{"id":1484,"date":"2019-10-23T18:12:49","date_gmt":"2019-10-23T16:12:49","guid":{"rendered":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/?p=1484"},"modified":"2021-01-16T19:16:32","modified_gmt":"2021-01-16T18:16:32","slug":"hypnose-und-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/hypnose-und-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Hypnose und Wissenschaft: Was die Erforschung von Hypnose schwierig macht und warum es sich dennoch lohnt."},"content":{"rendered":"<p>Das erste mal bin ich 2014 mit dem Thema \u201eHypnose\u201c in Ber\u00fchrung gekommen. Damals habe ich ein Buch gelesen, das mir versprach, die Gedanken anderer Menschen lesen zu lernen. R\u00fcckblickend bin ich froh \u00fcber meine Unf\u00e4higkeit, \u201eschlechte\u201c B\u00fccher ungelesen zur Seite zu legen &#8211; denn im letzten Kapitel ging es darum, wie man lernen kann, Menschen zu hypnotisieren.<\/p>\n<p>Damals war ich \u00fcberzeugt, dass Hypnose ein weiterer Trick f\u00fcr die B\u00fchne sei. Wie ein Zaubertrick, den man nicht zu ernst nehmen darf.<\/p>\n<p>Ich las das Buch brav zu Ende und st\u00fcrzte mich aufs Internet. Es war ein Leichtes, allerlei YouTube-Videos zu finden, die mir erkl\u00e4ren wollten, wie man hypnotisiert. Nach und nach lie\u00df ich mich davon \u00fcberzeugen, dass das hypnotische Verhalten nicht gespielt war.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" title=\"idee\" data-id=\"1486\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/idee.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Bild 1<\/p>\n<p>Ich recherchierte weiter. Hypnose als Behandlungsm\u00f6glichkeit in der klinischen Psychologie?! Daran blieb ich als damalige Psychologiestudentin h\u00e4ngen. Und dann machte ich parallel drei Dinge: Ich versorgte mich mit Einf\u00fchrungsliteratur, belegte ein Hypnose-Seminar an der medizinischen Universit\u00e4t und suchte nach einem Praktikum in klinischer Hypnose.<\/p>\n<p>Heute, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, h\u00e4nge ich immer noch begeistert an der klinischen Hypnose. Nach acht Monaten Praktikum, zahlreichen Seminaren, verschiedenen Tagungen und mancherlei B\u00fcchern sp\u00e4ter, besch\u00e4ftige ich mich nun auch wissenschaftlich mit Hypnose. Selbstverst\u00e4ndlich halte ich Hypnose l\u00e4ngst nicht mehr f\u00fcr einen Zaubertrick und sehe n\u00fcchtern ihre Grenzen. Und obwohl ich wesentlich mehr Wissen auf diesem Gebiet habe als vor f\u00fcnf Jahren, ist die grundlegende aller Fragen immer noch offen:<\/p>\n<h2><strong>Was genau ist denn nun Hypnose?<\/strong><\/h2>\n<p>In fr\u00fcheren Blogartikeln wurden diese Fragen bereits teilweise beantwortet. Dieser Blogartikel schaut sich Hypnose durch die Brille der Wissenschaft an. Es ist, als k\u00f6nne man mit dieser Brille nur einen ganz kleinen Bereich scharf sehen. Aber dieser scharfe Bereich sieht spannend aus! Und diesen Bereich m\u00f6chte ich euch in diesem und weiteren Blog-Artikeln gern vorstellen. Der heutige Beitrag beleuchtet insbesondere die Schwierigkeiten, Hypnose wissenschaftlich zu untersuchen.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" title=\"brille-komprimiert\" data-id=\"1501\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/brille-komprimiert.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Bild 2: Die Nerd-Brille \ud83e\udd13<\/p>\n<h2><strong>Hypnose und Wissenschaft: Das Problem der Messbarkeit<\/strong><\/h2>\n<h3><strong>Warum ist Messbarkeit wichtig<\/strong><\/h3>\n<p>Angenommen, ein Objekt f\u00e4llt vom Himmel direkt in meinen Garten und ich preise es in alle Richtungen als Sensation an! Ihr fragt euch wahrscheinlich, was f\u00fcr ein Objekt das sein soll. Wenn ich euch erz\u00e4hle, dass es 15 Kilogramm wiegt und dass die Farbe der Wellenl\u00e4nge 390nm entspricht, w\u00fcrdet ihr mich zurecht fragend anschauen. Es k\u00f6nnte ein violettfarbenes UFO oder ein Wollkn\u00e4uel riesigen Ausma\u00dfes sein. Je mehr Informationen ich hinzuf\u00fcge, desto \u201egreifbarer\u201c wird das Objekt.<\/p>\n<p>Und es braucht die mehr oder weniger universellen Ma\u00dfeinheiten (Gewicht und Wellenl\u00e4nge). Ich k\u00f6nnte beispielsweise mit meinem selbst-entworfenen Gewichtssystem ankommen und behaupten, das Objekt wiege 3 Neuroscience-Lehrbuch-Einheiten (NLE). Damit k\u00f6nnte nur ich selbst etwas anfangen. Diese vergleichbare \u201cFassbarmachung\u201d oder wissenschaftliche Untersuchbarmachung von Objekten und Zust\u00e4nden nennt man dann <strong>Operationalisierung<\/strong>.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"539\" title=\"neuroscience\" data-id=\"1493\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/neuroscience.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Bild 3: 1 Neuroscience-Lehrbuch-Einheit<\/p>\n<h3><strong>Operationalisierung als Notwendigkeit und Falle<\/strong><\/h3>\n<p>Operationalisierungen k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch einschr\u00e4nken. Die Gleichung mit dem Hammer ist euch vermutlich bekannt: Wer einen Hammer in der Hand h\u00e4lt, sieht \u00fcberall N\u00e4gel. Ein Religionswissenschaftler sagte mal, dass man den Inhalt tief in einem Brunnen niemals mit einem Lineal wird messen k\u00f6nnen, womit er auf die begrenzten M\u00f6glichkeiten wissenschaftlicher Erkenntnis hinwies. Aber um handlungsf\u00e4hig zu bleiben, muss die Wissenschaft nun mal einige Kompromisse eingehen.<\/p>\n<p>In den meisten <em>Natur<\/em>wissenschaften ist es relativ einfach, die Dinge zu operationalisieren. Nicht so in den <em>Sozial<\/em>wissenschaften wie der Psychologie. Der Mensch als soziales und kulturelles Wesen ist so komplex, dass sogar beobachtbares Verhalten oft nicht klar operationalisierbar ist.&nbsp;<\/p>\n<p>Angenommen ich beobachte im Club, dass M\u00e4nner zu Beginn des Abends h\u00fcbschere Frauen ansprechen, als zu sp\u00e4terer Stunde. Welche Aussage d\u00fcrfte ich dar\u00fcber \u00e4u\u00dfern? Richtig: keine. Sollte ich am n\u00e4chsten Tag inspiriert von meiner Cluberfahrung eine Studie dar\u00fcber anstellen wollen, so m\u00fcsste ich zun\u00e4chst kl\u00e4ren: Was ist eigentlich (menschliche) Sch\u00f6nheit? Wie messe ich sie? Es k\u00f6nnte n\u00e4mlich sein, dass mein Begriff von Sch\u00f6nheit nicht dem der Allgemeinheit entspricht. Nicht umsonst widmet sich ein riesiger internationaler Forschungsbereich dem Thema \u201eSch\u00f6nheit\u201c oder \u201e\u00c4sthetik\u201c.<\/p>\n<h3><strong>Hypnose und Messbarkeit<\/strong><\/h3>\n<p>Mit Studien zu Hypnose verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich kompliziert. Um Hypnose zu erforschen, muss man zun\u00e4chst feststellen, dass Hypnose etwas ist, das sich von anderen Dingen unterscheidet, also universell messbar ist.&nbsp;<\/p>\n<p>Warum ist das wichtig? Hysterie war vor circa einem Jahrhundert in aller Munde; eine Erkrankung, die fast ausschlie\u00dflich bei Frauen diagnostiziert wurde. Die Symptome waren recht unspezifisch, k\u00f6rperliche Gr\u00fcnde lie\u00dfen sich keine finden. Frauen wurden mit allem M\u00f6glichen von martialischen Ovarienpressen bis hin zu Vibratorenanwendungen behandelt. Heutzutage wird das Wort \u201ehysterisch\u201c h\u00f6chstens noch von Personen verwendet, die (oft weibliches) Extremverhalten beschreiben wollen. Ein St\u00f6rungsbegriff ist es jedenfalls l\u00e4ngst nicht mehr. Hysterie war also nicht <em>zeitstabil<\/em> messbar.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Hypnose: Es muss also zuerst gekl\u00e4rt werden, ob&nbsp; Hypnose etwas ist, was sich <strong>universell, zeitstabil, kulturunabh\u00e4ngig und objektiv<\/strong> messen l\u00e4sst. Wir wollen vermeiden, uns auf die Suche nach einer Fata Morgana zu machen, richtig? Um in diesem Sinne etwas zu sein, muss es sich von anderen Dingen abgrenzen lassen.<\/p>\n<h3><strong>Hypnose und Gehirnscans<\/strong><\/h3>\n<p>Es gibt seit \u00fcber zwei Jahrzehnten Versuche, den hypnotischen Zustand im Gehirnscanner nachzuweisen, um ihn von anderen Zust\u00e4nden abzugrenzen. Es gibt vielversprechende Ergebnisse, die f\u00fcr den suggestionslosen hypnotischen Zustand (eine sogenannte Leertrance) ein Aktivit\u00e4tsmuster gefunden haben (Halsband, 2015; McGeown et al., 2009). Es gibt allerdings kritische Stimmen, die anzweifeln, ob dieses Aktivit\u00e4tsmuster wirklich <strong>spezifisch f\u00fcr den hypnotischen Zustand<\/strong> oder nicht doch vergleichbar mit bestimmten Wachzust\u00e4nden ist (Landry &amp; Raz, 2015).<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" title=\"fmri-komprimiert\" data-id=\"1502\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fmri-komprimiert.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Bild 4: fMRT-Bilder<\/p>\n<h2><strong>Hypnose und Wissenschaft: Das Problem der Replizierbarkeit<\/strong><\/h2>\n<p>Operationalisierbarkeit ist <em>ein<\/em> wichtiges Kriterium in der Wissenschaft \u2013 <strong>Replizierbarkeit<\/strong> ist ein anderes. Replizierbarkeit bedeutet, dass die Ergebnisse einer Studie von einer unabh\u00e4ngigen anderen Forschungsgruppe repliziert werden m\u00fcssen, um an Bedeutung zu gewinnen. Das bedeutet, dass eine gute Studie mit einem w\u00fcnschenswerten Ergebnis an sich eine spannende Sache ist, jedoch mit viel Vorsicht behandelt werden muss, solange es keine anderen \u00e4hnlichen Studien mit \u00e4hnlichen Ergebnissen gibt.&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich beispielsweise meine Clubbeobachtung mit gut durchdachten wissenschaftlichen Kriterien und einer gro\u00dfen Stichprobe best\u00e4tigen kann, dann braucht es m\u00f6glichst viele andere Personen aus den verschiedenen L\u00e4ndern der Welt, die sich inspiriert f\u00fchlen, meine Studie zu replizieren. Dann kann es beispielsweise sein, dass eine Kollegin in China auf das entgegengesetzte Ergebnis kommt: Dass im Verlauf der Nacht, die m\u00e4nnlichen Besucher von Nachtclubs im Schnitt deutlich h\u00fcbschere Frauen ansprechen. Es kann auch sein, dass ein anderer Kollege keinerlei Ver\u00e4nderung in seinen Daten findet.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Problem bei der Replizierbarkeit von Studienergebnissen vor allem im Forschungsfeld \u201eHypnose\u201c ist, dass aus verschiedenen Gr\u00fcnden selten eine Studie genug der anderen gleicht, um die Ergebnisse vergleichen zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Die meisten Gehirnscanner-Studien benutzen eine hypnotische Induktion und darauffolgende hypnotische Suggestionen. Unter Induktion versteht man die gesprochene Einleitung in einen hypnotischen Zustand (\u00fcbliche Formulierungen zielen auf Entspannung bei gleichzeitiger Aufmerksamkeitsfokussierung). Die Gestaltung dieser beiden Elemente ist meistens nicht vergleichbar und somit liegen zwar zahlreiche Studienergebnisse vor, die jedoch bei genauerem Blick nicht vergleichbar sind.<\/p>\n<h2><strong>Hypnose und Wissenschaft: Das Problem der Standardisierung<\/strong><\/h2>\n<p>Es war die Rede von Operationalisierbarkeit und Replizierbarkeit. Ich m\u00f6chte noch kurz ein anderes Kriterium f\u00fcr gute wissenschaftliche Arbeit anf\u00fchren: die <strong>Standardisierung<\/strong>. Darunter versteht man, dass bei Experimenten alle Bedingungen gleich bleiben m\u00fcssen, damit die absichtliche Ver\u00e4nderung an <em>einer<\/em> Bedingung R\u00fcckschl\u00fcsse erlauben kann.<\/p>\n<p>Angenommen ich wende Hypnose an einer Gruppe von Menschen in der Fakult\u00e4t der Psychologie an, um mithilfe des imagin\u00e4ren Bildes einer Schutzblase, die den K\u00f6rper umgibt, ihre allergischen Reaktionen zu reduzieren. Und angenommen ich wende Hypnose an einer anderen Gruppe von Menschen in meinem WG-Wohnzimmer an und biete ihnen das Bild von einem Schutzbalsam an, den sie imaginativ so anwenden, dass Pollen keinen Zugang zu ihrem K\u00f6rper finden.<\/p>\n<p>Die erste Gruppe zeigt eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur zweiten. Aus diesen Ergebnissen kann ich leider keine R\u00fcckschl\u00fcsse ziehen, weil es entweder sein k\u00f6nnte, dass die R\u00e4umlichkeiten einen Unterschied gemacht haben (man ist erwartungsvoller, wenn der Kontext Professionalit\u00e4t vermittelt, und eine gr\u00f6\u00dfere Erwartungshaltung kann an sich bereits wirken), oder dass das angebotene mentale Bild den entscheidenden Unterschied macht.&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn mich der Effekt der R\u00e4umlichkeiten interessiert, h\u00e4tte ich die verschiedenen R\u00e4umlichkeiten beibehalten und nur eins der beiden hypnotischen Suggestionen anbieten m\u00fcssen. Interessiert mich jedoch der Effekt der Suggestionen, so h\u00e4tte ich beide Gruppen im gleichen Laborraum der Fakult\u00e4t untersuchen m\u00fcssen.<\/p>\n<h3><strong>Hypnotherapieforschung und Standardisierung<\/strong><\/h3>\n<p>Und damit kommen wir zur \u2013 wie ich finde \u2013 gr\u00f6\u00dften Herausforderung der wissenschaftlichen Untersuchung von Hypnose, aber insbesondere der <em>therapeutischen<\/em> Wirkung von Hypnose. Nach dem Begr\u00fcnder der modernen Hypnose, dem US-amerikanischen Psychiater Milton H. Erickson, ist Hypnose eine <strong>hochindividualisierte Form der Kommunikation.<\/strong> Er passte Tonfall, K\u00f6rpersprache und selbstverst\u00e4ndlich den Inhalt des Gesprochenen hochindividuell an die Bed\u00fcrfnisse der Personen an, an deren Weltbild und aktuelles Befinden.<\/p>\n<p>&#8222;Each person is a unique individual. Hence, psychotherapy should be formulated to meet the uniqueness of the individual\u2019s needs, rather than tailoring the person to fit the Procrustean bed of a hypothetical theory of human behavior.&#8220; &#8211; Milton H. Erickson (Zitat aus dem Tagungsprogramm des First International Congress on Ericksonian Approaches to Hypnosis and Psychotherapy in Phoenix, Arizona vom 4.-8. Dezember, 1980)<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" title=\"haende-komprimiert\" data-id=\"1503\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/haende-komprimiert.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Bild 5<\/p>\n<p>Die Wissenschaft kann sich diesen Luxus aus Gr\u00fcnden der Standardisierbarkeitspr\u00e4misse nicht leisten. Das bedeutet, dass in einer Studie mit beispielsweise 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer jede einzelne Person genau die gleichen hypnotischen Suggestionen erh\u00e4lt bzw. erhalten muss. Ob sie zur Person und den gegebenen Umst\u00e4nden passen oder nicht. Manchmal reicht ein ver\u00e4nderter Satz \u2013 und die Ergebnisse der einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind streng genommen nicht mehr untereinander vergleichen.&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man also untersuchen m\u00f6chte, ob Hypnose als therapeutisches Mittel effektiv sein kann, ist dieser Punkt ein besonderes Hindernis. Es k\u00f6nnte grunds\u00e4tzlich sein, dass Hypnose viel besser wirkt, als es Studien nahelegen, weil insbesondere die systemische Hypnotherapie sehr individuell vorgeht.<\/p>\n<p>Andererseits spielt nat\u00fcrlich auch die therapierende Person und VersuchsleiterIn eine sehr gro\u00dfe Rolle. Ich habe h\u00e4ufig geh\u00f6rt, dass es so viele Arten zu therapieren gibt, wie es Therapeutinnen und Therapeuten gibt. Denn selbstverst\u00e4ndlich spielt die Weltsicht und die Erfahrung derjenigen Person die gr\u00f6\u00dfte Rolle darin, wie sie therapiert. Diese, mal subtilen und mal offensichtlichen Unterschiede in der therapeutischen Herangehensweise, sind unm\u00f6glich zu kontrollieren bzw. zu standardisieren. Und deshalb, wenn man Hypnose als Therapie wissenschaftlich untersucht, werden vorgeschriebene Manuale sehr streng eingehalten.<\/p>\n<h2><strong>Lohnt sich Hypnose-Forschung trotz all dieser Herausforderungen?<\/strong><\/h2>\n<p>Forscherinnen und Forscher lassen sich gl\u00fccklicherweise von all diesen Hindernissen nicht leicht entmutigen. Hypnose wird seit ein paar Jahrzehnten und vermehrt seit Beginn dieses Jahrhunderts zunehmend untersucht &#8211; mit gutem Grund! Es m\u00fcssen dann vorl\u00e4ufige Definitionen bzw. vorl\u00e4ufige Annahmen \u00fcber Hypnose und ihrer Wirkung herhalten.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" title=\"possible-komprimiert\" data-id=\"1504\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/possible-komprimiert.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Bild 6<\/p>\n<p>In diesem Blogartikel ging es viel um Schwierigkeiten und Hindernisse bei der wissenschaftlichen Untersuchung von Hypnose. Es gibt jedenfalls viele spannende und berichtenswerte Studienergebnisse \u00fcber die erstaunlichen Auswirkungen von Hypnose auf das menschliche Verhalten und die Wahrnehmung (Stichworte: hypnotische Halluzinationen, Wirkung und M\u00f6glichkeiten posthypnotischer Suggestionen)! Diese werden jedoch Thema sp\u00e4terer Blogbeitr\u00e4ge werden.<\/p>\n<p>Wie hat euch der Blick durch die Wissenschaftsbrille gefallen? Lasst es mich wissen, indem ihr diesen Beitrag in sozialen Netzwerken teilt oder indem ihr es in die Kommentare schreibt. Und wenn ihr Fragen habt, dann ruhig drauflosfragen \u2013 ich bin gespannt!<\/p>\n<h2>Literatur:<\/h2>\n<ul>\n<li>Erickson, M. H., Zeig, J. K., &amp; Geary, B. B. (2000). <em>The <\/em><em><\/em><em>Letters of Milton H. Erickson<\/em>. Phoenix, AZ: Zeig Tucker &amp; Theisen Publishers.<\/li>\n<li><span><\/span>Halsband, U. (2015). Neurobiologie der Hypnose. In D. Revenstorf &amp; <span><\/span>B. Peter (Hrsg.), Hypnose in der Psychotherapie, Medizin und <span><\/span>Psychosomatik (S. 802\u2013820) (3. Aufl.). <span><\/span>Heidelberg: Springer. <span><\/span><\/li>\n<li><span><\/span>Landry, M., &amp; Raz, A. (2015). Hypnosis and <span><\/span>imaging of the living human brain. <em>American <\/em><em><span><\/span><\/em><em>Journal of Clinical Hypnosis, 57<\/em>(3), <span><\/span>285\u2013313. <span><\/span><\/li>\n<li><span><\/span>McGeown, W. J., Mazzoni, G., Venneri, A., &amp; Kirsch, I. (2009). <span><\/span>Hypnotic induction decreases anterior default <span><\/span>mode activity. <em>Consciousness and&nbsp;<\/em><em><span><\/span><\/em><em>Cognition, 18<\/em>(4), 848-855.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Autorin: Lisa Anton-Boicuk MSc<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"528\" title=\"lisa-anton-boicek\" data-id=\"1507\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/lisa-anton-boicek.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Lisa hat ihren Masterabschluss in Klinischer Psychologie an der Universit\u00e4t Wien absolviert und erforschte dort \u00fcber zwei Jahre lang den Einfluss von Hypnose auf das Wahrnehmen, Denken und F\u00fchlen. Am Milton-Erickson-Institut Rottweil hat sie die Curricula der Klinischen Hypnose und Hypnosystemischen Kommunikation durchlaufen. Heute arbeitet sie als Psychologin in einer psychosomatischen Klinik. Privat ist sie ambitionierte Kaffeesomeli\u00e8re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste mal bin ich 2014 mit dem Thema \u201eHypnose\u201c in Ber\u00fchrung gekommen. Damals habe ich ein Buch gelesen, das mir versprach, die Gedanken anderer Menschen lesen zu lernen. 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