{"id":2189,"date":"2020-08-17T17:24:44","date_gmt":"2020-08-17T15:24:44","guid":{"rendered":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/?p=2189"},"modified":"2020-09-01T16:29:03","modified_gmt":"2020-09-01T14:29:03","slug":"sport-hypnose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/sport-hypnose\/","title":{"rendered":"Wie Tranceph\u00e4nomene zu besseren Leistungen im Sport f\u00fchren k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8222;Sport und Hypnose?! Ich will mich doch bewegen und nicht mit geschlossenen Augen dasitzen\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie Tranceph\u00e4nomene zu besseren Leistungen im Sport f\u00fchren k\u00f6nnen<\/p>\n<h3>Der Zusammenhang von Ritualen und Flow<\/h3>\n<p>Er zupft an seiner Hose, dann an seinem T-Shirt, an den Schultern, fasst sich an die Nase, ans linke Ohr, wieder an die Nase und dann ans rechte Ohr. W\u00e4hrenddessen dribbelt er den Ball mit seinem Schl\u00e4ger auf den Boden. Das alles geschieht in wenigen Sekunden kurz vor dem Aufschlag, sodass es bei einer oberfl\u00e4chlichen Beobachtung kaum auff\u00e4llt. Wenn man aber sieht, wie sich dieser Ablauf <a href=\"https:\/\/www.olympicchannel.com\/en\/video\/detail\/nadal-s-pre-serve-ritual\/\" spellcheck=\"false\" style=\"outline: none;\">vor jedem Aufschlag in der genau gleichen Reihenfolge<\/a> passiert, kann man sich schon wundern.<\/p>\n<p>Als ich vor einigen Jahren als passionierter Tennisfan die Grand Slam Turniere im Fernsehen verfolgte, fiel mir bei Spielen von Rafael Nadal sein Verhalten kurz vor einem Aufschlag auf. Mir erschien es damals wie ein komisches Ritual und ich habe mich gefragt, ob er vielleicht eine Art Zwangsverhalten an den Tag legt. Damals habe ich mich allerdings auch noch nicht mit den verschiedenen Formen von therapeutischer Hypnose und der hierbei wichtigen Aufmerksamkeitsfokussierung besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Heute ist mir klar, dass Rafael Nadal diesen immer gleichen &#8211; quasi rituellen &#8211; Ablauf nutzt, um sich in einen Zustand von gesteigerter Fokussierung zu bringen. Er beabsichtigt also ein gezieltes Hervorrufen eines Flow-Zustandes.<\/p>\n<p><span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" data-id=\"2208\" title=\"sport-aldo-1\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sport-aldo-1-1.jpg\" style=\"\" width=\"700\" height=\"1049\"><\/span><\/p>\n<h3>Rituale sind kein Aberglaube<\/h3>\n<p>Nadal betont \u00fcbrigens, dass es sich hierbei <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/psychologie\/article131825293\/Die-schrulligen-Rituale-des-Rafael-Nadal.html\" style=\"outline: none;\">keineswegs um Aberglauben handelt<\/a>. Beim Aberglauben \u00fcbt man ein bestimmtes \u201emagisches\u201c Verhalten aus, weil man glaubt, dass es Erfolg bringt. Wenn es dabei nicht zum Erfolg f\u00fchrt, gibt man es unter Umst\u00e4nden wieder auf. Rituale hingegen helfen dabei sich zu fokussieren und so zu einem optimalen Level der Fokussierung zu gelangen.<\/p>\n<p>Auch in anderen Sportarten findet man beispielsweise durch die Suche bei YouTube <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/results?search_query=pre+game+rituals\" style=\"outline: none;\">\u201ePre-Game rituals\u201c<\/a>, die teilweise lustig oder bizarr anmuten, aber allesamt den gleichen Sinn verfolgen: \u201eIn the zone\u201c zu kommen.<\/p>\n<p>Damit ist gemeint, dass ein Zustand erreicht wird, in dem das Erregungslevel in einem optimalen Mittel liegt (Vgl. Liggett, 2000, S.94). Wenn der Erregungszustand zu niedrig ist, sind Menschen nicht aufmerksam genug: Ihnen fehlt die Spannung um optimale Leistungen zu bringen. Ist das Erregungslevel hingegen zu hoch, kann es passieren, dass sie verkrampfen, einen zu hohen Druck sp\u00fcren und fahrig werden. Dadurch passieren unn\u00f6tige, leichte Fehler.<\/p>\n<h3>In the Zone &#8211; Trance als Leistungsbooster<\/h3>\n<p>Daher ist es wichtig, zu einem mittleren Erregungsniveau zu gelangen, bei dem m\u00f6glichst viel \u201eautomatisch\u201c &#8211; also unwillk\u00fcrlich &#8211; abl\u00e4uft. Ein*e Sportler*in, die jahrelange praktische Erfahrung in der Sportart hat, kann auf ein riesiges unterbewusstes Repertoire an Erlebnissen und Wissen aufbauen. M\u00fcsste dieses Wissen durch langes Nachdenken abgerufen werden, w\u00e4ren Sportler*innen nicht dazu in der Lage in Wettkampfsituationen blitzschnell ihre Leistung zu bringen. Daher ist es so wichtig, \u201ein the zone\u201c zu gelangen, sodass sich ein mittleres Erregungslevel mit einer m\u00f6glichst automatisierten und unterbewussten Spielweise kombiniert.<\/p>\n<p>Da ich selber sehr gerne Tischtennis spiele, habe ich mich gefragt, wie man Tranceph\u00e4nomene gezielt nutzen kann, um in sportlichen Wettkampf-Situationen &#8211; also immer dann, wenn Menschen unter einer besonderen Form von performativer Erwartung stehen &#8211; so gut spielen zu k\u00f6nnen, wie das in Trainingssituationen der Fall ist.<\/p>\n<h3>Wie gehen Sportler*innen mit negativen Gedanken um?<\/h3>\n<p>Ich kann oft an mir selbst beobachten, dass ich mir in Wettkampf-Situationen, egal wie unbedeutend sie eigentlich sein m\u00f6gen, selber Druck mache, etwas Besonderes leisten zu m\u00fcssen oder aber auch mit hinderlichen Gedanken zu k\u00e4mpfen. Daher war es f\u00fcr mich besonders spannend herauszufinden, wie man Hypnose und Trancen nutzen kann, um mit solchen Situationen umgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dabei m\u00f6chte ich \u201eTranceph\u00e4nomene&#8220; hier im Sinne Gunter Schmidts als das \u201eVorherrschen von unwillk\u00fcrlichem Erleben\u201c definieren (Vgl. Schmidt, 2019, S. 19) Denn das ist genau das, was im Sport ja entweder besonders hilfreich, aber auch besonders hinderlich sein kann.<\/p>\n<p>Entweder komme ich in einen Flow-Zustand, bei dem mir scheinbar m\u00fchelos alles gelingt oder aber ich bin in einer Problemtrance gefangen, wenn es nicht so l\u00e4uft wie ich es mir w\u00fcnsche. Dann blockieren mich vermutlich bestimmte Gedanken und ich hadere mit dem Umgang mit mir selbst.<\/p>\n<h3>Mentale St\u00e4rke ist entscheidend<\/h3>\n<p>Das Erreichen eines Flow-Zustandes wird oft als Zeichen von mentaler St\u00e4rke angesehen. Mentale St\u00e4rke kann man dabei als die F\u00e4higkeit definieren, in schwierigen Situationen Zugang zu den Mechanismen der Selbststeuerung zu haben. Somit k\u00f6nnen \u201eRessourcen genutzt, Kompetenzen erh\u00f6ht und Stress reduziert werden\u201c (Klock, 2018, S. 13). Was der Autor hier als Voraussetzung f\u00fcr \u00f6ffentliche Sprechsituationen schildert l\u00e4sst sich auf andere Situationen \u00fcbertragen, in denen Menschen unter Druck stehen und daher konkurrierende Anteile in sich haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner Recherche zu diesem Artikel bin ich der Frage nachgegangen, wie Spitzensportler*innen mit diesen Ph\u00e4nomenen umgehen.<\/p>\n<p>Dabei bin ich auf ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MpgmkhjyqzA\" style=\"outline: none;\">Video \u00fcber das \u201eMental Game of Tennis\u201c <\/a>von Roger Federer gesto\u00dfen. In diesem Video wird ein Interview mit ihm zitiert. Er spricht \u00fcber seine Gef\u00fchle vor und w\u00e4hrend des Finales der Australian Open. Hierin erz\u00e4hlt er, dass er vor und auch w\u00e4hrend des Matches sehr nerv\u00f6s war und dass er sich gefragt hat, wie er sich f\u00fchlen w\u00fcrde wenn er gewinnt und wie wenn er verliert.<\/p>\n<p><span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" data-id=\"2209\" title=\"sport-aldo-2\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sport-aldo-2-1.jpg\" style=\"\" width=\"700\" height=\"1050\"><\/span><\/p>\n<p>Das ist aus meiner Sicht sehr spannend, denn bei einem Weltklassespieler wie Roger Federer k\u00f6nnte man denken, dass es f\u00fcr ihn keinen Grund g\u00e4be nerv\u00f6s zu sein. Doch das Gegenteil ist der Fall: Auch einen der besten Spieler der Welt besch\u00e4ftigen sogenannte \u201enegative\u201c Gedanken.<\/p>\n<p>Er unterscheidet sich damit nicht von einem gew\u00f6hnlichen Hobbyspieler in Bezug auf die Gedanken die ihm unwillk\u00fcrlich w\u00e4hrend eines Matches kommen.<\/p>\n<p>Und hier sind wir mitten im spannenden Terrain der unwillk\u00fcrlichen Erlebnisprozesse. Denn entscheidend ist anscheinend nicht, ob ein*e Spieler*in unangenehme Gedanken w\u00e4hrend eines Wettkampfes hat, sondern wie er oder sie damit umgeht.<\/p>\n<h3>\u201eHin zu\u201c- statt \u201eWeg von\u201c-Prozesse<\/h3>\n<p>Das finde ich besonders spannend, weil sich hier eine deutliche Parallele zu anderen Alltags-Tranceph\u00e4nomenen zeigt. Auch in Alltagssituationen ist es oft so, dass Menschen, wenn sie in eine Beratung kommen, ein bestimmtes Verhalten \u201eweghaben\u201c wollen. Meistens handelt es sich dabei um unwillk\u00fcrliches Verhalten, was im Widerspruch zu den \u201eeigentlichen\u201c, bewussten W\u00fcnschen der Personen steht &#8211; zum Beispiel Rauchen, Wutanf\u00e4lle oder negative Gedankenspiralen.<\/p>\n<p>Bei solchen Themen betont beispielsweise Gunter Schmidt, dass nicht das Ziel sein sollte diese Ph\u00e4nomene \u201ewegzumachen\u201c. Man solle sie stattdessen als kompetenten Ausdruck eines achtenswerten Bed\u00fcrfnisses betrachten. (Vgl. Schmidt, 2019, S.59-62.) Am Beispiel von Roger Federer sehen wir auch, dass ein Eliminieren der Gedanken gar nicht m\u00f6glich ist. Selbst als einer der besten Spieler der Welt leidet man an diesen Ph\u00e4nomenen.<\/p>\n<h3>Aufbau einer Beobachterposition &#8211; \u201eWas kann ich brauchen?\u201c<\/h3>\n<p>Wichtig sei es daher laut Gunter Schmidt, eine Beobachterposition aufzubauen. Diese dient dazu, zu pr\u00fcfen, was man brauchen kann, um mit dem, was ohnehin kommt (den negativen Gedanken) gut umgehen zu k\u00f6nnen &#8211; statt zu schauen, was weg soll.<\/p>\n<p>Bei den Angeboten, die Gunter Schmidt in seinen Beratungen macht, klingt das dann ungef\u00e4hr so: \u201eWenn du dann in so einer schwierigen Situation bist: Was k\u00f6nnt\u00b4s daf\u00fcr gebrauchen &#8211; \u00dcberblick, sicherer Stand, gute Atmung, Schubidubidu\u2026 wenn du das so machen t\u00e4t\u00b4s, welche Auswirkungen h\u00e4tte das dann?\u201c Hierbei muss man sich den Dialekt und die humorvolle Arbeitsweise von Gunter Schmidt nat\u00fcrlich hinzudenken.<\/p>\n<p>Genau darum geht es letztendlich bei der Entwicklung von mentaler St\u00e4rke: Zu pr\u00fcfen, welche Auswirkungen n\u00fctzlich w\u00e4ren f\u00fcr die beabsichtigten Ziele. Das ist dann auch hilfreich, um den Fokus zu wechseln. Statt einer \u201eWeg von\u2026\u201c-Fokussierung zu einer \u201eHin zu\u2026\u201c- Fokussierung.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte im Fall von Roger Federer bedeuten: Statt sich zu fragen \u201eWie werde ich blo\u00df den Gedanken los, dass ich verlieren k\u00f6nnte?\u201c k\u00f6nnte er sich zum Beispiel fragen: \u201eWas brauche ich, um mit diesen Gedanken so spielen zu k\u00f6nnen, dass ich meine optimale Leistung abrufen kann?\u201c<\/p>\n<p><span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" data-id=\"2210\" title=\"sport-aldo-3\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sport-aldo-3-1.jpg\" style=\"\" width=\"700\" height=\"1012\"><\/span><\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Fragestellungen l\u00f6sen unterschiedliche unwillk\u00fcrliche mentale Suchprozesse aus.<\/p>\n<p>Es geht also darum, die \u201eschwierigen\u201c (also die nicht n\u00fctzlichen) Gedanken und Emotionen zu akzeptieren und fokussiert zu bleiben auf die \u00fcbergeordneten Ziele.<\/p>\n<h3>Was hat das mit Hypnose zu tun?<\/h3>\n<p>Was das alles mit Hypnose zu tun hat? Hypnose besch\u00e4ftigt sich mit dem Umgang mit unwillk\u00fcrlichen Erlebnisinhalten. Diese automatisch aufkommenden Erlebnisinhalte spielen in Drucksituationen eine besonders gro\u00dfe Rolle. Der Umgang mit ihnen ist ausschlaggebend bei der Frage \u00fcber Sieg oder Niederlage.<\/p>\n<p>So sieht man, dass hypnotische Ph\u00e4nomene im Sport nichts damit zu tun haben, dass man in einem D\u00e4mmerzustand in einem Stuhl sitzt &#8211; eine Tatsache, die von Hypnotherapeut*innen immer wieder betont wird.<\/p>\n<p>Gibt es also \u00fcberhaupt Situationen, in denen es sinnvoll ist, sich au\u00dferhalb des Spielfeldes mittels Hypnose auf einen Wettkampf vorzubereiten? Tats\u00e4chlich bin ich auf ein Buch gesto\u00dfen, das sich damit besch\u00e4ftigt, wie man therapeutische Hypnose daf\u00fcr nutzen kann, Sportler*innen in besseren Kontakt mit ihren inneren Potenzialen zu bringen.<\/p>\n<p>Der Autor Donald Liggett beschreibt darin, wie er mit Sportler*innen in Hypnose Bewegungsabl\u00e4ufe modelliert, die ihnen helfen, in Wettkampf-Situationen ihre Leistung zu steigern.<\/p>\n<h3>Durch Hypnose ist mit weniger Aufwand mehr Leistung m\u00f6glich<\/h3>\n<p>Das Spannende daran ist, dass die Athlet*innen daf\u00fcr oftmals weniger \u201eM\u00fche\u201c brauchen. Die Sportler*innen berichten also davon, dass sie sich weniger k\u00f6rperlich anstrengen m\u00fcssen als vor der Arbeit mit dem Hypnose-Coach. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb erzielen sie bessere Ergebnisse.<\/p>\n<p>So berichtet Liggett von einem Footballspieler, dessen Zeit bei einem Sprint gemessen wurde. Er konnte sich verbessern, nachdem er in Trance die Visualisierung eines Panthers nutze mit der er sich im Sprint immer mehr verband. (Vgl. Liggett, 2000, S.54)<\/p>\n<p><span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" data-id=\"2211\" title=\"sport-aldo-5\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sport-aldo-5.jpg\" width=\"700\" height=\"467\"><\/span><\/p>\n<p>Hierzu sollte man betonen, dass es anscheinend einen deutlichen Unterschied macht, ob man sich diese Visualisierungen aus einem bewussten Alltagszustand \u201evorstellt\u201c oder ob man die hilfreichen Imaginationen in einer Trance \u201evon selbst\u201c entstehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch wenn das Ergebnis der inneren Bilder \u00e4hnlich sein k\u00f6nnte, scheint es f\u00fcr den langfristigen Erfolg wesentlich zu sein, dass die Imagination m\u00f6glichst unwillk\u00fcrlich geschieht. So kann das Unterbewusstsein K\u00f6rper und Geist anscheinend besonders zielf\u00fchrend miteinander in Einklang bringen.Dabei ist es nicht so wesentlich, ob diese Hypnose von au\u00dfen durch einen Mental-Coach angeleitet wird oder von den Athlet*innen selbst entwickelt wird. Wichtig ist nur, dass ein Zustand erreicht wird, in dem das Erleben flie\u00dfender und bildhafter wird. So werden Sinneseindr\u00fccke als spontan beschrieben und eine \u201esowohl-als-auch\u201c-Logik entsteht.<\/p>\n<h3>Das erste Bundesligator mit 33 Jahren schie\u00dfen &#8211; ein Tranceerlebnis<\/h3>\n<p>Ein besonders unterhaltsames Beispiel, wie Tranceph\u00e4nomene im Sport zum Ausdruck kommen k\u00f6nnen, findet sich in einem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/sport\/2020-01\/michael-parensen-fc-union-berlin-bundesliga-tor\" style=\"outline: none;\">Interview mit dem Fu\u00dfballspieler Michael Parensen<\/a>, der mit 33 Jahren sein erstes Bundesligator erzielt &#8211; als Abwehrspieler.<\/p>\n<p>In dem Interview spricht er dar\u00fcber, wie er sich an dieses Erlebnis erinnert. Wenn man sich ein wenig mit Tranceprozessen besch\u00e4ftigt, erkennt man, dass w\u00e4hrend des Spiels sein Erleben vornehmlich unwillk\u00fcrlich gepr\u00e4gt war, was als eine Form von Wach-Trance verstanden werden kann.<\/p>\n<p>So erz\u00e4hlt er, dass er verwundert war, als er sich eine Aufzeichnung des Spiels im Nachhinein angesehen hat: Seine Mannschaft habe gar nicht so lange gejubelt, wie er es in Erinnerung hatte. Das Erleben von Zeitverzerrung ist ein wesentliches Indiz f\u00fcr Tranceprozesse.<\/p>\n<p>Er sagt zudem, dass er sich nicht an die Zeit vor dem Tor erinnern kann. Durch dieses f\u00fcr ihn einschneidende Erlebnis scheint eine Musterunterbrechung entstanden zu sein, die zu einer Amnesie f\u00fchrt, was ebenfalls ein Indiz f\u00fcr Tranceprozesse ist.<\/p>\n<h3>Amnesie, ver\u00e4nderte Zeitwahrnehmung und Intuition als Tranceph\u00e4nomene<\/h3>\n<p>Parensen, der als Abwehrspieler kein besonderer Torj\u00e4ger ist, musste den Ball nach einer Ecke nur noch aus kurzer Distanz freistehende \u00fcber die Torlinie schieben. Der Interviewer fragt ihn, ob er in diesem Moment noch etwas gedacht hat. Parensen antwortet, dass es in einem solchen Moment schlecht w\u00e4re \u00fcber etwas nachzudenken. In solchen Situationen m\u00fcsse man sich auf seine Intuition verlassen &#8211; was wieder als Hinweis auf ein Tranceerleben gesehen werden kann.<\/p>\n<p>Zum Schmunzeln brachte mich die Frage, wie Parensen seinen Torjubel empfunden hat. Denn auch hier sagt er, dass er es beim nachtr\u00e4glichen Betrachten der Bilder als komisch empfindet sich selbst zu sehen, was er in dem Moment gemacht hat. Er muss also in diesem Moment gehandelt haben ohne dass die bewussten Teile von ihm hier Einfluss genommen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Zudem sagt er, dass er den Jubel der Fans im Moment des Torjubels nicht bewusst wahrgenommen habe &#8211; ein Hinweis darauf, dass unser Erleben von innen heraus individuell erzeugt wird. Der Fokus von Parensen lag in diesem Moment auf etwas anderem als der akustischen Verarbeitung. Im Laufe des Interviews beschreibt er zudem noch, wie er durch das Tor in einen besonderen Flow-Zustand gekommen sei.<\/p>\n<h3>Tranceprozesse befl\u00fcgeln Sportler*innen &#8211; oder hemmen sie<\/h3>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass Tranceprozesse im Sport von besonderer Bedeutung sind. Entweder weil sie die Sportler*innen hemmen oder befl\u00fcgeln. Die F\u00e4higkeit in einen n\u00fctzlichen Trancezustand &#8211; \u201ein the zone\u201c &#8211; zu kommen und mit negativen Gef\u00fchlen so umzugehen, dass diese die Sportler*innen nicht blockieren, ist entscheidend f\u00fcr gute Ergebnisse. Hypnose im Sport kann auf dem Platz oder auch au\u00dferhalb davon genutzt werden &#8211; sie hat aber fast nie etwas damit zu tun, dass man mit geschlossenen Augen auf einer Couch liegt.<\/p>\n<p>Hast du selbst schon einmal beim Sport Flow-Zust\u00e4nde nutzen k\u00f6nnen? Wie kommst du am besten in diesen Zustand? Und wie gehst du mit negativen Gedanken beim Sport um? Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn du deine Gedanken in den Kommentaren teilst.<\/p>\n<p>Vielleicht hat dich dieser Artikel ja auch inspiriert, beim n\u00e4chsten Wettkampf etwas an deinen Abl\u00e4ufen zu ver\u00e4ndern, um besser in einen Trancezustand zu kommen. Viel Erfolg und gutes Spiel!<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>Klock, Thomas (2018): Fit f\u00fcr alle Sprechsituationen; Leykam: Graz.<\/p>\n<p>Liggett, Donald R. &nbsp;(2000): Sport Hypnosis; Human Kinetics; Champaign.<\/p>\n<p>Schmidt, Gunter (2018): Einf\u00fchrung in die hypnosystemische Therapie und Beratung; Carl-Auer-Systeme; Heidelberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><strong>Autor:&nbsp;<strong><strong>Aldo Haumann MA. MSc.<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" title=\"WhatsApp Image 2020-08-17 at 11.39.19\" data-id=\"2204\" src=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/WhatsApp-Image-2020-08-17-at-11.39.19.jpeg\" style=\"\" width=\"667\" height=\"667\"><\/span><\/p>\n<p>Aldo ist Master of Arts der Philosophie und absolvierte in Wien ein Masterstudium f\u00fcr hypnosystemische Beratung und Interventionen. Er macht zurzeit eine Ausbildung zum <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/aldohaumann_coaching\/\" target=\"_blank\" style=\"outline: none;\">Lebens- und Sozialberater und systemischen Coach<\/a>. Im Zuge dieser Ausbildung betreut er hypnosystemische Kongresse und Institute in Deutschland und \u00d6sterreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Sport und Hypnose?! 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