\/em>: \u201eBlasen kann auch Frauen Spa\u00df bringen\u201c <em>Brigitte<\/em>: \u201cbeim Blowjob in die Augen sehen\u201c. <em>Glamour<\/em>: \u201eEinen Mann verw\u00f6hnen: Der perfekte Blowjob\u201c <em>Woman.AT<\/em>: \u201eBlowjob f\u00fcr Anf\u00e4nger\u201c;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[11] Sex ist auch noch gesund f\u00fcr den Mann: Er senkt das Risiko von Prostatakrebs und koronaren Erkrankungen[11] (Hartmann, 2016). Trotzdem ist Sex tabuisiert: Versagensangst, Sprachlosigkeit<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[12] Bernd Ulrich: Mann irrt. <em>Die Zeit<\/em>, 17. April 2018<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n[13] <a href=\"http:\/\/www.neon.de\/artikel\/sehen\/gesellschaft\/die-emanzipation-des-mannes\/665625\" rel=\"nofollow\" target=\"_blank\">www.neon.de\/artikel\/sehen\/gesellschaft\/die-emanzipation-des-mannes\/665625<\/a><\/p>\n<h2>Literaturverzeichnis<\/h2>\n<p>Bauer, J (2011). Schmerzgrenze. Vom Ursprung allt\u00e4glicher und globaler Gewalt. M\u00fcnchen: Blessing<\/p>\n<p>Biddulph, S. (1996). M\u00e4nner auf der Suche. M\u00fcnchen: Beust Verlag<\/p>\n<p>Bly R. (1996) Eisenhans. Ein Buch \u00fcber M\u00e4nner. M\u00fcnchen:Knaur.<\/p>\n<p>Br\u00e4hler (2017)<\/p>\n<p>Brenzendine, L. (2010). Das m\u00e4nnliche Gehirn. Hamburg: Hoffmann und Campe.<\/p>\n<p>Calmbach et al. (2016). Wie ticken Jugendliche. Heidelberg: Springer<\/p>\n<p>Campbell, J. (1999).Der Heros in tausend Gestalten. Frankfurt: Inselverlag<\/p>\n<p>Deida, D. (2006). Der Weg des wahren Mannes. Bielefeld: Kamphausen.<\/p>\n<p>Dinges, M.(2017). Sexualit\u00e4t in Deutschland (1933-2016). In: Stiftung M\u00e4nnergesundheit. Hrg. (2017) Sexualit\u00e4t von M\u00e4nnern. Dritter deutscher M\u00e4nnergesundheitsbericht.<\/p>\n<p>D\u00f6ring, N. (2017). M\u00e4nnliche Sexualit\u00e4t im Digitalzeitalter. In: Stiftung M\u00e4nnergesundheit. Hrg. (2017) Sexualit\u00e4t von M\u00e4nnern. Dritter deutscher M\u00e4nnergesundheitsbericht.<\/p>\n<p>Eldredge, J (2003) Der ungez\u00e4hmte Mann. Gie\u00dfen: Brunnenverlag.<\/p>\n<p>Faludi, S. (2001). M\u00e4nner das betrogene Geschlecht. Hamburg Rowohlt<\/p>\n<p>Fester R., K\u00f6nig ME, Jonas DF &amp; Jonas D (1979). Weib und Macht. Frankfurt Fischer.<\/p>\n<p>Fla\u00dfp\u00f6hler, S. (2018). Die potente Frau. Berlin:Ullstein<\/p>\n<p>French, M (2008). Frauen. Reinbeck: Rohohlt<\/p>\n<p>Gibran, K (1923) Der Prophet. D\u00fcsseldorf: Patmos<\/p>\n<p>Grisard, D (2014). Rosarot und Himmelblau. Die Farbe s\u00fc\u00dfer Beeren und des Himmels bei pr\u00e4chtigem Jagdwetter. In: R\u00f6der, B (2014).Hrg. Ich Mann Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten? Freiburg: Rombachverlag.<\/p>\n<p>Gray, J. &amp; Ardagh, A. (2015). Wie M\u00e4nner zu sich selbst finden. Petersdorf: Vianova<\/p>\n<p>Hacke, A (2017). \u00dcber den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir mit einander umgehen. M\u00fcnchen: Kunstmann.<\/p>\n<p>Hartmann, U. (2018). Hrg: Sexualtherapie. Heidelberg: Springer.<\/p>\n<p>Hollstein, W. (2008) Was vom Manne \u00fcbrig blieb. Krise und und Zukunft des \u201estarken Geschlechts.\u201c Berlin: Aufbau Verlag<\/p>\n<p>H\u00fcther, G. (2009). Das schwache Geschlecht und sein Gehirn. G\u00f6ttingen: V&amp;R<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Demoskopie Allensbach (20013). Der Mann 2013: Arbeits- und Lebenswelten &#8211; Wunsch und Wirklichkeit. Allensbach<\/p>\n<p>K\u00f6lbl, 2014<\/p>\n<p>Kucklick, C. (2008). Das unmoralische Geschlecht. Zur Geburt einer negativen Andrologie. Frankfurt \/Main:<\/p>\n<p>Leimbach, J TH. (2007). M\u00e4nnlichkeit leben. Hamburg: Ellert&amp; Richter.<\/p>\n<p>Paglia, C (1996). Die Masken der Sexualit\u00e4t. M\u00fcnchen: Byblos Verlag<\/p>\n<p>Richter, HE. (2006) Die Krise der M\u00e4nnlichkeit. Gie\u00dfen: Psychosozialverlag.<\/p>\n<p>R\u00f6der, B (2014).Hrg. Ich Mann Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten? Freiburg: Rombachverlag.<\/p>\n<p>Rose I &amp; Sichtermann B (2006) M\u00e4nner am Rande des Nervenzusammenbruchs. Berlin: Edition Ebersbach.<\/p>\n<p>Schick, A. (2015). Selbsterfahrung Mann. Heidelberg Springer<\/p>\n<p>Schlichtherle, H (2014).Weibliche Symbolik an den Hausw\u00e4nden und Keramikgef\u00e4\u00dfen. R\u00f6der, B (2014).Hrg. Ich Mann Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten? Freiburg: Rombachverlag.<\/p>\n<p>Schmitz, S (2014). Das Gehirn von J\u00e4gern und Sammlerinnen. Evolution\u00e4re Mythen f\u00fcr die Gegenwart.<\/p>\n<p>Sigusch, V. (2013). Sexualt\u00e4ten. Eine kritische Theorie in 99 Fragmenten. Frankfurt\/M: Campus<\/p>\n<p>Stiftung M\u00e4nnergesundheit. Hrg. (2017) Sexualit\u00e4t von M\u00e4nnern. Dritter deutscher M\u00e4nnergesundheitsbericht.<\/p>\n<p>Stokowski, M, Untenrum frei. Hamburg Rowohlt 2018, S 142<\/p>\n<p>S\u00fcfke, B (2016) M\u00e4nner. Was es heute hei\u00dft, Mann zu sein. M\u00fcnchen: Goldmann<\/p>\n<p>Urwin, J (2017).Boys don\u2019t cry. Hamburg Nautilus<\/p>\n<p>Ware, B (2012). The Top Five Regrets of the Dying: A Life Transformed by the Dearly Departing. Carlsbad: Hay House<\/p>\n<p>Wieck, W. (1989) M\u00e4nner lasssen lieben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\" title=\"\"> <\/a><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\" title=\"\"> <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann M\u00e4nnlichkeit nicht unabh\u00e4ngig von der sexuellen Beziehung zur Frau verstehen. Es w\u00e4re jetzt aber ein Fehler zu versuchen, M\u00e4nnlichkeit als Reaktion auf die derzeitige Selbstbem\u00e4chtigung der Frau zu definieren, so wie sich (umgekehrt) der Feminismus als berechtigte Reaktion auf das Patriarchat bestimmt. Die Frage ist vielmehr, was ist die Essenz des Mannes? 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