Hypnose in der Zahnmedizin

Dr. med. dent. ALBRECHT SCHMIERER

Was macht eine Mutter, wenn ihr Kind Angst oder Schmerzen hat? Sie nimmt es in den Arm und beschützt es, sie legt die Hand auf und spricht beruhigend. Erwachsene fallen zu 70 % zurück in angstbesetztes Verhalten bei der Zahnbehandlung, ganz ähnlich wie Kinder.
Hypnose übernimmt die beruhigende und beschützende Funktion bei Kindern und Erwachsenen und ermöglicht, die Gedanken und damit das Verhalten auf angenehme und entspannte innere Erlebnisse zu lenken. Dadurch wird die Interpretation des Erlebten positiv, die Berührungsreize werden weniger intensiv wahrgenommen und metaphorisch umgedeutet.
Bei Zahnbehandlungen wird innerhalb der Intimdistanz gearbeitet, man muss jemanden so nahe an seinen Mund heranlassen, sich ihm öffnen, wie das normalerweise nur gegenüber geliebten Menschen geschieht. Der positive Trancezustand, der durch die Hypnose ausgelöst wird, wird dabei auf die Zahnbehandlung übertragen. Weite Strecken der Behandlung bekommt der Patient wenig oder gar nicht mit, je nachdem wie gut er oder sie auf Hypnose anspricht. Durch den entspannten Zustand kann schnell und präzise gearbeitet werden; die Behandlung läuft besser, da der Zahnarzt sich auf seine Arbeit konzentrieren kann. So ist Zahnbehandlung unter Hypnose ein Win-Win-System, der Zahnarzt kann sorgfältig und schnell arbeiten, bekommt keine Angst- und Schmerzsignale, fühlt sich dadurch in seinem Tun wertgeschätzt. Der Patient erlebt die früher oft als Angst- und Schmerzerlebnis empfundene Behandlung als liebevoll, schonend und gleichzeitig distanziert.

"Durch einen entspannten Zustand kann schnell und präzise gearbeitet werden."

Die Hypnoseausbildung ist für Zahnärzte sehr Zeit-aufwändig. In der einjährigen Lernphase steht die Übung der achtsamen Wahrnehmung aller Reaktionen seiner Patienten im Vordergrund, seine Empathie-Fähigkeit nimmt zu.
Anstatt Anspannung und Angst seines Patienten zu ignorieren oder zu überspielen, lernt er sie wahrzunehmen und liebevoll zu beruhigen. Zahnärzte, die sich in zahnärztlicher Hypnose haben fortbilden lassen, haben viel dafür investiert, sich auf die neue Erfahrung der Hypnose zunächst im eigenen Erleben einzulassen und daraus eine neue Beurteilung ihrer Tätigkeit und Wertesysteme zu entwickeln, sowie den eigenen Umgang mit Angst und Stress positiv verändert zu erleben. Hypnosezahnärzte zeichnen sich durch ein hohes Interesse an psychologischem Einfühlen und sanfter Behandlung aus, sie werden durch die besondere Wertschätzung ihrer Patienten belohnt. Sie gehen auch auf Fragen in Bezug auf Materialverträglichkeit und Behandlungsalternativen ein und nehmen sich Zeit für die Beratung.

Dr. med. dent. ALBRECHT SCHMIERER
Lehrbeauftragter der Universität Tübingen
Gründungspräsident der Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH)
Ausbilder für medizinische Hypnose der DGZH
Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Milton Erickson Gesellschaft (M.E.G.)
Autor mehrerer Bücher
www.dgzh-stuttgart.de
www.zahnarzt-mundgesund.de

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