{"id":1633,"date":"2019-12-18T18:00:30","date_gmt":"2019-12-18T17:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/?p=1633"},"modified":"2021-01-16T19:16:08","modified_gmt":"2021-01-16T18:16:08","slug":"freud-und-hypnose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/freud-und-hypnose\/","title":{"rendered":"Freud und Hypnose: Wie der junge Freud Hypnose nutzte und warum er sie wieder aufgab"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/pixabay.com\/photos\/sigmund-freud-portrait-1926-1153858\/\">\u200b<\/a>Wenn Du Dich mit <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/was-ist-hypnose\/\" target=\"_blank\">Hypnose<\/a> schon mal befasst hast, wirst Du wahrscheinlich wissen, dass Sigmund Freud, der Begr\u00fcnder der Psychoanalyse, in seinen fr\u00fchen Jahren als Arzt mit der Hypnose gelieb\u00e4ugelt hat.<\/p>\n<p>Als ich es vor einigen Jahren erfuhr, war ich ziemlich baff. Ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals in einer Vorlesung an der Universit\u00e4t oder in einem von Freuds sp\u00e4teren B\u00fcchern dar\u00fcber gelesen zu haben. Ich h\u00e4tte vor allen Dingen nicht gedacht zu erfahren, dass die Hypnose f\u00fcr Freud mehr war als nur eine fr\u00fche Faszination, sondern gar der notwendige Sprungstein f\u00fcr die Entwicklung der Psychoanalyse!<\/p>\n<p>Du wirst in diesem Blogartikel erfahren, wie Freud zur Hypnose und die Hypnose zu Freud kam, was Freud \u00fcber sie annahm, wie er sie einsetzte &#8211; und warum er sie wieder aufgab.<\/p>\n<p>Ein kurzer Hinweis vorab: Wenn im Folgenden das Wort &#8222;Hysterie&#8220; f\u00e4llt, dann spreche ich von einer Krankheitsdefinition wie es sie zu Zeiten Sigmund Freuds gab. Keinesfalls m\u00f6chte ich den Eindruck erwecken, als sei es eine heutzutage anerkannte St\u00f6rung. Generell gehe ich auf manche Punkte nicht konkreter ein, obwohl dar\u00fcber mehr gesagt werden k\u00f6nnte. Ich bitte Dich, mir eine gewisse Oberfl\u00e4chlichkeit meines Blogbeitrages zu verzeihen. Aber lass uns gleich ins Thema eintauchen.<\/p>\n<p><strong>Throwback: Wien, Kaisertum \u00d6sterreich, 1882<\/strong><\/p>\n<p>Gehen wir zur\u00fcck in das Jahr 1882. Freud ist frisch promovierter Doktor der Medizin und beginnt seine Karriere als Aspirant und sp\u00e4ter Assistenzarzt am gehirnanatomischen Institut des Wiener Allgemeinen Krankenhauses.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" title=\"20191218_101303\" data-id=\"1663\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191218_101303-1.png\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Altes Allgemeines Krankenhaus heute. Foto: Lisa Anton-Boicuk<\/p>\n<p>In der Wiener \u00c4rztegesellschaft der damaligen Zeit wird von Hypnose nicht viel gehalten &#8211; man denkt in charakteristisch Wienerischer \u00dcberheblichkeit (Verzeih&#8216; mir, Wien, ich bin dein gr\u00f6\u00dfter Fan!) und mit hochgezogener Augenbraue an die l\u00e4ngst \u00fcberholte Theorie des Mesmerschen Animalischen Magnetismus, die in Europa den Grundstein f\u00fcr eine <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/hypnose-und-wissenschaft\/\" style=\"outline: none;\" target=\"_blank\">wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hypnose<\/a> legte.<\/p>\n<p>Zwei Jahre zuvor, also 1880, machten in Wien Auftritte des d\u00e4nischen Magnetiseurs (heute k\u00f6nnte man dazu sagen: Showhypnotiseur mit Heilabsichten) Carl Hansen Furore. Die dargebotenen hypnotischen Ph\u00e4nomene waren so \u00fcberzeugend, dass sich die Wiener \u00c4rztegesellschaft damit befassen musste. Die Reaktionen waren unterschiedlich: Skeptiker blieben skeptisch, den anderen war es eine willkommene Gelegenheit, ernsthafter \u00fcber Hypnose zu sprechen.<\/p>\n<p>In Deutschland war es ein gewisser Rudolf Heidenhain, der sich inspiriert von dem, was er bei Hansen sah, f\u00fcr eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hypnose einsetzte, &#8222;was aber die Professoren der Psychiatrie nicht abhielt, noch auf lange hinaus die Hypnose f\u00fcr etwas Schwindelhaftes und \u00fcberdies Gef\u00e4hrliches zu erkl\u00e4ren und auf die Hypnotiseure geringsch\u00e4tzig herabzuschauen&#8220; (Freud, 1955, S. 40).<\/p>\n<p>\u00dcbrigens war auch Freud in einer Vorstellung von Carl Hansen. Er schreibt dazu: &#8222;Noch als Student hatte ich einer \u00f6ffentlichen Vorstellung des &#8218;Magnetiseurs&#8216; Hansen beigewohnt und bemerkt, da\u00df eine der Versuchspersonen totenbleich wurde, als sie in kataleptische Starre geriet und w\u00e4hrend der ganzen Dauer des Zustandes so verharrte. Damit war meine \u00dcberzeugung von der Echtheit der hypnotischen Ph\u00e4nomene fest begr\u00fcndet.&#8220; (1955, S. 40).<\/p>\n<p>Kurz und gut: die Umst\u00e4nde damals in Bezug auf Hypnose waren gelinde gesagt gespalten. Kehren wir wieder ins Jahr 1882 zur\u00fcck. Freud beginnt nun w\u00e4hrend seiner Aspirantur\/Assistenz, sich dem Studium der Nervenkrankheiten (heute: psychische St\u00f6rungen) zu widmen und stellt entt\u00e4uscht fest, dass er weder gute B\u00fcchersammlungen noch bedeutend gute Lehrer f\u00fcr Hypnose finden kann.<\/p>\n<h2>Selbstf\u00fcrsorge-Trancen in Zeiten des Coronavirus<\/h2>\n<p>Kostenlose Trancen von erfahrenen Hypnotherapeut*innen f\u00fcr mehr Entspannung, Erholung, Resilienz, innere Sicherheit und zur Unterst\u00fctzung gesundheitsdienlicher Prozesse.<\/p>\n<p><strong>Freud in Paris auf der Suche nach Antworten<\/strong><\/p>\n<p>Bez\u00fcglich Hypnose stelle ich mir vor, dass Freud selbst hin und hergerissen war, ob er dieser unbeliebten Methode wirklich seine Aufmerksamkeit widmen soll. Er schreibt: &#8222;In der Ferne leuchtete der gro\u00dfe Name Charcots und so machte ich mir den Plan, hier [in Wien; Anm. d. Autorin] die Dozentur f\u00fcr Nervenkrankheiten zu erwerben und dann zur weiteren Ausbildung nach Paris zu gehen&#8220; (1955, S. 36).<\/p>\n<p>Gesagt &#8211; getan. Im Herbst 1885 f\u00e4hrt Freud nach Paris. Zun\u00e4chst ist er einer von vielen Interessierten, die teilweise aus der Ferne in Jean-Martin Charcots ber\u00fchmte Pariser <em>Klinik der Salp\u00eatri\u00e8re<\/em> (damals schon eine psychiatrische Anstalt) angereist kamen. Doch er schafft den Schritt in Charcots Dunstkreis, indem er sich ihm als \u00dcbersetzer seiner Werke anbietet.<\/p>\n<p>An dieser Klinik forschte man seit den 1860er Jahren zur Hysterie aus neuropathologischer Sicht, was bedeutet, dass man von einer Verletzung oder St\u00f6rung im Nervensystem als Ursache ausging (immerhin war nun nicht mehr der verr\u00fcckt gewordene Uterus die Ursache!).<\/p>\n<p>Was man heute unter <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wissenschaftliches-denken\/\" target=\"_blank\">&#8222;Forschung&#8220; versteht<\/a>, ist nicht deckungsgleich mit damals. Man war sich sehr unsicher, wo man nach der Ursache f\u00fcr Hysterie suchen sollte und erst recht wusste man nicht wie. Entsprechend unterschiedliche Herangehensweisen gab es, hysterische Symptome sichtbar und somit besser untersuchbar zu machen, und Hypnose war eine besonders eindrucksvolle.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"809\" title=\"1280px-Une_lec\u0327on_clinique_a\u0300_la_Salpe\u0302trie\u0300re\" data-id=\"1659\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/1280px-Une_lec\u0327on_clinique_a\u0300_la_Salpe\u0302trie\u0300re.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>&#8222;Une le\u00e7on clinique \u00e0 la Salp\u00eatri\u00e8re&#8220; von Andr\u00e9 Brouillet (1887). Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Une_le%C3%A7on_clinique_%C3%A0_la_Salp%C3%AAtri%C3%A8re_02.jpg<\/p>\n<p>Freud schaut sich an der Salp\u00eatri\u00e8re also auch die ber\u00fchmten Vorlesungen an, wo (zum Teil inszenierte) Demonstrationen an hysterischen Patientinnen vorgef\u00fchrt werden. Er \u00fcberzeugt sich davon, dass hypnotische Suggestionen tats\u00e4chlich solche hysterischen Symptome wie L\u00e4hmung und Kontrakturen k\u00fcnstlich erzeugen k\u00f6nnen. Allerdings merkt er auch, dass Charcot nicht an der psychologischen Natur von St\u00f6rungen interessiert zu sein scheint &#8211; und von Therapie ist dort sowieso nicht die Rede.<\/p>\n<p><strong>Freuds R\u00fcckkehr nach Wien ins Chaos<\/strong><\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter, im Herbst 1886, l\u00e4sst sich Freud als sogenannter Nervenarzt in Wien nieder. Die Wiener \u00c4rztegesellschaft m\u00f6chte zun\u00e4chst von ihm erfahren, was er in Paris gelernt habe. Freuds Berichte dar\u00fcber, dass auch M\u00e4nner hysterisch sein k\u00f6nnten, waren jedoch zu viel f\u00fcr die hysterieverschonten Nerven der Wiener \u00c4rzte (&#8222;Wir haben doch keinen Uterus!&#8220;). Nach und nach wird Freud ausgeschlossen &#8211; ins Laboratorium darf er nicht mehr kommen und f\u00fcr seine Vorlesungen finden sich pl\u00f6tzlich keine R\u00e4umlichkeiten mehr &#8211; bis er von selbst beschlie\u00dft, dieser Gesellschaft den R\u00fccken zu kehren.<\/p>\n<p>Nun ist Freud regelrecht gezwungen, seinen Beruf zu \u00fcberdenken: &#8222;Wenn man von der Behandlung Nervenkranker leben wollte, mu\u00dfte man offenbar ihnen etwas leisten k\u00f6nnen. Mein therapeutisches Arsenal umfa\u00dfte nur zwei Waffen, die Elektrotherapie und die Hypnose, denn die Versendung in die Wasserheilanstalt nach einmaliger Konsultation war keine zureichende Erwerbsquelle&#8220; (1955, S. 39f.). Der Schritt hinaus aus der akademischen Sph\u00e4re und hinein in die der Psychotherapie ist vollbracht!<\/p>\n<p>Die Elektrotherapie gibt er ziemlich schnell wieder auf, weil sie ihn entt\u00e4uschte, aber an der Hypnose bleibt er h\u00e4ngen. Es ist am\u00fcsant zu lesen wie er es begr\u00fcndet: &#8222;[Die] Arbeit mit der Hypnose [war] wirklich verf\u00fchrerisch. Man hatte zum erstenmal das Gef\u00fchl seiner Ohnmacht \u00fcberwunden, der Ruf des <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/dirk-revenstorf\/\" target=\"_blank\">Wundert\u00e4ters<\/a> war sehr schmeichelhaft&#8220; (1955, S. 41). Liebe Leserin, &nbsp;lieber Leser, wenn Du Dir einen Heilberuf ausgew\u00e4hlt hast, wei\u00dft Du wahrscheinlich, wie verf\u00fchrerisch eine Heilmethode sein kann, von der wir uns das beste Ergebnis versprechen und das uns handlungsf\u00e4hig f\u00fchlen l\u00e4sst in Situationen, wo wir einfach nicht weiter wissen.<\/p>\n<p>Nur zwei Punkte fallen ihm zu seiner eigenen \u00dcberraschung schwer: Im Vergleich zu Charcot konnte er nicht alle Kranke hypnotisieren und diejenigen, bei dem es ihm gelang, kamen nicht alle so tief in Hypnose wie er es wollte.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verbreitet sich die Neuigkeit, dass in Nancy, Frankreich, eine Schule immer bekannter wird, die sich mit der therapeutischen Wirkung von hypnotischer und nicht-hypnotischer Suggestionen befasst. Freud reist schlie\u00dflich 1889 f\u00fcr mehrere Wochen dorthin und kommt in einen sehr inspirierenden, pers\u00f6nlichen Kontakt mit Ambroise-Auguste Li\u00e9beault und Hippolyte Bernheim.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"247\" height=\"300\" title=\"Bernheim\" data-id=\"1660\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bernheim-247x300.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Hippolyte Bernheim (1840-1919). Quelle: https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hippolyte_Bernheim#\/media\/File:Bernheim.jpg<\/p>\n<p>In Nancy lernt er, wie man direkte Suggestionen dazu einsetzen kann, Symptome von Nervenkrankheiten gezielt zu beseitigen, n\u00e4mlich indem man diese Symptome schlicht und einfach verbietet und vorgibt wie sich die PatientInnen stattdessen f\u00fchlen sollen (das <em>Wegsuggerieren<\/em>). Aber Bernheim vertraut ihm auch an, dass er merkw\u00fcrdigerweise nur mit den PatientInnen im Spital von Nancy Erfolg hat und daf\u00fcr kaum bei seinen PrivatpatientInnen in der Praxis.<\/p>\n<p><strong>Sigmund und Josef: Hypno-Freunde&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Also gewisserma\u00dfen eine weitere Entt\u00e4uschung f\u00fcr Freud, der sich wieder zur\u00fcck nach Wien begibt. Er erinnert sich nun an einen Fallbericht seines engen Freundes Josef Breuer, der ihm vor einigen Jahren \u00fcber seine Patientin Anna O. berichtete. Wie es mit vielen gro\u00dfen Entdeckungen \u00fcblich ist, so ist auch Breuer eher durch Zufall darauf gesto\u00dfen, dass ein hysterisches Symptom pl\u00f6tzlich verschwand, als Anna O. in Hypnose eine m\u00f6glicherweise f\u00fcr die Krankheit urs\u00e4chliche Situation emotional (wieder-)durchlebte.<\/p>\n<p>Freud entscheidet sich also, dieses Breuersche Verfahren der <em>Ausforschung<\/em> und <em>Katharsis<\/em> (kommt von &#8222;Reinigung&#8220;) und die in Frankreich gelernte Methode des Wegsuggerierens an seinen eigenen Patientinnen (so weit ich wei\u00df nur weibliche) auszuf\u00fchren und siehe da! mit bedeutendem Erfolg. Also ver\u00f6ffentlicht er mit seinem Freund die gemeinsamen Beobachtungen in &#8222;<em>Vorl\u00e4ufige Mitteilungen: \u00dcber den psychischen Mechanismus hysterischer Ph\u00e4nomene<\/em>&#8220; 1893 und sp\u00e4ter detaillierter in &#8222;<em>Studien \u00fcber Hysterie<\/em>&#8220; 1895.<\/p>\n<p><strong>Aber wie therapierte Freud nun eigentlich genau?<\/strong><\/p>\n<p>Um es in einfachen Worten zusammenzufassen, behandelte Freud in Hypnose neben der Technik des Wegsuggerierens folgenderma\u00dfen: Er versetzte die Patientin in Hypnose und bat sie, an Ort und Zeit des ersten Auftauchens des Symptoms zu gehen. Seine und Breuers Annahme war, dass es h\u00e4ufig eine traumatische Situation war, in der die Person ihren Gef\u00fchlen keinen angemessenen Ausdruck verleihen konnte und sich somit die ganze Energie dieser Gef\u00fchle im K\u00f6rper ansetzte. Resultat waren die hysterischen Symptome der L\u00e4hmung, Kontraktion oder Missempfindungen.<\/p>\n<p>Was HysterikerInnen von gesunden Personen, die \u00e4hnlich traumatische Erfahrungen machten, unterscheiden sollte, war der <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/was-ist-hypnose\/\" target=\"_blank\">hypnose\u00e4hnliche (<em>hypnoide<\/em>) Bewusstseinszustand<\/a>, in den HysterikerInnen deutlich leichter und insbesondere in Stresssituationen verfallen w\u00fcrden. Deshalb war Hypnose das Mittel der Wahl, um die Erinnerungen, die in hypnose\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden entstanden sind und nur in diesen abrufbar sein sollten, abzurufen.<\/p>\n<p>Wenn diese Erinnerung(en) gefunden wurde(n) (das konnte ein paar Sitzungen dauern), sollte die Patientin diese negativen oder gar traumatischen Gef\u00fchle wieder durchleben, indem sie so ausf\u00fchrlich wie m\u00f6glich dar\u00fcber spricht. Durch dieses sogenannte (verbale) <em>Abreagieren<\/em> beobachteten Freud und Breuer eine Besserung der Symptome. \u00dcbrigens hielt die Besserung meisten &#8222;nur&#8220; ein paar Monate an.<\/p>\n<p>Wenn man mit der <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/psychotherapeutische-verfahren\/\" target=\"_blank\">Psychoanalyse<\/a> vertraut ist, kann es unheimlich spannend sein, die &#8222;<em>Studien \u00fcber Hypnose<\/em>&#8220; zu lesen. Man erlebt quasi hautnah mit, wie Freud durch die Arbeit mit Hypnose allm\u00e4hlich auf die Bedeutung des Unbewussten, der Abwehr, der (sexuellen) \u00dcbertragung und der vielen weiteren Konzepten st\u00f6\u00dft, die er erst Jahre sp\u00e4ter in eine explizite Theorie verpacken wird. Leider ginge es zu weit, n\u00e4her darauf einzugehen. Au\u00dferdem bin ich offen gestanden keine Wahl-Psychoanalytikerin, weshalb ich Dir und mir die Peinlichkeit unkundiger Einblicke in diese komplexe Theorie ersparen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>Das Ende Freuds Faszination mit Hypnose<\/strong><\/p>\n<p>Kommen wir nun zu den Gr\u00fcnden, weshalb Freud die Hypnose wieder aufgegeben hat. Ja, er hatte Schwierigkeiten, auch nur ann\u00e4hernd so erfolgreich Menschen zu hypnotisieren wie es anscheinend Charcot in der Salp\u00eatriere gelang. Und ja, er hatte auch Schwierigkeiten, die Hypnotisierbaren in wirklich tiefe Trance zu versetzen. Also quasi ein Problem der Quantit\u00e4t UND der Qualit\u00e4t. Und er hatte, wie es ihm Bernheim gestanden hatte, ebenfalls m\u00e4\u00dfigen Erfolg mit direkten Suggestionen. Aber all das waren noch nicht die Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Er beobachtete, dass die Erfolge der Therapie st\u00e4rker von der Art der Beziehung zwischen Therapeut und Patientin abh\u00e4ngen mussten, als vom Abreagieren in Hypnose. Denn solange die Beziehung gut war, war die Behandlung erfolgreich, und sobald sich die Beziehung verschlechterte, kehrten die Symptome wieder zur\u00fcck. Das gab Freud zu denken und dann geschah Folgendes:<\/p>\n<p>&#8222;Sodann machte ich eines Tages eine Erfahrung, die mir in grellem Lichte zeigte, was ich l\u00e4ngst vermutet hatte. Als ich einmal eine meiner gef\u00fcgigsten Patientinnen, bei der die Hypnose die merkw\u00fcrdigsten Kunstst\u00fccke erm\u00f6glicht hatte, durch die Zur\u00fcckf\u00fchrung ihres Schmerzanfalls auf seine Veranlassung von ihrem Leiden befreite, schlug sie beim Erwachen ihre Arme um meinen Hals. [&#8230;] Ich war n\u00fcchtern genug, diesen Zufall nicht auf die Rechnung meiner pers\u00f6nlichen Unwiderstehlichkeit zu setzen und meinte, jetzt die Natur des mystischen Elements, welches hinter der Hypnose wirkte, erfa\u00dft zu haben. Um es auszuschalten oder wenigstens zu isolieren, mu\u00dfte ich die Hypnose aufgeben.&#8220; (1955, S. 52). Dieses mystische Element ist das der Sexualit\u00e4t, die in Freuds psychoanalytischer Theorie eine so zentrale Rollen spielen wird.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"730\" height=\"1019\" title=\"Lisa-2-freud-hypnose\" data-id=\"1673\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Lisa-2-freud-hypnose.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>What\u00b4s on a Man\u00b4s Mind<\/p>\n<p>Freud blieb zwar \u00fcberzeugt, dass Hypnose den Zugang zu den urs\u00e4chlichen Erinnerungen erleichtert, aber er stellte fest, dass die Erinnerungen auch im Wachzustand zug\u00e4nglich sein k\u00f6nnen, wenn man nur geduldig danach sucht. Was von der Hypnose \u00fcbrig blieb, war die Liegeposition der PatientInnen w\u00e4hrend der Behandlung &#8211; und gewisserma\u00dfen die Psychoanalyse.<\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"785\" height=\"785\" title=\"lisa-2-freud-hypnose-couch\" data-id=\"1672\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/lisa-2-freud-hypnose-couch.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Durch Freuds Abwendung von der Hypnose und dem Ableben der franz\u00f6sischen Meister in Paris und Nancy geriet die Hypnose in Wissenschaft und Psychotherapie in einen jahrzehntelangen Winterschlaf, bis sie Mitte des letzten Jahrhunderts wieder anfing an verschiedenen Ecken der Welt zu sprie\u00dfen. Der f\u00fcr die therapeutische Welt bedeutendste Spross erblickte das Tageslicht in Phoenix, Arizona, wo ein gewisser <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/was-ist-hypnotherapie\/\" target=\"_blank\">Milton H. Erickson<\/a> die Hypnose als Therapiemethode wach k\u00fcsste.<\/p>\n<p>Seitdem sind Freuds Bedenken mit dem geschmolzenen Schneewasser davongetragen worden und in der Tat erweist sich die moderne Hypnotherapie (diesmal weniger direktiv und nicht mehr im Dienste einer Erinnerungssuchmaschine) seitdem f\u00fcr bestimmte Beschwerden als sehr effektive Behandlungsmethode.<\/p>\n<p>Wenn Du Fragen oder Kommentare hast, freue ich mich ehrlich und aufrichtig, sie hier zu lesen. Trau&#8216; Dich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Autorin: <strong>Lisa Anton-Boicuk MSc<\/strong><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"528\" title=\"lisa-anton-boicek\" data-id=\"1507\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/lisa-anton-boicek.jpg\" style=\"\"><\/span><\/p>\n<p>Lisa hat ihren Masterabschluss in Klinischer Psychologie an der Universit\u00e4t Wien absolviert und erforschte dort \u00fcber zwei Jahre lang den Einfluss von Hypnose auf das Wahrnehmen, Denken und F\u00fchlen. Am Milton-Erickson-Institut Rottweil hat sie die Curricula der Klinischen Hypnose und Hypnosystemischen Kommunikation durchlaufen. Heute arbeitet sie als Psychologin in einer psychosomatischen Klinik. Privat ist sie ambitionierte Kaffeesomeli\u00e8re.<\/p>\n<h2>Literaturliste zum Nachlesen und Schm\u00f6kern:<\/h2>\n<p>Chertok, L. (1977). <em>Hypnose. Theorie, Praxis und Technik<\/em>. Genf: Ariston Verlag.<\/p>\n<p>Freud, S. (1955): <em>Gesammelte Werke<\/em>, Band&nbsp;XIV. London: Imago Publishing.Freud, S. &amp; Breuer, J. (1974). <em>Studien \u00fcber Hysterie<\/em>. Frankfurt am Main: Fischer Verlag.Mayer, A. (2002). <em>Mikroskopie der Psyche. Die Anf\u00e4nge der Psychoanalyse im Hypnose-Labor<\/em>. G\u00f6ttingen: Wallstein Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u200bWenn Du Dich mit Hypnose schon mal befasst hast, wirst Du wahrscheinlich wissen, dass Sigmund Freud, der Begr\u00fcnder der Psychoanalyse, in seinen fr\u00fchen Jahren als Arzt mit der Hypnose gelieb\u00e4ugelt hat. Als ich es vor einigen Jahren erfuhr, war ich ziemlich baff. 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