Probleme mit dem Schlaf: Wie Hypnose helfen kann 2020-10-12T13:31:55+00:00

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Bei welchen Formen von Schlafstörungen kann Hypnose helfen?

Schlaf von ausreichender Dauer und Qualität ist ein wichtiger Faktor für die Gesundheit und das psychische Wohlbefinden eines Jeden. Gleichzeitig gehören Schlafstörungen zu den häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Europa.   Ungefähr 20 bis 25 % aller Menschen leiden unter Problemen beim Ein- und Durchschlafen. Häufig treten Probleme mit dem Schlaf nur vorübergehend auf und legen sich nach kurzer Zeit wieder, z.B. dann, wenn Schlafstörungen im Rahmen einer akuten Stresssituation auftreten. Die Ursachen für länger andauernde Schlafstörungen sind vielfältiger Natur.  Bei vielen seelischen Erkrankungen sind Schlafprobleme bzw. Schlafstörungen ein Schlüsselsymptom, vor allem bei Depressionen und Burnout, bei Angststörungen und Suchterkrankungen.

Neben der seelisch bedingten Schlaflosigkeit gibt es auch Schlafstörungen, die eine körperliche Ursache haben. Zu den häufigsten körperlich bedingten Schlafstörungen zählen das sog. Restless-Leg-Syndrom und die Schlafapnoeerkrankung. Bei Verdacht auf eine körperliche Verursachung ist eine weitere Abklärung durch Untersuchungen im Schlaflabor bzw. in der Neurologie erforderlich.

Länger bestehende Schlafstörungen können aber auch unabhängig von einer seelischen bzw.  psychischen Grunderkrankung oder körperlichen Verursachung auftreten. In der Schlafmedizin werden Schlafstörungen, bei der sich weder eine eindeutige psychische noch eine körperliche Ursache finden lassen, als „Primäre Schlafstörung“ (auch „Primäre Insomnie“ genannt), bezeichnet. Diese Form der Schlafstörung, bei der also das Nichtschlafenkönnen an sich im Vordergrund steht, ist häufig. Ca. 7 % der Bevölkerung in Europa leiden unter einer „Primären Schlafstörung“.

Eine behandlungsbedürftige Schlafstörung liegt spätestens dann vor, wenn man über einen Zeitraum von einem Monat an mindestens 3 Tagen in der Woche schlecht geschlafen hat, sich also durchschnittlich nach fast jeder zweiten Nacht morgens unausgeschlafen und zu wenig erholt fühlt.    

Hypnose hat sich vor allem bei der sog. „Primären Schlafstörung“ und bei den seelisch bzw. psychisch bedingten Schlafstörungen als eine sehr wirksame Behandlungsmethode erwiesen. Wenn Schlafstörungen Folge einer körperlichen Erkrankung sind, kann eine Hypnosebehandlung als Begleitmaßnahme hilfreich sein. Das gilt auch für solche Schlafstörungen, die sich bei vielen Frauen in den Wechseljahren bemerkbar machen und durch die während dieser Lebensphase stattfindenden hormonellen Veränderungen bedingt sind.

 

Warum ist Hypnose besonders gut wirksam bei Schlafstörungen?

 

Unter Hypnose befinden wir uns in einem besonderen Bewusstseinszustand, einen Zustand, den wir als Trance bezeichnen. In Trance sein bedeutet, sich in einem traumartigen Zustand zu befinden, bei dem gleichzeitig ein Teil in uns wach bleibt. Das erste Trancestadium am Beginn einer Hypnose weist sehr viele Ähnlichkeiten mit der Einschlafphase auf, also mit der Übergangsphase vom Wachsein zum Schlafen. Man weiß heute, dass uns in dieser Einschlafphase traumähnliche, unterbewusste „innere Filme“ in den Schlaf begleiten. Wir werden sozusagen von inneren Bildern in den Schlaf getragen. Das passiert vor allem dann, wenn wir die Dinge einfach so geschehen lassen, und unsere Gedanken fließen dann ruhig vor sich hin, wie Wasser, das in einem gemächlich dahin fließenden Fluss weiter und weiter strömt.  Und genau dazu werden wir unter Hypnose eingeladen, in diese andere, in diese ganz besondere Gedanken- und Bilderwelt einzutauchen.

 

Ein Schweizer Forschungsteam hat bestimmte innere Bilder, die unter Hypnose entstehen, genauer untersucht. Bei diesen Bildern handelte es sich um die Vorstellung, einem Fisch oder einem Delphin, der im Meer schwimmt, zu folgen und ihn beim Abtauchen in die Tiefen des Meeres zu begleiten, sich also vorzustellen, diesem Fisch oder Delfin hinterher zu tauchen. Die Schweizer Forscher konnten nachweisen, dass durch eine einmalige Hypnose dieser Art sich der Tiefschlafanteil des Nachtschlafs deutlich erhöht, dass sich somit durch Hypnose die Erholungsqualität des Nachtschlafs erheblich verbessern lässt.

 

Einer der wichtigsten Faktoren, nicht schlafen zu können, sind grüblerische Gedanken im Bett. Grüblerische Gedanken sind Gedanken, die ständig um irgendein Thema kreisen, Gedanken, die immer gleich sind, die zu keiner Lösung führen und die uns vom Entspannen, vom Loslassen abhalten. Menschen, die unter einer schlafverhindernden Grübelneigung leiden, sagen dann häufig: sobald ich im Bett liege, kann ich einfach nicht abschalten.

 

Wenn wir das mit dem Gedanken Abschalten genauer betrachten, müssen wir feststellen: Unsere Gedanken abschalten kann nur der Schlaf selbst. Was wir aber können, ist, unsere Gedanken umzuschalten, sie in eine andere, wohltuende Richtung zu lenken, zum Beispiel, indem wir an einen Ort denken, an dem wir uns richtig wohlfühlen, an dem wir uns herrlich entspannen können, ins Dösen kommen, vielleicht sogar ein angenehmes, kleines Nickerchen machen. Wir können unsere Gedanken also darauf richten, was wir an diesem paradiesischen Ort sehen, welche Geräusche es dort zu hören gibt und was wir körperlich spüren, wenn wir uns vorstellen, an diesem Ort zu sein.  Unter Hypnose können wir genau das lernen, unsere Gedanken in eine Richtung strömen lassen, die gut tut, die uns und den Organismus zum Schlafen einlädt.

 

Wie viele Hypnose-Sitzungen sind in der Regel erforderlich, um wieder gut schlafen zu können?

 

Bei Schlafstörungen kann in vielen Fällen schon durch sechs bis acht Hypnose-Sitzungen eine deutliche Verbesserung erzielt werden. Das gilt vor allem für solche Schlafstörungen, die ohne eine bestimmte psychische bzw. seelische Ursache oder organische Erkrankung auftreten.

 

Wenn allerdings eine schon länger bestehende seelische Belastung Ursache der Schlafprobleme ist, beispielsweise eine schon lange anhaltende Unzufriedenheit in der Partnerschaft oder eine andauernde berufliche Überforderung, dann ist in der Regel eine längere Therapie erforderlich, um den Schlaf nachhaltig zu verbessern. Das gilt auch für Schlafstörungen, die im Rahmen einer depressiven Erkrankung bestehen.

 

Was sind die Besonderheiten von Hypnose bzw. Hypnotherapie im Unterschied zur Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen?

 

Moderne Hypnotherapie arbeitet u.a. mit bestimmten schlaffördernden inneren Bildern, die der Patient sich abends im Bett wiederaufrufen kann, um besser einschlafen zu können oder die beim Wachwerden in der Nacht das Wiedereinschlafen leichter zu machen.

 

Einen besonderen Stellenwert nehmen in der Hypnotherapie Geschichten und Erzählungen ein, die auf die persönlichen Gegebenheiten des Patienten zugeschnitten sind und ihm auf einer indirekten, unterbewusste Ebene zu mehr Gelassenheit verhelfen, seine Zuversicht, sein Vertrauen in sich selbst stärken.

 

Was Hypnotherapie aber am meisten auszeichnet, ist, dass der Therapeut, die Therapeutin den Patienten in einen veränderten Bewusstseinszustand begleitet, den wir als Trance bezeichnen. Die allermeisten Menschen erleben den Trancezustand als eine besonders angenehme, entlastende und hilfreiche Erfahrung.

 

Die Arbeit mit einem veränderten Bewusstseinszustand, der Einsatz bestimmter innerer Bilder und die Verwendung passender Geschichten unterscheidet die Hypnotherapie von anderen Therapieformen, vor allem auch von der Verhaltenstherapie. Dies zeigt sich gerade auch in der Behandlung von Schlafstörungen. Verhaltenstherapie konzentriert sich dabei auf schlaffeindliche Verhaltensweisen und versucht, zu einer schlaffreundlichen Lebensweise anzuregen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Schlafhygiene. Dieser verhaltenstherapeutische Ansatz lässt sich sehr gut mit hypnotherapeutischen Methoden kombinieren. Viele Therapeuten, die über eine hypnotherapeutische Ausbildung verfügen, setzen in ihrer Praxis eine sehr effektive Kombination von Verhaltens- und Hypnotherapie ein.

 

 

AUTOR

DR. MED. HEINZ-WILHELM GÖßLING
DR. MED. HEINZ-WILHELM GÖßLING Facharzt für Neurologie, Psychiatrie & Psychotherapie
  • 2003 bis 2016: Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Hannover-Langenhagen
  • Ausbilder der M.E.G. für Klinische Hypnose
  • Leiter der M.E.G.-Regionalstelle Göttingen-Hannover
  • Mitglied des Vorstands der M.E.G.
  • Autor mehrerer Bücher

M.E.G. Göttingen-Hannover M.E.G. Hypnose

„Schon eine einmalige Hypnoseanleitung kann den Tiefschlafanteil des Nachtschlafs erhöhen und dadurch die Erholungsqualität des Schlafs verbessern…“

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