{"id":3161,"date":"2026-01-17T16:49:18","date_gmt":"2026-01-17T15:49:18","guid":{"rendered":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/?p=3161"},"modified":"2026-01-17T16:51:18","modified_gmt":"2026-01-17T15:51:18","slug":"wei-kai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hypnose.de\/blog\/wei-kai\/","title":{"rendered":"Wei Kai Hung: Ericksons Hypnotherapie, Taoismus und die Nutzung von Hindernissen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.dr-noertemann.de\/\" rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" style=\"outline: none;\">Dr. Matthias N\u00f6rtemann<\/a><\/strong> ist Facharzt f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/matthias-noertemann\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">zum zweiten Mal zu Gast<\/a> im Hypnose Podcast der MEG. Mit \u00fcber zehn Jahren Erfahrung in der station\u00e4ren und ambulanten Arbeit hat er sich auf die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen spezialisiert. Sein besonderes Interesse gilt der Verbindung von k\u00f6rperlichen und seelischen Aspekten der Erkrankung sowie der Frage, wie Betroffene trotz der Herausforderungen des Alltags zu mehr Lebensqualit\u00e4t finden k\u00f6nnen. N\u00f6rtemann verbindet medizinisches Wissen mit einem tiefen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Lebensrealit\u00e4t von Menschen mit ADHS und setzt sich f\u00fcr einen ganzheitlichen, wertsch\u00e4tzenden Therapieansatz ein.<\/p>\n<p>In dieser Episode erf\u00e4hrst du:<\/p>\n<ul>\n<li>Warum ADHS bei Erwachsenen oft mit k\u00f6rperlichen Begleiterkrankungen wie <span data-question=\"Welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten bei ADHS auf?\" data-state=\"closed\" tabindex=\"0\" type=\"button\">Herz-Kreislauf-Erkrankungen<\/span> oder Autoimmunerkrankungen einhergeht \u2013 und was das f\u00fcr die Behandlung bedeutet.<\/li>\n<li>Wie sich die Innenwelt von Menschen mit ADHS anf\u00fchlt: zwischen <span data-question=\"Was ist Hyperfokus?\" data-state=\"closed\" tabindex=\"0\" type=\"button\">Hyperfokus<\/span>, \u00dcberforderung und dem Gef\u00fchl, \u201enicht kompatibel\u201c zu sein mit den Anforderungen der modernen Welt.<\/li>\n<li>Welche Rolle <span data-question=\"Wie \u00e4u\u00dfert sich Scham und Selbstablehnung bei ADHS?\" data-state=\"closed\" tabindex=\"0\" type=\"button\">Scham und Selbstablehnung<\/span> im Leben von Betroffenen spielen \u2013 und wie Hypnotherapie helfen kann, diese Dynamiken zu durchbrechen.<\/li>\n<li>Warum die Diagnostik von ADHS so komplex ist und welche Fallstricke es bei Frageb\u00f6gen, Tests und Differenzialdiagnosen gibt.<\/li>\n<li>Wie Medikation und Psychotherapie sinnvoll kombiniert werden k\u00f6nnen \u2013 und warum eine gute Aufkl\u00e4rung \u00fcber beide Optionen entscheidend ist.<\/li>\n<li>Was Therapeuten und Therapeutinnen beachten sollten, um Menschen mit ADHS nicht zu frustrieren, sondern ihre Ressourcen zu st\u00e4rken.<\/li>\n<li>Warum ADHS nicht nur als \u201eSt\u00f6rung\u201c, sondern auch als besondere Form der Wahrnehmung und des Erlebens verstanden werden sollte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Freu dich auf eine Episode voller praxisnaher Einblicke, therapeutischer Weisheit und neuer Perspektiven auf ein oft missverstandenes Thema.<\/p>\n<h3 data-end=\"186\" data-start=\"167\">\u200bRessourcen &amp; Links:<\/h3>\n<h3>\n<ul>\n<li>N\u00f6rtemann, M. (2023). <em>ADHS bei Erwachsenen \u2013 Ein psychosomatischer Blick auf K\u00f6rper, Seele und Psyche.<\/em> Vortrag auf der Tagung der Milton Erickson Gesellschaft, Kassel.<\/li>\n<li><em>Alles steht Kopf 2<\/em> (2024) \u2013 Ein Film, der an einer Stelle die innere Dynamik von ADHS-Betroffenen eindrucksvoll visualisiert.<\/li>\n<li><span data-question=\"Was ist der WURS-K-Fragebogen?\" data-state=\"closed\" tabindex=\"0\" type=\"button\">WURS-K-Fragebogen<\/span>: Ein Instrument zur retrospektiven Erfassung von ADHS-Symptomen in der Kindheit.<\/li>\n<li><em>ADHD Laundry: Why Adults with ADHD are so Ashamed and What We Can Do to Help<\/em> von \u200bRichard Pink \u2013 Ein Buch \u00fcber Scham und Selbstakzeptanz bei ADHS.<\/li>\n<\/ul>\n<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Matthias N\u00f6rtemann ist Facharzt f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und zum zweiten Mal zu Gast im Hypnose Podcast der MEG. 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In seiner Praxis und Lehre verbindet er die Ericksonsche <a href=\"https:\/\/hypnose.de\/blog\/was-ist-hypnotherapie\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" class=\"\" style=\"outline: none;\">Hypnotherapie <\/a>mit taoistisch inspirierten Haltungen, um therapeutische Herausforderungen nicht nur zu meistern, sondern als Ressourcen zu nutzen.<\/p><p dir=\"ltr\">In dieser Episode des Hypnose Podcasts der Milton Erickson Gesellschaft erf\u00e4hrst du:<\/p><ul><li dir=\"ltr\">Wie Wei Kai Hungs beruflicher Weg von Taipeh \u00fcber New York zu internationaler Lehrt\u00e4tigkeit f\u00fchrte \u2013 inklusive langj\u00e4hriger Zusammenarbeit mit Jeffrey Zeig.<\/li><li dir=\"ltr\">Weshalb er die Prinzipien des Taoismus mit der Ericksonschen Hypnotherapie verkn\u00fcpft und welche Perspektiven daraus f\u00fcr den therapeutischen Prozess entstehen.<\/li><li dir=\"ltr\">Welche Bedeutung \u201eUtilisation\u201c in seinem Ansatz hat \u2013 nicht nur Widerst\u00e4nde zu umgehen, sondern sie bewusst zu nutzen, um Wandel und Ressourcenarbeit zu f\u00f6rdern.<\/li><li dir=\"ltr\">Vor welchen Herausforderungen und Chancen er stand, als er hypnotherapeutische B\u00fccher ins Chinesische \u00fcbersetzte.<\/li><li dir=\"ltr\">Wie sich Achtsamkeit, K\u00f6rperarbeit und t\u00e4gliche Praxis in den eigenen Berufsalltag integrieren lassen.<\/li><\/ul><p dir=\"ltr\">Freu dich auf einen tiefgr\u00fcndigen, kultur\u00fcbergreifenden Dialog \u00fcber Hypnose, Lebensweisheit und therapeutische Haltung.<\/p><\/div><div class=\"thrv_wrapper thrv_custom_html_shortcode\"><iframe title=\"Embed Player\" style=\"border: medium;\" src=\"https:\/\/play.libsyn.com\/embed\/episode\/id\/39767335\/height\/192\/theme\/modern\/size\/large\/thumbnail\/yes\/custom-color\/0b9364\/time-start\/00:00:00\/playlist-height\/200\/direction\/backward\/download\/yes\/font-color\/FFFFFF\" height=\"192\" width=\"100%\" scrolling=\"no\" allowfullscreen=\"\" webkitallowfullscreen=\"true\" mozallowfullscreen=\"true\" oallowfullscreen=\"true\" msallowfullscreen=\"true\"><\/iframe><div class=\"tve_iframe_cover\"><\/div><\/div><div class=\"thrv_wrapper thrv_text_element\"><h3 class=\"\">Transkript und deutsche \u00dcbersetzung<\/h3><p>Disclaimer: Diese \u00dcbersetzung wurde mithilfe von KI erstellt und danach manuell gepr\u00fcft und \u00fcberarbeitet. Trotz sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung k\u00f6nnten unter anderem z.B. Fachbegriffe nicht vollst\u00e4ndig korrekt \u00fcbersetzt sein. Gerne nehme ich in den Kommentaren Feedback und Hinweise entgegen, um die \u00dcbersetzung noch weiter zu verbessern:<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Alles klar. Herzlich willkommen im Podcast der Milton Erickson Gesellschaft, Wei Kai.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Ja, es ist uns eine Ehre, dass du dir hier Zeit aus deinem vollen Terminkalender nimmst. Und ich w\u00fcrde gern mit einer grundlegenden Frage beginnen. Du bist Mental Health Counselor und Erickson\u2019scher Therapeut. Was hat dich dazu gebracht, diesen beruflichen Weg einzuschlagen?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Okay. Ich habe an der Columbia University studiert, in einem Studiengang f\u00fcr Beratungspsychologie, und dort meinen Masterabschluss gemacht. Ich wollte eigentlich schon seit meiner Schulzeit Psychotherapeut werden.<\/p><p dir=\"ltr\">Der Hintergrund ist, dass mein Vater gestorben ist, als ich elf Jahre alt war. Danach wurde meine Mutter depressiv. Es waren dann nur noch meine Mutter und ich, w\u00e4hrend ich aufgewachsen bin. Ich habe versucht, ihr mit ihrer Depression zu helfen, aber ich konnte das nicht. Und viele Jahre sp\u00e4ter wurde mir klar: Genau das ist eigentlich das, was ich machen m\u00f6chte. Ich wollte Psychotherapeut werden, um Menschen helfen zu k\u00f6nnen.<\/p><p dir=\"ltr\">Also habe ich an der Columbia University studiert und bin dann Psychotherapeut geworden. Ich habe etwa zehn Jahre in New York gearbeitet.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Zehn Jahre.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Und zu dieser Zeit kannte ich den Erickson\u2019schen Ansatz noch \u00fcberhaupt nicht. Ich habe NLP gelernt, kognitive Verhaltenstherapie, viel Familientherapie im Bowen-Stil und auch traditionelle Hypnose.<\/p><p dir=\"ltr\">Dann bin ich 2011 zur\u00fcck nach Taipeh. Dort habe ich beschlossen, eine neue berufliche Phase zu beginnen. Und dort habe ich Jeff Zeig kennengelernt. Er hat in Taipeh eine Masterclass gegeben.<\/p><p dir=\"ltr\">Die Geschichte ist folgende: Ich dachte damals, dass ich nach meiner Zeit in New York schon ziemlich viel wei\u00df. Aber als ich Jeff bei seiner Arbeit gesehen habe, habe ich erlebt, wie er innerhalb einer einzigen Stunde therapeutisch unglaublich viel bewirken konnte. Das, was er in einer Stunde gemacht hat, h\u00e4tte mich fr\u00fcher vielleicht ein ganzes Jahr gekostet. Ich war wirklich erstaunt \u00fcber das, was er getan hat.<\/p><p dir=\"ltr\">In einer Pause bin ich zu ihm gegangen und habe gesagt: \u201eJeff, das, was du machst, ist wirklich hervorragend. Ich m\u00f6chte unbedingt von dir lernen. Ich habe vorher noch nie vom Erickson\u2019schen Ansatz geh\u00f6rt, aber es klingt gro\u00dfartig. Wenn ich dir folgen m\u00f6chte, um diesen Ansatz zu lernen, was sollte ich dann tun?\u201c<\/p><p dir=\"ltr\">Er trank gerade chinesischen Tee, nahm einen Schluck und sagte nur: \u201eDer Tee wird kalt.\u201c Das war alles, was er gesagt hat. Und ich habe es verstanden. Ich dachte: Das ist der Mensch, dem ich f\u00fcr den Rest meines Lebens folgen m\u00f6chte.<\/p><p dir=\"ltr\">Er hat mir nicht gesagt: \u201eHier ist ein Programm in Phoenix, geh dort hin\u201c, oder \u201eMach diese oder jene Ausbildung\u201c. Er sagte einfach nur: \u201eDer Tee wird kalt.\u201c F\u00fcr mich war das wie ein Zen-Satz, fast wie ein Koan.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich habe verstanden: Im richtigen Moment gibt es die richtige Person und den richtigen Zugang. Und ich habe daraus die Botschaft mitgenommen, dass ich, wenn ich von ihm lernen m\u00f6chte, einfach so viel wie m\u00f6glich tun sollte, um meinen eigenen Lernweg zu finden und zu gehen.<\/p><p dir=\"ltr\">Seitdem bin ich viel mit ihm gereist. Und ich sage ihm immer wieder: \u201eIch bin jetzt bei meiner zweiten Tasse Tee\u201c oder \u201ebei meiner dritten Tasse Tee\u201c. Bis heute lerne ich noch von Jeff.<\/p><p dir=\"ltr\">F\u00fcr mich ist der Erickson\u2019sche Ansatz deshalb so faszinierend, weil er sich st\u00e4ndig weiterentwickelt. Wenn man zum Beispiel kognitive Verhaltenstherapie oder Familientherapie lernt, dauert es Jahre, bis man sagen kann: \u201eJetzt kann ich das gut.\u201c Beim Erickson\u2019schen Ansatz ist es anders. Man folgt einer Lehrperson, einem Mentor, lernt bestimmte Dinge, und einige Jahre sp\u00e4ter entwickeln sich diese Lehrpersonen weiter, werden noch besser, noch feiner in ihrer therapeutischen Arbeit, und man versucht immer wieder, Schritt zu halten.<\/p><p dir=\"ltr\">Es gibt immer etwas Neues zu lernen. Ich lerne von Jeff, ich lerne von Steve, und ich habe das Gef\u00fchl: Das ist genau das, was ich lernen m\u00f6chte. Es ist, als w\u00fcrden sie selbst immer weiter von Milton Erickson lernen. Es gibt immer neue M\u00f6glichkeiten.<\/p><p dir=\"ltr\">F\u00fcr mich ist es faszinierend, dass wir mit dem Unbewussten arbeiten und dort alle Ressourcen vorhanden sind, wie Erickson sagte: unendliche M\u00f6glichkeiten. Man wird nie m\u00fcde, diesen Ansatz zu lernen.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Ja, das ist sehr interessant, weil es weniger um etwas geht, das man einmal lernt und dann beherrscht, sondern eher um eine Art Kunstform, die man immer weiter entwickelt. Vielleicht kann man es so ausdr\u00fccken: Es ist eine Kunstform, und man wird immer besser darin. Zum Beispiel Utilisation. Man kann Utilisation \u00fcberall anwenden. Und mit der Zeit merkt man immer mehr: \u201eAh, hier kann ich es einsetzen, dort auch.\u201c<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Genau. Erickson hat gesagt, dass wir alles nutzen sollten, was Patient:innen oder Klient:innen in den Raum mitbringen, egal ob es positiv oder negativ ist. Das passt sehr gut zur taoistischen Haltung. Wir nehmen sowohl das Positive als auch das Negative und halten beides, nicht um das Problem zu eliminieren, sondern um etwas Neues daraus zu transformieren.<\/p><p dir=\"ltr\">Wenn ich eine Sitzung mache, ist es f\u00fcr mich oft wie ein Spiel. Ich spiele gemeinsam mit der Klient:in. Wir k\u00f6nnen beide dieses Spiel genie\u00dfen. Das Ziel dieses Spiels ist es, die Ressourcen zu finden, die bereits im Inneren der Klient:innen vorhanden sind. Es geht nicht darum, dass ich ihnen Ressourcen gebe. Ihr Unbewusstes hat diese Ressourcen bereits. Wir m\u00fcssen sie nur entdecken, wie einen Schatz im Unbewussten. Deshalb macht mir therapeutische Arbeit so viel Freude.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Und das ist auch gut f\u00fcr unsere eigene Psychohygiene, oder?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Ja, genau. Es ist wirklich eine Kunstform der Psychotherapie. Im Erickson\u2019schen Ansatz sch\u00e4tzen wir Utilisation und Individualisierung. Wir richten uns immer an den individuellen Bed\u00fcrfnissen und am individuellen Stil der Klient:innen aus und nutzen alles, was sie oder auch wir selbst in den Prozess einbringen. Es ist eine wechselseitige Interaktion.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Gestern waren wir auf der MEG-Tagung hier in Kassel. Du hast dort einen Vortrag gehalten. Der Titel war: \u201eIntegrating the Ericksonian Approach and Taoism to Transform Obstacles into Resources\u201c. Welche zentralen Prinzipien \u00fcberschneiden sich aus deiner Sicht zwischen Hypnotherapie, dem Erickson\u2019schen Ansatz und dem Taoismus?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Das ist eine sehr gute Frage. Das erste gro\u00dfe Prinzip ist Utilisation. Und ein weiteres zentrales Konzept ist das Sein statt das Tun. Wenn wir sehen, dass Patient:innen ein Problem haben, dann versuchen wir nicht sofort, etwas zu machen, sondern wir sind erst einmal einfach da, in unserer Haltung.<\/p><p dir=\"ltr\">Die Patient:innen nehmen diese Haltung wahr. Sie bekommen ein Modell, ein Vorbild. Sie sehen: \u201eAh, die Therapeut:in ist so und so im Sein.\u201c Das erinnert sehr an Erickson. Wenn man sich Erickson in seinen sp\u00e4teren Lebensjahren anschaut, dann hat er nicht mehr Konzepte oder Techniken unterrichtet und auch keine festen Methoden vermittelt. Er hat Trancen angeleitet, Geschichten erz\u00e4hlt oder Gruppentrancen gemacht, und es hat einfach gewirkt.<\/p><p dir=\"ltr\">Wie das wirkte, war schwer in Worte zu fassen. Es war wie eine Art Energie, die von ihm auf die Lernenden \u00fcberging. Das ist sehr \u00e4hnlich zum chinesischen Taoismus. Dort geht es darum, Yin und Yang zusammenzubringen und alles zu nutzen, was auftaucht. Daraus k\u00f6nnen sehr viele unterschiedliche Ver\u00e4nderungen und M\u00f6glichkeiten entstehen. Man h\u00e4lt Yin und Yang gleichzeitig und l\u00e4sst die Entwicklung ihren eigenen Weg gehen.<\/p><p dir=\"ltr\">Der Erickson\u2019sche Ansatz geht deshalb nicht um Kontrolle. Es geht darum, mit dem Fluss zu gehen, so wie Wasser. Das Bild ist: Wenn Wasser auf ein Hindernis trifft, etwa auf einen Stein, bleibt es nicht stehen. Es flie\u00dft darum herum und bewegt sich weiter. Genauso arbeiten wir therapeutisch. Wir wissen, dass es ein Hindernis gibt und dass Klient:innen daran feststecken. Aber wir bleiben in Bewegung, gehen weiter in die gew\u00fcnschte Richtung und erreichen irgendwann das Ziel.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Ein zentraler Punkt ist also Utilisation in der Hypnotherapie. Wenn zum Beispiel eine Klient:in in Widerstand geht, also sich dem Prozess widersetzt, dann ist das kein Problem, sondern etwas, das wir wertsch\u00e4tzen und nutzen. Im Taoismus ist es \u00e4hnlich. Man akzeptiert das Hindernis und flie\u00dft darum herum.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Genau, du meinst Widerstand. Widerstand ist im Erickson\u2019schen Ansatz etwas, das wir lieben. Herausfordernde, widerst\u00e4ndige Klient:innen, die viele Fragen stellen oder sich nicht sofort einlassen k\u00f6nnen, bringen sehr viel Material mit. Erickson mochte diese Herausforderung, weil Widerstand immer etwas ist, mit dem man arbeiten kann. Utilisation entsteht oft genau rund um den Widerstand.<\/p><p dir=\"ltr\">Im Taoismus ist es \u00e4hnlich. Wenn du Tai Chi kennst: Wenn jemand dich angreift, blockierst du nicht die Energie, sondern leitest sie um. Du nutzt die Energie der anderen Person. Genauso ist es in der Therapie. Selbst Kritik oder Angriff k\u00f6nnen genutzt und in etwas Positives verwandelt werden.<\/p><p dir=\"ltr\">Wir nennen das manchmal Transformation, aber eigentlich geht es darum, das zu nutzen, was das Unbewusste der Klient:innen zeigt. Nat\u00fcrlich braucht das viel \u00dcbung.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich erinnere mich an eine Situation, als ich noch relativ neu im Erickson\u2019schen Ansatz war. Ich fragte Stephen Gilligan, meinen Mentor, wie man etwas Negatives in etwas Positives verwandelt. Er hielt einfach seine Hand hoch, als w\u00fcrde er ein Hindernis darin halten, drehte sie um und sagte: \u201eSchau es von der anderen Seite an.\u201c Das hat mich erst irritiert, weil wir so gewohnt sind, Probleme immer nur als Probleme zu sehen.<\/p><p dir=\"ltr\">Als Therapeut:innen und auch als Klient:innen schauen wir oft nur auf das Negative. Wir denken: \u201eDa ist ein Problem, das muss gel\u00f6st werden.\u201c Aber wir schauen selten aus einer anderen Perspektive darauf. Diese Perspektive kann neutral oder sogar positiv sein. Seitdem versuche ich, Hindernisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und kreativere Wege zu finden, damit umzugehen. Das kann sanft sein, spielerisch, manchmal auch kraftvoll. Alles geh\u00f6rt zum Hindernis dazu.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich denke, Taoismus und der Erickson\u2019sche Ansatz sind sich darin sehr \u00e4hnlich. Wir versuchen nicht, Probleme zu eliminieren oder zu reduzieren, sondern wir unterst\u00fctzen Menschen darin, vollst\u00e4ndiger zu werden. Menschen haben positive und negative Anteile, viele verschiedene Facetten und Rollen. All das geh\u00f6rt zu ihnen.<\/p><p dir=\"ltr\">Gestern in meinem Vortrag hat mich jemand gefragt, wie wir mit der vielen Negativit\u00e4t in der Welt umgehen k\u00f6nnen, mit Aggression und Gewalt. Ich habe zun\u00e4chst gesagt, dass wir beides halten und auch loslassen m\u00fcssen. Manchmal halten wir das Gute fest, manchmal lassen wir es los. Das B\u00f6se ist stark, aber das Gute ist auch stark.<\/p><p dir=\"ltr\">Sp\u00e4ter habe ich dar\u00fcber nachgedacht und mir ist eine indigene Geschichte eingefallen: Ein \u00e4lterer Mensch erz\u00e4hlt Kindern von zwei W\u00f6lfen, einem wei\u00dfen und einem schwarzen Wolf. Der wei\u00dfe Wolf steht f\u00fcr das Gute, der schwarze f\u00fcr das Schlechte. Beide existieren. Die Frage ist: Welcher Wolf wird st\u00e4rker? Die Antwort lautet: Der Wolf, den du f\u00fctterst.<\/p><p dir=\"ltr\">Wenn du dich auf das Gute konzentrierst, wird das Gute st\u00e4rker. Wenn du dich auf das Negative konzentrierst, wird das Negative st\u00e4rker. Wir k\u00f6nnen also w\u00e4hlen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Das ist auch etwas, das Erickson uns gezeigt hat. Er hatte Polio, war teilweise gel\u00e4hmt und sa\u00df im Rollstuhl. Das war der negative Teil seiner k\u00f6rperlichen Situation. Aber er hat sich entschieden, den Fokus auf seine Ressourcen zu legen. Dadurch wurden diese st\u00e4rker.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: W\u00fcrdest du sagen, dass das auch auf gesellschaftlicher oder politischer Ebene gilt? Oder eher auf der individuellen Ebene?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Beides. Viele Menschen machen sich Sorgen dar\u00fcber, was in der Welt passiert. Aber gleichzeitig gilt das auch auf individueller Ebene. Nachrichten sind oft sehr negativ. Wir k\u00f6nnen bewusst entscheiden, wie viel davon wir aufnehmen. Wir k\u00f6nnen uns auch auf positive Dinge konzentrieren, zum Beispiel auf Sportereignisse, die uns Freude machen.<\/p><p dir=\"ltr\">Im eigenen Leben erleben wir immer Gutes und Schwieriges. Es geht nicht darum, nur positiv zu denken, denn das w\u00e4re nicht realistisch. Wichtig ist Balance. Viele Patient:innen neigen dazu, nur das Negative zu sehen und glauben, sie h\u00e4tten keine Ressourcen. Dabei haben sie in ihrem Leben schon vieles gemeistert, auch wenn sie sich dessen nicht mehr bewusst sind. Unsere Aufgabe ist es, ihnen diese Ressourcen wieder zug\u00e4nglich zu machen.<\/p><p dir=\"ltr\">Erickson hat oft fr\u00fche Lernerfahrungen genutzt. Zum Beispiel: Als man gelernt hat zu schreiben oder zu gehen, war das sehr schwierig. Sp\u00e4ter \u00fcbernimmt das Unbewusste diese F\u00e4higkeiten ganz selbstverst\u00e4ndlich.<\/p><p dir=\"ltr\">Wenn Menschen nur auf ihre traumatische Vergangenheit schauen, f\u00e4llt es ihnen schwer, in die Zukunft zu gehen. Wir m\u00fcssen sowohl die Vergangenheit w\u00fcrdigen als auch Zukunftsperspektiven entwickeln.<\/p><p dir=\"ltr\">Heute leben wir in einer sehr schnellen Welt mit Technologie und KI. Wir wollen ein besseres Leben, tragen aber auch viel Vergangenheit mit uns. Menschsein bedeutet, all das zu integrieren, im Hier und Jetzt zu leben und gleichzeitig Zukunft zu gestalten.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Ich denke, der Schl\u00fcssel f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben liegt darin, mit dem Fluss zu gehen, Moment f\u00fcr Moment. Manchmal passieren gute Dinge, manchmal schwierige. Beides existiert gleichzeitig auf individueller Ebene.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Wie unterscheidest du pers\u00f6nlich zwischen einer Haltung von Positivit\u00e4t oder Optimismus und dem taoistischen Prinzip von Utilisation und Mit-dem-Fluss-Gehen? Das eine kann ja leicht zu einem \u201eImmer positiv denken\u201c werden, w\u00e4hrend das andere eher Akzeptanz bedeutet, auch von Leid.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: F\u00fcr mich ist das zentrale Wort Balance. Wenn man sich das Tai-Chi-Symbol anschaut, dann sieht man nicht einfach eine H\u00e4lfte schwarz und eine H\u00e4lfte wei\u00df, sondern in jeder Seite gibt es einen Punkt der jeweils anderen Farbe. Im Positiven gibt es etwas Negatives und im Negativen etwas Positives. Ziel ist es, diese Balance zu halten.<\/p><p dir=\"ltr\">Manche Ans\u00e4tze der Positiven Psychologie fokussieren sehr stark auf das Positive und versuchen, das Negative zu vermeiden. Das halte ich f\u00fcr problematisch, weil man das Negative nicht ignorieren kann. Es geht darum, beides anzuerkennen. Wenn man versucht, das Gl\u00fcck zu kontrollieren und festzuhalten, verliert man letztlich die Kontrolle, weil das Dunkle fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wieder auftaucht. Wenn man sich zu sehr auf das Dunkle fokussiert, verliert man ebenfalls die Balance, weil man das Licht nicht mehr sieht.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich vergleiche das manchmal mit Star Wars: Es gibt eine dunkle Seite und eine helle Seite der Macht. Beide sind stark. Das Ziel ist nicht, eine Seite auszurotten, sondern die Balance wiederzufinden. Wichtig ist Geduld. Wenn man versucht, Dinge zu erzwingen, funktioniert es oft nicht. Ver\u00e4nderung braucht Zeit.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich habe ein einfaches Modell: Es gibt Sicherheit, Gefahr und dazwischen das Abenteuer. Wenn wir in Sicherheit sind, haben wir das Gef\u00fchl von Kontrolle. Aber das Leben besteht nicht nur aus Sicherheit. Wenn wir zum Beispiel eine Ausbildung abschlie\u00dfen, einen neuen Job beginnen oder eine Trennung erleben, geraten wir in eine Phase der Unsicherheit oder Krise. Menschen kommen oft in Therapie, wenn sie sich in einer solchen Phase befinden.<\/p><p dir=\"ltr\">Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu helfen, wieder einen inneren sicheren Ort zu finden, damit sie von dort aus wieder ins Abenteuer des Lebens gehen k\u00f6nnen. In meinem Vortrag habe ich ein Zitat von Erickson erw\u00e4hnt: Das Leben ist nichts, worauf man sofort eine Antwort finden muss. Man darf den Prozess des Werdens genie\u00dfen, so wie man Samen pflanzt und nicht wei\u00df, welche Blume daraus entstehen wird.<\/p><p dir=\"ltr\">Das bedeutet, wir m\u00fcssen unserem Unbewussten vertrauen und Geduld haben. In Krisen verlieren Menschen oft das Vertrauen, in sich selbst und in andere. Vertrauen ist deshalb zentral.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Ja, gerade in unserer heutigen Welt wollen viele Menschen schnelle Antworten und sofortige L\u00f6sungen.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Genau. Heute wollen wir alles sofort: Informationen, Ergebnisse, Sicherheit. Im Taoismus hingegen wird Verlangsamung gesch\u00e4tzt. Wenn man langsamer wird, kann man sich wieder mit sich selbst und mit der Natur verbinden. Wenn man immer nur schnell unterwegs ist, kann man die Landschaft nicht genie\u00dfen.<\/p><p dir=\"ltr\">Deshalb geht es darum, eine Balance zu finden zwischen Geschwindigkeit und Langsamkeit.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Wenn du magst: Welche pers\u00f6nlichen Krisen hast du erlebt und wie haben dir der Erickson\u2019sche Ansatz und der Taoismus geholfen?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Vor einigen Jahren hatte ich eine gro\u00dfe Krise. W\u00e4hrend der Corona-Zeit habe ich meine Arbeit verloren und hatte kaum Geld. Ich wusste nicht, wie meine Zukunft aussehen w\u00fcrde und wurde depressiv.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich erinnerte mich an Erickson, der mit Polio schwer beeintr\u00e4chtigt war und trotzdem seinen Weg gefunden hat. Und ich erinnerte mich an das taoistische Bild von Wasser: Wasser flie\u00dft immer nach unten, es konkurriert nicht und findet seinen Weg auch durch schwierige Bedingungen.<\/p><p dir=\"ltr\">Im Taoismus gibt es ein Sprichwort: Wer nicht mit anderen konkurriert, wird nicht angegriffen. In meiner Krise habe ich mich bewusst \u201eunten\u201c gehalten, mir erlaubt zu weinen, langsam zu sein und meinem Unbewussten zu vertrauen. Einige Monate sp\u00e4ter begannen sich Dinge zu ver\u00e4ndern. Mein beruflicher Weg entwickelte sich neu und erfolgreicher als zuvor.<\/p><p dir=\"ltr\">Im Chinesischen gibt es das Wort \u201eKrise\u201c, das aus zwei Zeichen besteht: Gefahr und Chance. Beides geh\u00f6rt zusammen. Ich habe gelernt, Krisen anzunehmen und dem Prozess zu vertrauen.<\/p><p dir=\"ltr\">Heute nutze ich diese Erfahrung auch in meiner therapeutischen Arbeit. Ich helfe Klient:innen, innere sichere Orte zu finden, damit sie wieder mutig ins Leben gehen k\u00f6nnen.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Das bedeutet also, nicht gegen die Krise zu k\u00e4mpfen, sondern sie anzunehmen und dem Unbewussten zu vertrauen.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Ja. Das bewusste Denken will oft schnelle Antworten und Kontrolle. Das Unbewusste hingegen braucht Zeit. Wenn man beginnt, dem Unbewussten zu vertrauen und auf die leise innere Stimme zu h\u00f6ren, entstehen oft gute L\u00f6sungen.<\/p><p dir=\"ltr\">Jeff spricht manchmal davon, auf seine \u201eBaby-Gedanken\u201c zu h\u00f6ren, also auf diese ganz leisen Impulse. Wir haben viele Stimmen in uns: die der Eltern, der Gesellschaft, der eigenen Erwartungen. Die leise innere Stimme wird oft \u00fcberh\u00f6rt, ist aber sehr wertvoll.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Hast du ein Beispiel daf\u00fcr?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Ja. Einmal hatte ich mit Jeff eine sehr intensive Sitzung. Danach bat er mich, mich umzudrehen und spontan den ersten Buchtitel zu nennen, den ich sehe. Ich dachte kurz, hoffentlich ist es kein depressiver Titel, aber ich vertraute dem Prozess. Ich sah den Titel \u201ePoetic Medicine\u201c. Das passte perfekt zur Sitzung. Das war ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr Vertrauen in das Unbewusste.<\/p><p dir=\"ltr\">Ein anderes Beispiel: In einer Masterclass hatte ich das Ziel, innerhalb eines Jahres f\u00fcnf Workshops zu geben, obwohl ich damals noch angestellt war und keine Erfahrung mit Organisation hatte. In einer Trancearbeit erschien Feuerwerk und Feuer als Symbol. Einige Monate sp\u00e4ter k\u00fcndigte ich meinen Job, lernte neue Menschen kennen und am Ende des Jahres hatte ich tats\u00e4chlich f\u00fcnf Workshops durchgef\u00fchrt. Mein bewusster Verstand h\u00e4tte diesen Weg nie planen k\u00f6nnen, aber mein Unbewusstes hat L\u00f6sungen gefunden.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Hast du Empfehlungen, wie wir Therapeut:innen deine Ideen in unsere t\u00e4gliche Praxis integrieren k\u00f6nnen?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Ich denke, Achtsamkeit und Meditation sind sehr hilfreich. Ebenso das Konzept der Zentrierung. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist Tai Chi sehr wichtig. Die langsamen Bewegungen helfen mir, mich zu sammeln und mich innerlich auf Herausforderungen einzustellen.<\/p><p dir=\"ltr\">Als ich gestern meinen Vortrag gehalten habe, habe ich das Publikum eingeladen, gemeinsam mit mir Tai Chi zu machen. Das hatte zwei Funktionen: Zum einen konnten die Teilnehmer:innen diese Erfahrung selbst machen. Zum anderen hat es mir geholfen, meine eigene Nervosit\u00e4t zu regulieren. Wenn ich ruhig bin, kann auch das Publikum ruhiger werden. Dann entsteht eine gemeinsame gute Atmosph\u00e4re.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich empfehle allen, kleine t\u00e4gliche Rituale zu finden. Das kann Musik h\u00f6ren sein, Kochen, Spazierengehen, Joggen, Zeit im Wald. Wichtig ist, dass es regelm\u00e4\u00dfig passiert und nicht leistungsorientiert ist. Es geht nicht darum, etwas zu erreichen, sondern darum, pr\u00e4sent zu sein.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich hatte zum Beispiel fr\u00fcher Angst vor Wasser. Jeff hat mir in einer Sitzung geholfen, diese Angst zu l\u00f6sen. Danach habe ich Schwimmen gelernt und genie\u00dfe es heute sehr. Beim Schwimmen komme ich in einen Zustand, in dem der Kopf ruhig wird und der K\u00f6rper den Rhythmus \u00fcbernimmt. Schon zwanzig oder drei\u00dfig Minuten k\u00f6nnen sehr regenerierend sein.<\/p><p dir=\"ltr\">Manchmal springe ich auch Seil oder gehe laufen. Wichtig ist, in eine Synchronisation mit sich selbst zu kommen. Im Taoismus nennen wir das \u201eNicht-Handeln\u201c im Sinne von m\u00fchelosem Sein. Man tut etwas, weil man es genie\u00dft, nicht aus einem Zweck heraus.<\/p><p dir=\"ltr\">Erickson sagte einmal sinngem\u00e4\u00df: Das Leben ist dazu da, genossen zu werden. Und das ist besonders kraftvoll, wenn man bedenkt, wie viel k\u00f6rperliches Leid er erlebt hat.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Du hast auch viele B\u00fccher ins Chinesische \u00fcbersetzt, unter anderem Werke von Jeffrey Zeig und Stephen Gilligan. Wie gut l\u00e4sst sich der Erickson\u2019sche Ansatz deiner Erfahrung nach in die chinesische Sprache und Kultur \u00fcbertragen?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Das ist eine sehr gute Frage. Chinesisch und Englisch oder Deutsch sind sprachlich und kulturell sehr unterschiedlich. Wenn man B\u00fccher \u00fcbersetzt, reicht es nicht, Wort f\u00fcr Wort zu \u00fcbersetzen. Man muss den Sinn und die Erfahrung transportieren.<\/p><p dir=\"ltr\">Ich habe viele Workshops besucht, um den Kern des Erickson\u2019schen Ansatzes wirklich zu verstehen. Erst dann konnte ich beginnen, diese Inhalte so zu formulieren, dass sie f\u00fcr chinesische Leser:innen verst\u00e4ndlich und erlebbar werden.<\/p><p dir=\"ltr\">Utilisation zum Beispiel l\u00e4sst sich nicht einfach direkt \u00fcbersetzen. Wir haben nach Begriffen gesucht, die im Taoismus verankert sind und eine \u00e4hnliche Bedeutung tragen. Es geht immer darum, Bedeutung zu vermitteln, nicht nur W\u00f6rter.<\/p><p dir=\"ltr\">Auch im Taoismus sind Texte oft pr\u00e4zise und gleichzeitig offen formuliert. Das ber\u00fchmte Daodejing besteht aus relativ wenigen Worten, wird aber seit Jahrtausenden immer wieder neu interpretiert. Das ist sehr \u00e4hnlich zum Erickson\u2019schen Ansatz: Eine Geschichte kann f\u00fcr jede Person etwas anderes bedeuten.<\/p><p dir=\"ltr\">Beim \u00dcbersetzen lasse ich manchmal bewusst einen Abschnitt liegen, wenn ich noch keine passende Formulierung finde. Nach einigen Tagen taucht dann oft wie von selbst eine L\u00f6sung auf. Auch hier vertraue ich dem Unbewussten.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Das hei\u00dft, \u00dcbersetzen ist f\u00fcr dich auch ein Lernprozess und eine Vertiefung deiner eigenen therapeutischen Haltung.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Absolut. \u00dcbersetzen zwingt mich, sehr genau zu verstehen, was eigentlich gemeint ist. Es ist nicht nur sprachliche Arbeit, sondern auch pers\u00f6nliche Entwicklung.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Gibt es eine Frage, die ich dir nicht gestellt habe, die du aber gerne beantworten w\u00fcrdest?<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Ich glaube, jede Antwort ist immer vom Moment abh\u00e4ngig. Wenn du mir dieselbe Frage zu einem anderen Zeitpunkt stellen w\u00fcrdest, w\u00fcrde ich vermutlich anders antworten. Man steigt nie zweimal in denselben Fluss. Das entspricht der Haltung der Offenheit und der unendlichen M\u00f6glichkeiten im Erickson\u2019schen Ansatz.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Das passt sehr gut zu der Idee, dass man nie \u201efertig\u201c ist, sondern immer weiter lernt.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Ja. Auch ich bleibe manchmal stecken, aber ich versuche, nicht zu lange in diesem Zustand zu bleiben. Das Thema Resilienz auf dieser Tagung finde ich deshalb sehr passend. Resilienz bedeutet, wie schnell man nach einem Sturz wieder aufsteht. Manchmal darf man auch eine Zeit im Tal bleiben, bevor man wieder aufsteigt.<\/p><p dir=\"ltr\"><strong>Raphael Kolic<\/strong>: Lieber Wei Kai, vielen Dank f\u00fcr dieses inspirierende Gespr\u00e4ch.<\/p><strong>Wei Kai Hung<\/strong>: Vielen Dank.<h3 class=\"\">Ressourcen und Links<\/h3><ul><li \"=\"\" 688\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"499\"><strong data-end=\"611\" data-start=\"501\">Hung, W. K. (2025). Integrating the Ericksonian Approach and Taoism to Transform Obstacles into Resources.<\/strong><br data-start=\"611\" data-end=\"614\">Vortrag auf der <a href=\"https:\/\/www.meg-hypnose.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Flyer2-MEG-JT-2025.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" class=\"\">Jahrestagung der Milton Erickson Gesellschaft in Kassel<\/a>.<\/li><li \"=\"\" 844\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"690\"><strong data-end=\"711\" data-start=\"692\">Jeffrey K. Zeig<\/strong><br data-start=\"711\" data-end=\"714\">Gr\u00fcnder der Milton Erickson Foundation, Leiter der internationalen Master-Class-Trainings und zentraler Mentor von Wei Kai Hung.<\/li><li \"=\"\" 969\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"846\"><strong data-end=\"890\" data-start=\"848\">Zeig, J. K. The Induction of Hypnosis.<\/strong><br data-start=\"890\" data-end=\"893\">Fachbuch zur Hypnoseinduktion, von Wei Kai Hung ins Chinesische \u00fcbersetzt.<\/li><li \"=\"\" 1171\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"971\"><strong data-end=\"1058\" data-start=\"973\">Zeig, J. K. The Anatomy of Experiential Impact through Ericksonian Psychotherapy.<\/strong><br data-start=\"1058\" data-end=\"1061\">Zentrales Werk zur Wirkweise erlebnisorientierter Hypnotherapie, im Gespr\u00e4ch mehrfach indirekt referenziert.<\/li><li \"=\"\" 1317\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"1173\"><strong data-end=\"1217\" data-start=\"1175\">Zeig, J. K. The Habit of a Happy Life.<\/strong><br data-start=\"1217\" data-end=\"1220\">Buch \u00fcber psychotherapeutische Haltungen und Ressourcenentwicklung, von Wei Kai Hung \u00fcbersetzt.<\/li><li \"=\"\" 1422\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"1319\"><strong data-end=\"1352\" data-start=\"1321\">Zeig, J. K. Psychoaerobics.<\/strong><br data-start=\"1352\" data-end=\"1355\">Werk zur Aktivierung innerer Ressourcen und Ver\u00e4nderungsprozesse.<\/li><li \"=\"\" 1538\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"1424\"><strong data-end=\"1461\" data-start=\"1426\">Gilligan, S. Generative Trance.<\/strong><br data-start=\"1461\" data-end=\"1464\">Buch zur Generativen Trance, von Wei Kai Hung ins Chinesische \u00fcbersetzt.<\/li><li \"=\"\" 1664\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"1540\"><strong data-end=\"1578\" data-start=\"1542\">Gilligan, S. The Hero\u2019s Journey.<\/strong><br data-start=\"1578\" data-end=\"1581\">Buch zur therapeutischen Arbeit mit Entwicklungsprozessen und inneren \u00dcberg\u00e4ngen.<\/li><li \"=\"\" 1779\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"1666\"><strong data-end=\"1696\" data-start=\"1668\">Gilligan, S. Trance Camp<\/strong><br data-start=\"1696\" data-end=\"1699\">Internationales Trainingsformat, in dem Wei Kai Hung als Supervisor t\u00e4tig ist.<\/li><li \"=\"\" 1966\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"1781\"><strong data-end=\"1855\" data-start=\"1783\">Ericksonian Therapy Now: The Master Class with Jeffrey K. Zeig, PhD.<\/strong><br data-start=\"1855\" data-end=\"1858\">Sammelband mit aktuellen Beitr\u00e4gen zur Erickson\u2019schen Therapie, inklusive eines Kapitels von Wei Kai Hung.<\/li><li \"=\"\" 2133\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"1968\"><strong data-end=\"2038\" data-start=\"1970\">Dokumentarfilm: Jeffrey Zeig\u2019s Influence to Taiwan Psychotherapy<\/strong><br data-start=\"2038\" data-end=\"2041\">Filmprojekt von Wei Kai Hung \u00fcber den Einfluss der Erickson\u2019schen Hypnotherapie in Taiwan.<\/li><li \"=\"\" 2295\"=\"\" class=\"data-end=\" data-start=\"2135\"><strong>Daodejing&nbsp;<\/strong><strong data-end=\"2162\" data-start=\"2137\"> von Laozi<\/strong><br data-start=\"2162\" data-end=\"2165\">Zentrales taoistisches Werk, mehrfach als philosophische Referenz f\u00fcr Offenheit, Prozessdenken und Nicht-Kontrolle angesprochen.<br data-start=\"2310\" data-end=\"2313\"><\/li><li \"=\"\" 2577\"=\"\" class=\" data-end=\" data-start=\"2424\"><strong data-end=\"2461\" data-start=\"2426\">I Ging. Das Buch der Wandlungen<\/strong><br data-start=\"2461\" data-end=\"2464\">Klassischer chinesischer Text, indirekt erw\u00e4hnt im Kontext taoistischer Denkmodelle und zyklischer Ver\u00e4nderung.<\/li><\/ul><\/div><div class=\"thrv_wrapper thrv_social_custom thrv_social\" data-counts=\"1\" data-min_shares=\"10\" data-css=\"tve-u-166818148a4\">\n<div class=\"tve_s_share_count tve-force-show\"><span class=\"tve_s_cnt\">0<\/span> shares<\/div>\n<div class=\"tve_social_items tve_social_custom tve_style_5 tve_social_itb\">\n<div class=\"tve_s_item tve_s_fb_share\" data-s=\"fb_share\" data-href=\"{tcb_post_url}\" data-label=\"Teilen\">\n<a href=\"javascript:void(0)\" class=\"tve_s_link\"><span class=\"tve_s_icon thrv-svg-icon\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"tcb-facebook\" viewBox=\"0 0 16 28\"><path d=\"M14.984 0.187v4.125h-2.453q-1.344 0-1.813 0.562t-0.469 1.687v2.953h4.578l-0.609 4.625h-3.969v11.859h-4.781v-11.859h-3.984v-4.625h3.984v-3.406q0-2.906 1.625-4.508t4.328-1.602q2.297 0 3.563 0.187z\"><\/path><\/svg><\/span><span class=\"tve_s_text\">Teilen<\/span><span class=\"tve_s_count\">0<\/span><\/a>\n<\/div><div class=\"tve_s_item tve_s_t_share\" data-s=\"t_share\" data-href=\"{tcb_post_url}\" data-label=\"Tweet\">\n<a href=\"javascript:void(0)\" class=\"tve_s_link\"><span class=\"tve_s_icon thrv-svg-icon\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"tcb-twitter\" viewBox=\"0 0 26 28\"><path d=\"M25.312 6.375q-1.047 1.531-2.531 2.609 0.016 0.219 0.016 0.656 0 2.031-0.594 4.055t-1.805 3.883-2.883 3.289-4.031 2.281-5.047 0.852q-4.234 0-7.75-2.266 0.547 0.063 1.219 0.063 3.516 0 6.266-2.156-1.641-0.031-2.938-1.008t-1.781-2.492q0.516 0.078 0.953 0.078 0.672 0 1.328-0.172-1.75-0.359-2.898-1.742t-1.148-3.211v-0.063q1.062 0.594 2.281 0.641-1.031-0.688-1.641-1.797t-0.609-2.406q0-1.375 0.688-2.547 1.891 2.328 4.602 3.727t5.805 1.555q-0.125-0.594-0.125-1.156 0-2.094 1.477-3.57t3.57-1.477q2.188 0 3.687 1.594 1.703-0.328 3.203-1.219-0.578 1.797-2.219 2.781 1.453-0.156 2.906-0.781z\"><\/path><\/svg><\/span><span class=\"tve_s_text\">Tweet<\/span><span class=\"tve_s_count\">0<\/span><\/a>\n<\/div><div class=\"tve_s_item tve_s_in_share\" data-s=\"in_share\" data-href=\"{tcb_post_url}\" data-label=\"Teilen\">\n<a href=\"javascript:void(0)\" class=\"tve_s_link\"><span class=\"tve_s_icon thrv-svg-icon\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"tcb-linkedin\" viewBox=\"0 0 28 28\"><path d=\"M5.453 9.766v15.484h-5.156v-15.484h5.156zM5.781 4.984q0.016 1.141-0.789 1.906t-2.117 0.766h-0.031q-1.281 0-2.063-0.766t-0.781-1.906q0-1.156 0.805-1.914t2.102-0.758 2.078 0.758 0.797 1.914zM24 16.375v8.875h-5.141v-8.281q0-1.641-0.633-2.57t-1.977-0.93q-0.984 0-1.648 0.539t-0.992 1.336q-0.172 0.469-0.172 1.266v8.641h-5.141q0.031-6.234 0.031-10.109t-0.016-4.625l-0.016-0.75h5.141v2.25h-0.031q0.313-0.5 0.641-0.875t0.883-0.812 1.359-0.68 1.789-0.242q2.672 0 4.297 1.773t1.625 5.195z\"><\/path><\/svg><\/span><span class=\"tve_s_text\">Teilen<\/span><span class=\"tve_s_count\">0<\/span><\/a>\n<\/div><div class=\"tve_s_item tve_s_xing_share\" data-s=\"xing_share\" data-href=\"{tcb_post_url}\" data-label=\"Teilen\">\n<a href=\"javascript:void(0)\" class=\"tve_s_link\"><span class=\"tve_s_icon thrv-svg-icon\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"tcb-xing\" viewBox=\"0 0 22 28\"><path d=\"M9.328 10.422q-0.156 0.281-4.016 7.125-0.422 0.719-1.016 0.719h-3.734q-0.328 0-0.484-0.266t0-0.562l3.953-7q0.016 0 0-0.016l-2.516-4.359q-0.187-0.344-0.016-0.578 0.141-0.234 0.5-0.234h3.734q0.625 0 1.031 0.703zM21.922 0.391q0.172 0.25 0 0.578l-8.25 14.594v0.016l5.25 9.609q0.172 0.313 0.016 0.578-0.156 0.234-0.5 0.234h-3.734q-0.656 0-1.031-0.703l-5.297-9.719q0.281-0.5 8.297-14.719 0.391-0.703 1-0.703h3.766q0.344 0 0.484 0.234z\"><\/path><\/svg><\/span><span class=\"tve_s_text\">Teilen<\/span><span class=\"tve_s_count\">0<\/span><\/a>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><div class=\"thrv_wrapper thrive_leads_shortcode\"><div class=\"thrive-shortcode-config\" style=\"display: none !important;\">__CONFIG_leads_shortcode__{\"id\":\"1451\"}__CONFIG_leads_shortcode__<\/div><\/div>","tve_custom_css":"@media (min-width: 300px){[data-css=\"tve-u-15e7dd33728f70\"] { margin-bottom: 10px !important; 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