Was ist Hypnotherapie nach Milton H. Erickson?

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich mich für Hypnotherapie interessiere, ziehen sich zunächst ihre Augenbrauen zusammen: „Macht man da ,richtige’ Hypnose?”

In ihrer Reaktion spüre ich eine gewisse Skepsis. Was sie vor ihrem inneren Auge sehen, sind Menschen, die die Kontrolle verlieren, die dazu gebracht werden, etwas Peinliches zu tun, und davon gar nichts mitbekommen.

Doch all das hat mit Hypnotherapie wenig zu tun. Unser Bild von Hypnose ist vor allem durch zahlreiche Bühnenhypnose-Shows geprägt, in denen scheinbar genau das passiert:

  • Menschen verlieren die Kontrolle.
  • Sie tun peinliche Dinge, die sie gar nicht tun wollen.
  • Und sie erinnern sich danach nicht mehr daran.

Doch der Schein trügt. Viele dieser Phänomene können einfach erklärt werden und haben oftmals mehr mit der sozialen Dynamik als mit Hypnose zu tun. In der Hypnotherapie geht man von einem ganz anderen Bild der Hypnose aus:

  • Menschen werden ermächtigt — sie gewinnen an Kontrolle.
  • Sie werden kreativer und finden neue Möglichkeiten.
  • Sie haben volle Kontrolle darüber, was sie sagen und tun.

Hypnotherapie hat also nichts mit Bühnenhypnose zu tun. Vielmehr ist es eine wissenschaftlich fundierte Psychotherapieform (mit langer Tradition), die Klienten hilft, ihre Ziele zu erreichen und eigene Kräfte zu mobilisieren.

Dieser Artikel soll dir eine grundlegende Übersicht über die Hypnotherapie, ihre Therapieprinzipien und ihr Menschenbild geben. Weiterhin kannst du hier mehr über die Unterschiede zu anderen Psychotherapierichtungen erfahren.

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Was ist Hypnotherapie?

Hypnotherapie ist womöglich eine der ältesten Psychotherapieformen. Hypnotische Heilrituale lassen sich schon bis zur frühen Geschichte der Menschheit zurückverfolgen.

Die moderne Hypnotherapie nach Milton Erickson ist lösungs- und ressourcenorientiert. Trancearbeit, also die Arbeit mit unbewussten und unwillkürlichen Anteilen, soll die Klientin beim Erreichen ihrer Ziele unterstützen und ihre Ressourcen (also hilfreiche Fähigkeiten, Erinnerungen und Erfahrungen) aktivieren.

Einige Anwendungsbeispiele sind:

  • Ich will in einer Situation meine beste Leistung abrufen können und bereite mich darauf mit Hypnotherapie, Hypnose oder mentalem Training vor.
  • Ich möchte mit körperlichen Empfindungen (Schmerz, Krankheit etc.) besser umgehen können.
  • Ich möchte unbewusste Muster ändern. Einerseits will ich bewusst X (Rauchen) aufhören, andererseits greife ich wie von allein immer wieder zur Zigarette. Ich will das eine, tue aber das andere.

Bei Erkrankungen nach der ICD-10 wird Hypnotherapie unter anderem angewandt bei: Verhaltensstörungen (Rauchen, Alkohol, Sucht, Übergewicht, sexuellen Störungen), Depression, Angst, Zwängen, Psychosomatik (unter anderem Reizdarmsyndrom), Schmerz und als zusätzliche Unterstützung bei organischen Erkrankungen (Krebs, Immunerkrankungen, in der Chirurgie).

Ein mögliches Anwendungsgebiet für Hypnotherapie: übermäßiger Schokoladenkonsum.

Das Wort Hypnose steckt zwar im Wortlaut Hypnotherapie, dies bedeutet aber nicht, dass in jeder Hypnotherapie auch eine formale Hypnose stattfindet. Es gibt eine große Zahl an Methoden, die auch ohne formale Hypnose auskommen, da sie selbst oft leichte Trancen auslösen.

Einige übliche Methoden in der Hypnotherapie sind therapeutische Geschichten, Metaphern, Reframings, Reorientierung in der Zeit (Aufarbeitung der Vergangenheit bzw. Imagination einer möglichen Zukunft) und Stellvertretertechniken.

Vielleicht noch grundlegender als die unterschiedlichen Methoden sind die Therapieprinzipien Ericksons:

Therapieprinzipien in der Hypnotherapie

Utilisation: Der Therapeut nutzt das Weltbild, die Ziele, die Sprache, die Probleme und die Bilder des Klienten für den Therapieprozess. Er passt seine Sprache an die Sprache des Klienten an und nutzt dessen Weltbild, um Veränderung zu erleichtern. Hindernisse werden umgedeutet, wie in dieser kurzen Geschichte zu sehen ist:

Eine Frau mit einer großen Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen kam zu Erickson in Therapie. Sie beklagte sich, dass die Zahnlücke hässlich aussehe. Außerdem gab es einen Arbeitskollegen, der ihr gefiel, der sie in ihrer Wahrnehmung aber nicht beachtete. Erickson trug ihr auf, in der Badewanne zu üben, durch ihre Zahnlücke treffsicher Wasser zu spritzen. Als sie in der nächsten Sitzung einen Wasserstrahl treffsicher platzieren konnte, gab ihr Erickson eine paradoxe Aufgabe: Wenn sie ihren Arbeitskollegen das nächste Mal am Gang beim Wassertrinkbrunnen trifft, soll sie ihn durch ihre Zahnlücke hindurch anspritzen und dann weglaufen.

Nach dieser Sitzung hörte Erickson nichts mehr von dieser Frau. Er stellte einige Nachforschungen an und fand heraus, dass die Frau seine Aufgabe durchgeführt hatte. Zunächst war ihr Kollege etwas irritiert und überrascht. Weil die Frau weglief, suchte er sie später auf und sprach sie auf den Wasserspritzer an. Sie kamen ins Gespräch, und die Frau erzählte ihm, dass sie in psychotherapeutischer Behandlung sei und der Therapeut verrückte Ideen habe. Die beiden begannen sich regelmäßig zu treffen und heirateten irgendwann. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. 😉

Mithilfe einer kleinen Umdeutung und Änderung hat Erickson ein Hindernis in eine Ressource für die Ziele seiner Klientin verwandelt. Er hat ihr größtes Problem genutzt, um ihr zu helfen, ihr Ziel zu erreichen.

Minimale strategische Veränderung: Die Geschichte oben veranschaulicht auch dieses Prinzip. Durch eine kleine strategische Änderung wurde das Muster zwischen dem schüchternen Arbeitskollegen und der Arbeitskollegin durchbrochen.

Destabilisierung: Gemeint ist damit, den Klienten etwas zu verwirren, wenn dieser gerade in destruktiven Gedankenmustern absorbiert ist. Das Ziel dieser Verwirrung ist, die eingefahrenen, teilweise destruktiven Muster zu durchbrechen, kreative Problemlösungen anzustoßen und es zu erleichtern, neue Informationen und Perspektiven aufzunehmen.

Beiläufigkeit: Viele Suggestionen gibt man in der Hypnotherapie beiläufig im Gespräch durch Metaphern oder therapeutische Geschichten. Die Annahme dahinter ist, dass die Suggestionen auch dann aufgenommen werden können, wenn sie bewusst nicht registriert werden. Ich kann beispielsweise beiläufig Empathie geben: „Und in dieser Situation war niemand, der gesagt hätte: ,Du bist in Ordnung, so wie du bist.’” Was ich eigentlich sage, ist: „Du bist in Ordnung, so wie du bist.” Indem ich es indirekt sage, kann es vom Klienten leichter angenommen werden, als wenn ich ihm direkt sage: „Du bist in Ordnung, so wie du bist.” Sollte eine Suggestion nicht stimmig sein, dann braucht sie der Klient auch nicht anzunehmen. Das ist das Schöne an indirekten Formulierungen: Es gibt kein Richtig und kein Falsch, das Unbewusste der Klienten pickt sich heraus, was gerade für die Person hilfreich ist.

Bahnung oder Priming: Die Richtung meiner Aufmerksamkeit erzeugt von Moment zu Moment mein Erleben. Worauf meine Aufmerksamkeit im Moment gerichtet ist, hat also Auswirkungen auf meine Gefühle, meine Gedanken, meine Stimmung etc. In Hypnose bahnen wir hilfreiche emotionale Zustände, indem wir die Aufmerksamkeit auf damit verbundene Assoziationen lenken: Wie ist meine Körperhaltung, wenn ich selbstsicher auftrete? Wie atme ich, wenn ich in meiner Mitte bin? Bahnen kann ganz direkt passieren, bspw. durch Embodiment (bewusstes Einnehmen einer anderen Körperhaltung), aber auch indirekt, indem im Gespräch beiläufig Suggestionen, Bilder etc. erwähnt werden, die es dem Klienten erleichtern sollen, kreative Lösungen zu finden.

was ist hypnotherapie

Körperhaltung und Gefühle beeinflussen einander. Oder wie Dr. Gunther Schmidt sagt: Wie es einem geht, so geht man. Und wie man geht, so geht es einem.

Erschließen von Ressourcen: Eine wesentliche Annahme der Hypnotherapie ist, dass jeder Mensch in sich die nötigen Ressourcen hat, um seine Herausforderungen zu lösen. Jedoch haben viele im Problemkontext noch nicht die Möglichkeit erworben, diese Ressourcen abzurufen. Die Aufgabe in der Hypnotherapie ist, die Ressourcen ausfindig und im Problemkontext zugänglich zu machen.

Rekonstruktion: Belastende Erinnerungen oder Lebenserfahrungen können in Hypnose durch fiktive Ergänzungen abgemildert oder sogar neutralisiert werden. Die Annahme dahinter ist, dass unser Gehirn schwer zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden kann. Indem Ressourcen in belastende Lebenserfahrungen eingefügt werden, wird Erleichterung geschaffen.

Reorientierung in der Zeit: Anstatt zu versuchen, ein Problem in der Gegenwart zu lösen, kann es hilfreich sein, imaginativ in die Vergangenheit oder Zukunft zu reisen. Indem man die Perspektive eines vergangenen Ichs bzw. zukünftigen Ichs einnimmt, können neue, kreative Lösungswege gefunden werden.

Schutz des Unbewussten: Die Lösungen, die in Trance gefunden werden, können manchmal irrational, schmerzlich oder schwer anzunehmen sein. Erickson war daher der Ansicht, dass es manchmal notwendig ist, das Unbewusste durch Ablenkung oder Amnesie (Vergessen) vor einem allzu rigiden Denken zu schützen. Dieser Ansatz ist in der modernen Hypnotherapie allerdings umstritten. Es gibt Hypnotherapeuten, die für eine hundertprozentige Transparenz eintreten, und andere, die die Ansicht Ericksons teilen.

Zusätzlich zu den Methoden und Prinzipien einer Therapieform liegt jeder dieser Therapieformen auch ein bestimmtes Menschenbild zugrunde. Damit sind generelle Annahmen über den Menschen gemeint. Was wollen Menschen im Leben? Woher rührt krankhaftes oder „böses” Verhalten? etc. All das sind Fragen, die das Menschenbild zu beantworten versucht. Die Annahmen über den Menschen, die das Fundament der Ericksonschen Hypnose bilden, unterscheiden sich wesentlich von denen der traditionellen Hypnose. Unter anderem liegt das an Milton Ericksons Lebensgeschichte.

Was sind also die Annahmen, auf denen die moderne Hypnotherapie aufbaut?

Positives Menschenbild: In der Hypnotherapie wird weniger Aufmerksamkeit auf die vermeintliche Störung oder Diagnose gelegt. Vielmehr geht es darum, Potenziale und Ressourcen zu fördern. Störungen sind keine Defekte, sondern Besonderheiten, die in ihrem Muster verändert werden sollten. Für Erickson hat jeder Mensch einen unerschöpflichen Erfahrungsschatz, um Herausforderungen zu bewältigen. Eine Störung ist dabei häufig durch rigide Denk-, Emotions- und Verhaltensmuster geprägt, die durch eine Trance aufgebrochen werden können.

Individualität: Der Großteil der Psychotherapieformen versucht, allgemeine Gesetzmäßigkeiten über den Menschen, seine Motivation und sein Verhalten aufzustellen. Diese Gesetzmäßigkeiten sollen einerseits passendes therapeutisches Handeln erleichtern und dienen andererseits dem wissenschaftlichen Ziel, allgemeingültiges und übertragbares Wissen zu finden. Im Gegensatz dazu war es Ericksons Ziel, der Einzigartigkeit jedes Menschen gerecht zu werden.

Jeder Mensch ist ein Individuum. Die Psychotherapie sollte deshalb so definiert werden, dass sie der Einzigartigkeit der Bedürfnisse eines Individuums gerecht wird, statt den Menschen so zurechtzustutzen, dass er in das Prokrustesbett einer hypothetischen Theorie vom menschlichen Verhalten passt. 
Milton H. Erickson, 1979

Veränderungsoptimismus: Erickson ging davon aus, dass Menschen bis ins hohe Alter lern- und entwicklungsfähig sind. Die Aufgabe des Psychotherapeuten ist es, der Person zu einer kongruenten Lebensweise zu verhelfen und rigide Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen.

Das Unbewusste als Ressource: Während Sigmund Freud das Unbewusste als eine Art dunkle Orgie mit viel Sex, Drugs und Rock’n’Roll beschrieb, war das Unbewusste für Erickson ein Lagerhaus mit reichen Schätzen. Die Schätze bestehen aus den Erfahrungen, die ein Mensch im Leben so macht. Diese sind für Erickson prinzipiell wertneutral und können für Veränderung nützlich sein. Der Grund für Probleme und Störungen sind weniger das Unbewusste und die Erfahrungen, sondern starre und rigide Denk- und Interpretationsmuster.

Das Unbewusste: eine dunkle Orgie?

Oder eine Schatzkammer?

Natürlichkeit der Trance-Erfahrung: Für Erickson war Trance ein natürlicher, alltäglicher Prozess. Jeder kennt ihn und jeder ist mehrmals täglich in tranceartigen Zuständen.

Trance-Phänomene umfassen unter anderem Tagträume oder das Abtauchen in einen Film, ein Buch oder ein intensives Gespräch. Typische Merkmale einer Trance sind der intensive Fokus auf einen Gegenstand, eine verzerrte Zeitwahrnehmung und geringe Störbarkeit. Erickson knüpfte oft an alltägliche Trance-Erfahrungen an, um seinen Klienten einen leichteren Zugang zur Trance zu ermöglichen.

Was unterscheidet die Hypnotherapie von anderen Psychotherapieformen?

Tiefenpsychologie:

Was Tiefenpsychologie und Hypnotherapie verbindet, ist das Konzept des Unbewussten. Hypnotherapie versteht darunter allerdings nicht einen Ort, an den Ängste, Neurosen und unangenehme Gedanken hinverdrängt werden, die wieder bewusst gemacht werden müssen. Vielmehr wird das Unbewusste einerseits als biologischer Mechanismus gesehen, der wichtige autonome Prozesse übernimmt (Atmen, Erinnern, spontane Einfälle…), und andererseits als Erfahrungsschatz, auf den wir mal mehr, mal weniger gut zugreifen können.

Erinnern, Vergessen, Assoziieren und Dissoziieren werden in der Hypnotherapie als gleichwertig betrachtet — es wird also nicht rein aufdeckend gearbeitet. Übertragung wird in der Hypnotherapie genutzt, um den Klienten zu Verhaltensveränderungen zu motivieren. Widerstand wird in der Hypnotherapie nicht als notwendig, sondern als Ungeschicklichkeit des Therapeuten gedeutet, dem es nicht ganz gelungen ist, die Möglichkeiten des Klienten zu „nutzen oder aktivieren”.

Verhaltenstherapie:

Die Hypnotherapie und die Verhaltenstherapie haben gemeinsam, dass beide stark erfahrungsorientiert arbeiten. Beide Verfahren zielen darauf ab, zuvor vereinbarte Ziele zu erreichen. Die Verhaltenstherapie versucht dies auf einer kognitiven, rationalen Ebene zu schaffen. Für jede Störung gibt es ein Manual, das helfen soll, irrationale Gedanken und Interpretationsmuster umzustrukturieren. Anstelle einer rationalen Herangehensweise verwendet die Hypnotherapie bildliche Reframings, anstelle von kognitiven Argumenten werden Metaphern und Geschichten genutzt, anstelle von Verhaltensplänen Imaginationen etc.

Zusammengefasst nutzt man in der Hypnotherapie mehr die unwillkürlichen Denkprozesse und körperlichen Reaktionen, während sich die Verhaltenstherapie auf verbal-explizite Prozesse stützt.

Humanistische Therapieformen:

Personenzentrierte Therapie, Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie, Transaktionsanalyse und andere verwandte Verfahren legen die Therapie als Wachstumsprozess aus, in dem sich der Klient entfalten kann. Die therapeutische Beziehung steht im Vordergrund. Es soll durch ein emotional gesundes Klima Raum zur Selbstentfaltung geboten werden. Die Annahmen über die positive Grundstruktur und die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen teilt auch die Hypnotherapie. Aber im Gegensatz zu den humanistischen Schulen baut die Hypnotherapie nicht auf Selbstheilung allein, sondern greift systematisch in den Veränderungsprozess ein, bspw. durch Minimalveränderungen, suggerierte Musterunterbrechungen, Umdeutung sowie andere Interventionen.

Systemische Therapie:

In der systemischen Therapie geht es um systematische Einflussnahme auf ein Individuum im Kontext der Systeme, in denen sich das Individuum bewegt. Einige Beispiele für solche Systeme sind Familie, Arbeit, Freunde, Gesellschaft etc. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die impliziten/unbewussten Regeln zwischen den einzelnen Mitgliedern eines Systems. Die systemische Therapie hat von Milton Erickson stark profitiert und einige seiner Prinzipien übernommen. Unter anderem die Utilisation, das strategische Vorgehen und die Musterunterbrechungen. Die Hypnotherapie befasst sich dagegen erstrangig mit der systematischen Einflussnahme auf das innere System der Person: ihre Gedanken, Gefühle, Verhaltensmuster etc.

Abschließend kann man zur Hypnotherapie im Vergleich zu anderen Therapierichtungen sagen, dass sich diese keiner Richtung ganz zuordnen lässt. Sie ist aber mit anderen Psychotherapierichtungen gut kombinierbar. Erstens weil die Hypnotherapie darauf abzielt, den Klientinnen und Klienten maßgeschneiderte Angebote zu machen. Zweitens bist du als HypnotherapeutIn dazu eingeladen, einen eigenen Stil zu entwickeln — es steht dir also offen, wie du Hypnotherapie einbindest. Aus diesen Gründen versteht sich die Hypnotherapie als ein integrativer Ansatz.

Ein Unterschied zu allen anderen Formen ist, dass in der Hypnotherapie veränderte Bewusstseinszustände (Trance) genutzt werden. Außerdem wird aus diesem Grund die klassische Hypnotherapie selten in Gruppensettings eingesetzt.

Mittlerweile gibt es immer mehr Überschneidungen mit anderen Psychotherapierichtungen: Manche integrieren hypnotherapeutische Elemente in neuere Ansätze (Schematherapie, Verhaltenstherapie), andere arbeiten schon immer damit, wie z. B. das Katathyme Bilderleben (Tiefenpsychologie).

Hypnotherapie und Wissenschaft

Seit 2006 ist Hypnotherapie in Deutschland ein wissenschaftlich anerkanntes therapeutisches Verfahren. Um Hypnotherapeut zu werden, muss man als Psychotherapeut in Deutschland eine Reihe an Fortbildungen und Supervisionen besuchen. In Österreich kann man sich auch im Fachspezifikum (2. Teil der Psychotherapieausbildung) als Hypnotherapeut ausbilden lassen.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Hypnotherapie gibt es mittlerweile einige:

  • Ausreichend belegt ist die Wirksamkeit bei der Schmerzbehandlung: Kopfschmerz, Migräne, Krebsschmerz, Schmerzen bei medizinischen Eingriffen. Außerdem bei der Raucherentwöhnung und psychosomatischen Beschwerden. In diesen Bereichen schafft Hypnose wirksame Abhilfe.
  • Etwas mehr Forschung braucht es noch für „psychische Störungen”, wie sie bspw. in der ICD-10 definiert sind. Auch hier gibt es schon einige Belege, aber es werden noch mehr benötigt, um die wissenschaftliche Anerkennung z. B. auch für die Wirksamkeit in der Behandlung von Depressionen und Ängsten zu erlangen. Es ist wissenschaftlich eine Herausforderung, gute, kontrollierte Studien zu entwerfen, die nicht verzerrt sind und die die Wirksamkeit auch eindeutig messen. Solche Studien sind zeitlich und finanziell sehr aufwendig, da sie eine Langzeitbehandlung und ein komplexes Studiendesign erfordern (Maria Hagl, Wirksamkeit Hypnotherapie).

Fazit

Hypnotherapie ist eine wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieform. In der Hypnotherapie werden Trancephänomene genutzt, um Menschen beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen. Jede Störung ist in Augen der Hypnotherapie ein Lösungsversuch unter extremen Bedingungen. Die Hypnotherapie legt den Fokus auf Ressourcen und Kompetenzen und rückt Defizite und Störungen in den Hintergrund. Alle Menschen sind höchst individuell, und auf ihre Individualität und Bedürfnisse sollte die Therapie zugeschnitten sein.

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Quellen und Literatur:

Hagl, M. (2015). 66. Wirksamkeit von klinischer Hypnose und Hypnotherapie. In D. Revenstorf & B. Peter (Hrsg.), Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin (526). Heidelberg: Srpinger-Verlag.

Revenstorf, D., & Prudlo, U. Wissenswertes zum Thema Hypnose und Hypnotherapie.

Revenstorf, D., & Peter, B. (2015). Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin: Manual für die Praxis. Berlin: Springer-Verlag.

Autor: Raphael Kolic

Raphael bloggt seit Mitte 2018 für die Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose. Er macht gerade selbst die Ausbildung zum Psychotherapeuten. In Heidelberg, Wien und Hamburg hat er das Curriculum Klinische Hypnose als Praktikant durchlaufen. Ein paar seiner vergangenen Projekte sind unter anderem der Blog no-right-no-wrong.com und sein Buch: Achtsame Selbsthypnose.

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