Keine Konzentration? Warum übliche Versuche, sich zu konzentrieren, nicht klappen.

Keine Konzentration kenne ich nicht. Warum? Okay. Ich gebe es zu: Ich kenne dieses Gefühl:

Vor einer Aufgabe zu sitzen und sich konzentrieren zu wollen.

Gedanken und Erinnerungen kommen und gehen.

Manchmal hilflos zu sein, weil die Aufmerksamkeit ständig von der Master-Arbeit abschweift.

Doch keine Konzentration? Das kenne ich nicht. In solchen Situationen bin ich sogar höchst konzentriert. Meistens auf Dinge wie: Blumen gießen, Zimmer aufräumen, essen und in schönen Erinnerungen schwelgen.

Die Konzentration ist da. Offensichtlich sind sich nur mein bewusstes Denken und mein Unbewusstes nicht einig, wofür die Konzentration eingesetzt werden sollte.

Wie zwei Pferde eines Fuhrwagens, die den Wagen in zwei völlig verschiedene Richtungen ziehen, während der Kutscher machtlos zusieht.

Der übliche Lösungsversuch ist, eines der Pferde stärker anzutreiben. Wir schlagen mit der Peitsche auf das Pferd (uns) ein. Verbissen versuchen wir, uns doch noch auf die Aufgabe zu konzentrieren.

„Es muss doch irgendwie gehen… ARGH…“

Doch es klappt nicht. Deine Aufmerksamkeit schweift ab… ja wohin schweift sie ab?

Ich glaube, es ist kein Zufall, worauf sich deine Aufmerksamkeit (wie von selbst?) richtet. Mehr noch: Es ist eine wertvolle Information darüber, was du brauchst.

Die Lösung, die ich dir in diesem Artikel vorschlage, ist nicht, dich durchzukämpfen, sondern einmal auf die Pferde zu hören. Was brauchen diese? Was brauchst du?

Fehlt dir vielleicht der Sinnbezug in dem, was du machst?

Oder hast du dich in den letzten Tagen zu wenig entspannt?

Konzentriere dich darauf, deine Bedürfnisse auszubalancieren und beobachte, ob deine Pferde den Karren dann in die gewünschte Richtung ziehen.

Fehlende Konzentration ist keine Willensschwäche. Sie ist ein Fehlmanagement deiner Bedürfnisse, Sehnsüchte und Visionen. Du machst etwas, was du eigentlich gar nicht machen willst. Oder du vernachlässigst wichtige Bedürfnisse und Signale.

  • Hast du dein Thema für deine Master-Arbeit gewählt, weil deine Professorin es gutheißt? Oder, weil du dich genuin dafür interessierst?
  • Vielleicht hast du dich aber auch zu wenig erholt. Du kannst Außergewöhnliches leisten, wenn die „Bedrohung“ oder Motivation groß genug ist. Ist sie aber weder bedrohlich noch vielversprechend, brauchst du regelmäßige Erholungsphasen von deiner Aufgabe.

Es kann auch sein, dass du vergessen hast, wofür du etwas machst. In diesem Fall halte inne und betreibe etwas Marketing für die anstehende Aufgabe. Was sind meine Vorteile, wenn ich diese Aufgabe jetzt mache? Was sind die Konsequenzen, wenn ich die Aufgabe nicht mache?

Autor: Raphael Kolic

Raphael bloggt seit Mitte 2018 für die Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose. Er macht gerade selbst die Ausbildung zum Psychotherapeuten. In Heidelberg, Wien und Hamburg hat er das Curriculum klinische Hypnose als Praktikant durchlaufen. Ein paar seiner vergangenen Projekte sind unter anderem der Blog no-right-no-wrong.com und sein Buch: Achtsame Selbsthypnose.

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