Hypnose in Filmen. Was ist dran und was nicht? 🎬🍿

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So beginnt eine der gruseligsten Hypnose-Szenen im renommierten Film „Get Out“.

TatsĂ€chlich möchte ich Dich mitnehmen auf eine Reise durch die Inszenierungen von Hypnose in Filmen. Welche Rolle wurde der Hypnose zugeteilt? Welche Ängste bedient sie in den Fantasien der Zuschauer*innen? Wie realistisch ist die Darstellung? Was haben diese Szenen mit der Hypnose in einer Therapie noch gemeinsam?

Die Filme habe ich ĂŒbrigens nicht nach deren QualitĂ€t, sondern eher nach ihrem Bekanntheitsgrad und ihrer Reichweite ausgesucht. Denn diese Filme beeinflussen das kollektive VerstĂ€ndnis ĂŒber Hypnose. Zumindest das in der westlichen Welt. Außerdem habe ich darauf geachtet, möglichst diejenigen Filme auszusuchen, zu welchen die besprochenen Hypnose-Szenen auch im Internet zu finden sind.

Es wird um Hypnose in Horrorfilmen, Thrillern, Komödien, bei Disney und in anderen Filmen gehen. Ein Fazit soll die Verwendung in allen besprochenen Filmen zusammenfassen und der Hypnose in seriösen therapeutischen Praxen gegenĂŒberstellen.

Du findest also im Folgenden viele Videos und grĂŒn unterlegte Abschnitte, in denen ich die Filmszenen kurz zusammenfasse und in den Kontext der Filmhandlung einfĂŒge. Wenn Du den entsprechenden Film kennst oder Dir das Video ausreicht, kannst Du ruhig die Inhaltszusammenfassungen ĂŒberspringen, um Zeit zu sparen.

Hypnose in Horrorfilmen đŸ‘» 🧟

Kommen wir zunĂ€chst zurĂŒck zu „Get Out“ (2017) – nominiert fĂŒr den besten Film bei der Oscarverleihung 2018 und mit Auszeichnung fĂŒr die beste Regie fĂŒr Jordan Peele.

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Inhaltszusammenfassung "Get Out"

Chris Washington, ein schwarzer Fotograf, ist zu Besuch bei den Eltern seiner weißen Freundin. In der Nacht geht er vors Haus, um zu rauchen. Als er wieder zurĂŒckkommt, sitzt dort im Wohnzimmer die Mutter der Freundin, Missy, eine Psychiaterin und Hypnotherapeutin. Sie lĂ€dt ihn wie oben beschrieben ein, sich zu ihr zu setzen. Nach den ersten paar SĂ€tzen möchte man als Zuschauer*in schon am liebsten „Get out!“ schreien.

Missy lenkt das Thema auf Hypnotherapie und fĂ€hrt ungefragt damit fort, Chris in eine hypnotische Induktion einzulullen. Sehr geschickt erzĂ€hlt sie, dass man in der Hypnotherapie hĂ€ufig die Blickfixation nutzt, um in die Hypnose einzusteigen, in einen Zustand erhöhter SuggestibilitĂ€t. Dabei fĂ€hrt sie fort, in ihrer Teetasse zu rĂŒhren und lenkt auch seinen Blick auf diese rhythmische Bewegung hin.

Missy vermittelt ihm den Wunsch, das Rauchen aufzugeben. Sie rechtfertigt ihre Offensive damit, nun mal die Mutter zu sein. Dann fragt sie ihn nach seiner Mutter, wo er war, als sie starb. Chris möchte zunĂ€chst nicht darĂŒber reden, fĂŒgt sich dann dennoch. Missy wechselt mit ihren Fragen ins PrĂ€sens und spricht seine Sinne an („Was hörst du?“), um die Absorption noch zu verstĂ€rken.

Chris gelingt es leicht, sich in die Situation von damals zu versetzen, und er muss sofort mit den TrĂ€nen kĂ€mpfen. Ein paar Fragen spĂ€ter merkt er, dass er paralysiert ist, jedenfalls nicht aufstehen kann. Missy braucht nur noch zu sagen: „Nun sinke in den Boden. Sinke.“ Chris fĂ€llt schwerelos und tief in einen schwarzen weiten Raum. Seine in der Tat bodenlose Todesfurcht steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Am nÀchsten Tag glaubt er, schlecht getrÀumt zu haben.

Als Chris von den perfiden, kranken PlĂ€nen dieser Familie erfĂ€hrt und fliehen möchte, stellt sich heraus, dass Missy das GerĂ€usch des Löffels in der Teetasse mit diesem GefĂŒhl der Panik und Paralyse konditioniert hat, und es dazu nutzen kann, Chris abermals zu paralysieren.

Was ist dran an der Hypnoseszene? Die monotone Wiederholung der Löffelbewegung und der klirrende Klang des Löffels an der Tasse könnten in der Tat leicht hypnotisch wirken. Missys ErklÀrung mit der Blickfixation stimmt.

Missy stellt es auch geschickt an, seine Imagination anzuregen, indem er sich an ein reales Ereignis erinnern soll. Es geschieht so nebenbei. Im Englischen gibt es dafĂŒr den Begriff: conversational hypnosis. Konversationshypnose, ein hypnotisches Einlullen als Nebeneffekt eines GesprĂ€chs, war das, worin Milton H. Erickson brillierte.

Besteht diese hypnotische Prozedur den RealitĂ€tstest? Nein. Chris war von Anfang an nicht bereit, an einem therapeutischen und geschweige denn hypnotischen Austausch teilzunehmen. Er wehrte sich nonverbal und ganz ausdrĂŒcklich. Selbst im Kontext der Beziehung der Beiden und der speziellen Situation gibt es kein Szenario in der RealitĂ€t, das Ă€hnlich zum Film verlaufen wĂŒrde.

Auch das GefĂŒhl paralysiert zu sein, entsteht höchstens in einer einvernehmlichen Hypnotherapie-Sitzung. Und dann berichten die Klient*innen stets, dass sie auch das GefĂŒhl hatten, jederzeit selbststĂ€ndig wieder in Bewegung kommen zu können – wobei mir die therapeutische Bedeutung einer suggerierten Paralyse nicht gut schmeckt.

Im Vergleich dazu, wird in â€žEchoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ („Stirs of Echoes“) von 1999 Hypnose aus einem ganz anderen Grund angewendet. Schaut selbst:

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Inhaltszusammenfassung "Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt"

Tom Witzky wird auf einer Party von seiner SchwĂ€gerin zu Unterhaltungszwecken hypnotisiert. Die kreative Induktion funktioniert zwar, nur leider gerĂ€t danach alles außer Kontrolle. Tom sieht wĂ€hrend der Hypnose erschreckende Bilder vor seinem inneren Auge. Er wacht schweißgebadet und tief verunsichert wieder auf.

FĂŒr die anderen war es faszinierender Spaß. Sie wundern sich darĂŒber, dass auch ein analgetischer Effekt an ihm funktioniert hat. FĂŒr Tom jedoch beginnt ein Leben mit einem Fuß in der Zwischenwelt voller unruhiger Seelen Verstorbener. Sehr gruselig.

Was ist dran an dieser Szene? Ich persönlich fand die hypnotische Induktion anregend formuliert und filmisch kreativ umgesetzt, da man die Wirkung der Suggestionen sozusagen live mitverfolgen kann. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man leicht suggestible Personen auf diese Weise in einen hypnotischen Zustand versetzen kann, vor allem wenn die Bereitschaft wie bei Tom gegeben ist.

Besteht diese hypnotische Prozedur den RealitĂ€tstest? Vielleicht. Das mit den Stimmen aus der Zwischenwelt ist selbstverstĂ€ndlich Quatsch. Dass unangenehme Bilder in einer doch eher verunsichernden Umgebung mit Zuschauer*innen und in der Rolle eines Unterhaltungsobjekts hochkommen können, ist jedoch möglich. Deshalb von mir ĂŒbrigens ein No-No fĂŒr die Showhypnose.

Als letzten Horrorfilm habe ich fĂŒr Dich „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von 1920 herausgesucht. Unter diesem Link findest Du den Film in voller LĂ€nge. Eine bestimmte Hypnose-Szene wird darin nicht gezeigt.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Der Direktor einer Psychiatrie freut sich ĂŒber die Einweisung eines Somnambulen*. Der Direktor nutzt den Somnambulen, um zu erfahren, ob man mittels Hypnose aus ihm ein Mordinstrument machen kann


*Somnambulismus steht ĂŒbrigens heutzutage einfach fĂŒr einen schlafwandelnden Menschen. FrĂŒher war damit eher ein Zustand gemeint, wie er nach induzierter Hypnose auftritt – oder ein dauernder, schlafartiger Zustand, in welchem anscheinend hohe SuggestibilitĂ€t gegeben ist.

Was ist dran? Nichts. Nada. Vollkommen unrealistisch. Vielleicht hast Du zwar eine fragwĂŒrdige Netflix-Show gesehen, die dem augenscheinlich widerspricht, aber das wĂ€re ein Blogartikel fĂŒr sich.

Hypnose in Thrillern đŸ’„ đŸ”« 😬

In Thrillern wird Hypnose natĂŒrlich auch gern verwendet. Warum? Na weil es sich wunderbar eignet, mit der RealitĂ€t zu spielen!

Vielleicht hast Du den Film „Die Unfassbaren“ („Now You See Me“; 2013) schon mal gesehen. Es geht um eine Gruppe ZauberkĂŒnstler*innen, Illustionist*innen und TrickbetrĂŒger*innen, die auf spektakulĂ€re Weise hohe Geldsummen ergaunern.

 Im folgenden Clip sieht man eine Szene aus dem Beginn des Films, in der die Charaktere mit ihren persönlichen Expertisen in Aktion vorgestellt werden. Einer von ihnen ist spezialisiert auf Hypnose.
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Inhaltszusammenfassung "Die Unfassbaren"

Merritt McKinney, der „Mentalist“ in dieser Trickbande, hypnotisiert eine Frau mit klassischer Sekundentrance: "Schau in meine Augen und 
 schlaf‘! ". Dann schnipst er mit den Fingern, stellt sie wieder senkrecht in einen augenscheinlich wachen Zustand und suggeriert ihr, sich nicht bewegen und nicht sprechen zu können.

WÀhrenddessen enttarnt er die AffÀre des Mannes mit der Schwester der Frau. Dieser Vorgang hat nichts mit Hypnose zu tun, sondern mit dem Lesen seiner Mikromimik (ich wette, dass selbst das nicht ganz realistisch ist). Die Frau bekommt offenbar alles mit, aber Merritt erpresst den Mann mit der Aussicht, es sie vergessen zu machen.

Als er das erpresste Geld bekommen hat, wendet er sich der Frau zu, schnipst mit den Fingern und sagt abermals: "Schlaf‘! Wenn ich mit den Fingern schnipse wirst du dich an nichts mehr von all dem erinnern
“ und zum Mann: “Und du, jedes Mal, wenn du Janet [die AffĂ€re] siehst oder auch nur an sie denkst, wirst du dir mich nackt vorstellen“. Beim Wort „nackt“ klopft er ihm unerwartet auf die Stirn.

Was ist dran an der Hypnoseszene? Nun, so wie ich es verstehe, ist Merritt als Mentalist/Illusionist/ZauberkĂŒnstler von einem Hotel fĂŒr eine Show engagiert worden und macht in dieser Szene Werbung dafĂŒr im Eingangsbereich des Hotels. Das legitimiert den Einsatz von Hypnose schon mal. Das Ehepaar wurde vielleicht von ihm angesprochen oder begab sich freiwillig zu ihm. Jedenfalls kann man annehmen, dass ein gewisses EinverstĂ€ndnis von vornherein gegeben war.

Besteht diese Szene den RealitÀtstest? Sollte die Frau zufÀllig zu den hochhypnotisierbaren Menschen gehören, könnte die Blitzinduktion unter diesen UmstÀnden so funktioniert haben. Die posthypnotische Amnesiesuggestion könnte ebenfalls klappen.

Aber ich bleibe skeptisch, dass die Feststellung, dass mein Mann mich mit meiner Schwester betrĂŒgt, in der Tat keinerlei Spuren hinterlassen wĂŒrde. Außerdem kann die Erinnerung trotz der posthypnotischen Amnesie nach einer gewissen Zeit wiederkommen. Andererseits wissen wir ja nicht, ob diese Suggestion in der Tat funktioniert hat. Könnte ja auch sein, dass Merritt abkassiert hat, ohne sein Versprechen zu halten bzw. halten zu können.

Auch in Teil 2 (Die Unfassbaren; 2016) wendet Merritt Hypnose an, um jemanden dazu zu bringen, ĂŒber ein HörstĂŒck, das er ihm wĂ€hrend der Hypnose ins Ohr steckt, Anweisungen zu befolgen. Eine Analyse dieser Szene findest du hier. Aber fahren wir doch mit einem anderen Thriller fort


„Der Hypnotiseur“ (der Originaltitel auf schwedisch lautet entzĂŒckenderweise „Hypnotisören“; 2012) ist der Vertreterfilm fĂŒr die typische Verwendung von Hypnose als Mittel der AufklĂ€rung eines Verbrechens. Es basiert auf dem gleichnamigen Roman des Autor*innen-Duos mit dem Pseudonym Lars Kepler.

Es wurde ein Mord an einer Familie begangen und der einzige Überlebende ist der Teenager Josef. Es wird ein Arzt und Hypnotiseur (DER Hypnotiseur) ins Spiel gebracht, der den Jungen im Koma mit Hypnose befragen soll, woran er sich zuletzt erinnere.

Die erste Hypnose lĂ€uft am Bett im Krankenhaus wie folgt. Der Arzt sagt zum Jungen im Koma: „Du liegst auf einer Klippe. Es ist ganz warm. Du siehst hoch zu den Wolken. Ich sitze vor dir. Ich bin die ganze Zeit bei dir. Wir springen jetzt ins Wasser. Wir tauchen unter. Ich zĂ€hle jetzt ab 5 rĂŒckwĂ€rts und mit jeder Zahl versinken wir immer tiefer. Und wir fĂŒhlen eine große, große innere Ruhe. Jetzt. 5, 4, 3, 2, 1. Wir sind jetzt bei dir zu Hause, was passiert..?"

Beim Erinnern und Sprechen wird der Junge zu unruhig, so dass der Arzt die Hypnose abbricht, indem er von 1 bis 5 zÀhlt und ihm suggeriert, aufzuwachen. Er wird ihn noch ein zweites Mal hypnotisieren (diesmal beginnt die Szene direkt beim HerunterzÀhlen) und dabei erfahren, dass der Junge selbst der Mörder ist.

SelbstverstĂ€ndlich ist es nicht möglich, mit komatösen Menschen in Hypnose zu sprechen. Ein weiterer schwieriger Punkt ist jedoch das Erinnern in Hypnose. Das Problem ist, dass viele unserer Erinnerungen konstruiert sind und insbesondere in Hypnose neu geschaffen werden können (Shaw & Porter, 2015; dazu auch ein spannender TED-Talk von Elizabeth Loftus). In einigen Bundesstaaten der USA wird Hypnose immer noch verwendet, um die Kriminalpolizei in ihren Ermittlungen zu unterstĂŒtzen. Ein Guardian-Artikel mag Dir eine spannende LektĂŒre bieten.

Immerhin sagt der Hypnotiseur in einer Szene zum Ermittler, dass die Erinnerungen des Jungen subjektiv und nicht zwingend wahr seien. Es stellte sich spĂ€ter im Film heraus, dass der Hypnotiseur mal einen Probanden der Polizei gemeldet hatte, weil dieser ihm in Hypnose von eigener Misshandlung MinderjĂ€hriger erzĂ€hlt habe. Dieser Mann habe sich gegen die Anschuldigungen gewehrt, der Hypnotiseur sei gekĂŒndigt worden und dĂŒrfe seitdem keine Hypnose mehr praktizieren. Leider erhĂ€lt der Hypnotiseur am Ende des Films die Information vom dankbaren Ermittler, dass seine Anschuldigung wahr gewesen sein mĂŒsse, da der beschuldigte Mann in der Tat vorbestraft war fĂŒr ein solches Vergehen. Ich sage „leider“, weil es in der Zuschauer*in dann den Eindruck erweckt, als könne man der erinnerungsgenerierenden Funktion von Hypnose doch Glauben schenken.

In „Trance“ (2013) geht es kurz zusammengefasst um Folgendes: Eine kriminelle Gruppe möchte bei einer Auktion ein teures GemĂ€lde stehlen. Der Leiter der Auktion, Simon, hindert sie daran und versteckt das GemĂ€lde. Deshalb wird er von der Bande gekidnappt und er stellt sich als Komplize heraus, jedoch wegen eines Schlags auf den Kopf hat Simon keine Erinnerung mehr an den Ort des Versteckes.

Es wird eine Hypnotherapeutin engagiert, um ihm die Erinnerung zu entlocken, da Simon behauptet, sich an nichts vor dem Überfall erinnern zu können. Bei ihren Hypnosen geht sie ganz ohne Induktion vor und sagt lediglich: „Ich möchte, dass Sie Ihre Augen schließen. Stellen Sie sich vor
“.

Simon soll sich vorstellen, er erwarte mit großer Vorfreude ein Paket. Als es endlich kommt, nimmt er es aufgeregt entgegen. In diesem Paket seien seine Erinnerung und er dĂŒrfe sie nun auspacken. Wir sehen in dieser Szene, die uns an seinen Vorstellungen teilhaben lĂ€sst, dass er sich am Inhalt des Pakets die Finger blutig schneidet. Daraufhin wacht er aus der Hypnose auf und verlĂ€sst den Raum.

In einer anderen Hypnose soll er sich vorstellen, dass er mit einer jungen Frau durch Frankreich fĂ€hrt und sie in einem Museum mitten in der Natur ankommen. In diesem Museum befinden sich lauter gestohlene oder verloren gegangene GemĂ€lde. In einem anderen Raum, einem „magischen, sicheren Ort“ fĂŒhle er sich bereit, das dort liegende Paket auszupacken und die Erinnerungen hervorzuholen.

Im Film gelingt es und gelingt doch nicht. Die Geschichte wird immer komplizierter. Und nun kommt der Spoiler: Die Hypnotherapeutin steckte hinter dem ganzen Coup des GemĂ€lderaubes, weil sie Simon ursprĂŒnglich hypnotisiert hatte, es fĂŒr sie zu stehlen. Dabei ließ sie ihn auch ihre gemeinsame Vergangenheit vergessen.

Bestehen diese Szenen den RealitĂ€tstest? Nope. Weder eine gescheite Induktion noch das nötige razzle dazzle machen es völlig unrealistisch, dass eine Person so geschwind in Hypnose kommt. Das mit der Erinnerung habe ich ja oben bereits diskutiert. Und auch die Idee, man könne einen Menschen so hypnotisieren, dass er ein GemĂ€lde stiehlt, ist völliger Quatsch. Außerdem kann man keine lange Zeitspanne in der Vergangenheit vergessen lassen. Völlig unrealistisch. Ich finde aber die Idee mit dem Paket und dem Museum gestohlener GemĂ€lde ganz sympathisch.

Hypnose in Komödien đŸ€Ą 💑

NatĂŒrlich ergeben sich auch mehr oder weniger amĂŒsante Geschichten, wenn Hypnose zum Einsatz kommt. Schauen wir uns deshalb doch auch Komödien an.

Ich habe fĂŒr euch zunĂ€chst die Romantikkomödie „Schwer verliebt“ („Shallow Hal“; 2001) herausgesucht. Aus heutiger Sicht sicherlich eine nicht mehr ganz aktuelle Posse. Jedenfalls erstaunt es nicht, dass die Drehbuchautoren ausschließlich mĂ€nnlich sind. ABER uns interessiert ja der Teil mit Hypnose 🙂

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Inhaltszusammenfassung "Schwer verliebt"

Hauptprotagonist ist Hal Larson, ein alleinstehender, an Frauen ausschließlich wegen ihrer Ă€ußeren Schönheit interessierter Mensch (deshalb „shallow“ – oberflĂ€chlich). Der auch im wahren Leben bekannte Coach Tony Robbins spielt sich selbst und hypnotisiert Hal, um ihm zu suggerieren, dass er ab jetzt die innere Schönheit der Frauen sehen wĂŒrde.

Tony geht dafĂŒr folgendermaßen vor: Er bittet Hal zunĂ€chst, sich an eine Situation zu erinnern, in der er besonders oberflĂ€chlich war. Plötzlich erschreckt er ihn, indem er ihn mit einer Hand an der Schulter packt und mit der anderen seinen Kopf greift und anschreit: „DĂ€monen, kommt heraus!“.

Tony behĂ€lt seine Hand auf Hals Schulter und bittet ihn dann, sich fĂŒr einen Moment zu entspannen und die Augen zu schließen (dabei legt er seine andere Hand kurz ĂŒber seine Augen). Tony beruhigt Hal dann mit den Worten: „Ich werde das [dich erschrecken] nicht mehr machen“. Er soll sich vorstellen, am Strand zu sein: „Und du siehst in die Augen einer Frau und du fĂŒhlst ihr Herz und du siehst ihre Seele, du fĂŒhlst ihren Geist. Genau so. Genau so.“

Die Suggestion wirkt und Hal sieht ab da nur die innere Schönheit der Frauen – im wahrsten Sinne des Wortes „sehen“. Und er verliebt sich in Rosemary Shanahan, eine in Wahrheit sehr fĂŒllige Frau, die in seinen Augen jedoch schlank und rank – und v.a. wunderschön – aussieht. Diese quasi negative Halluzination fĂŒhrt zu allerlei Verwirrung und vermeintlich lustigen Szenen.

Ein Freund von Hal bitte Tony, diesen Trick aufzuheben, und Tony verrĂ€t ihm die auflösenden Worte „Shallow Hal“. Als der Freund diese Worte zu Hal sagt, sieht Hal die Frauen wieder in ihrer realen Erscheinung – auch Rosemary. Spoiler Alert: NatĂŒrlich werden die beiden wieder ein Paar, nachdem Hal seine OberflĂ€chlichkeit abzulegen vermag.

Was ist dran an der Hypnoseszene? Tony benutzt das Moment der Überraschung oder Verwirrung (in der Hypnotherapie bekannt als Musterunterbrechung), um mit diesem Moment der OberflĂ€chlichkeit etwas Neues zu verknĂŒpfen, nĂ€mlich die Suggestion, die innere anstelle der oberflĂ€chlichen Schönheit zu sehen. Dass er den Begriff der DĂ€monen verwendet, spielt natĂŒrlich fĂŒr die Wirkung der Hypnose keine Rolle. Hauptsache er konnte ihn mit irgendwelchen Worten anschreien und ergo erschrecken.

Musterunterbrechung ist kein untypisches Mittel, um eine Person in Trance zu fĂŒhren. Verwirrung kann man allein schon mit der Wortwahl erreichen („Stelle dir vor wie dein linkes Bein leichter wird als dein rechter Arm warm ist“).

Es kann helfen, das logische Denken via Überforderung in den Hintergrund treten zu lassen und die nĂ€chste, Sinn ergebende Suggestion umso wirkungsvoller erleben zu lassen. Verwirrung ist in der seriösen Hypnotherapie allerdings nicht gerade Mittel der Wahl, da es nicht notwendig ist und im schlechtesten Fall den Nachgeschmack von Manipulation haben kann. Die Klient*in soll sich im therapeutischen Prozess und so auch in der Hypnose als möglichst selbstwirksam erleben.

Aber zurĂŒck zu dieser Filmszene. Besteht sie den RealitĂ€tstest? Nein. Die unorthodoxe Induktion mag in RealitĂ€t tatsĂ€chlich gelingen. Erstens wird die Suggestion jedoch NICHT dazu fĂŒhren, dass man tatsĂ€chlich die innere Schönheit einer Person sehen kann. GleichgĂŒltig wie die innere Schönheit definiert wird, ist das Level an Sympathie ja nichts Stabiles und nicht von weitem erkennbar, sondern entsteht, verschwindet oder verĂ€ndert sich allmĂ€hlich durch GesprĂ€che und Beobachtung. Außerdem ist Sympathie in unserer Wahrnehmung nicht losgelöst von der Ă€ußeren Erscheinung des Menschen.

Es scheint jedoch möglich zu sein, einzelne Aspekte von Sympathie, wie z.B. Empathie fĂŒr eine unbekannte Person, mittels Hypnose zu manipulieren, wie ich in meiner Masterarbeit exploriert habe (s. Literaturliste unten).

Zweitens hĂ€lt die Wirkung einer posthypnotischen Suggestion nicht dauerhaft an. Ich wĂŒrde behaupten, eine Suggestion zur negativen Halluzination hĂ€lt vielleicht fĂŒr die Dauer der Interaktion und allerhöchstens wenige Stunden darĂŒber hinaus an.

Und drittens ist es Quatsch, dass „Shallow Hal“ als Auflösung wirken wĂŒrde, zumal es wĂ€hrend der Hypnose nicht erwĂ€hnt wurde.

In einer anderen Komödie lernen wir den gestressten Programmierer Peter Gibbons kennen, der kurz vor einem Burnout steht und deshalb einen Hypnotherapeuten aufsucht. In „Alles Routine“ („Office Space“; 1999) wird Hypnose folgendermaßen dargestellt:

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Inhaltszusammenfassung "Alles Routine"

Der Hypnotherapeut sagt zu Peter: “Ich möchte, dass Sie versuchen sich zu entspannen. Entspannen Sie jeden Muskel in Ihrem Körper, beginnend mit Ihren Zehen und Fingerspitzen. Ihren Beinen. Sie beginnen zu spĂŒren, wie Ihre Augenlider schwerer werden, wĂ€hrend Sie gleichzeitig tiefer und tiefer sinken in einen Zustand vollkommener Entspannung. All Ihre Sorgen und Bedenken verschwinden. Tiefer und tiefer, weiter hinab. Ihre Arbeitssorgen schmelzen dahin. Tiefer und tiefer sinken. Und wenn ich nun rĂŒckwĂ€rts zĂ€hle von drei, werden Sie in einem Zustand vollkommener Entspannung sein. Ihre Sorgen, Bedenken und Hemmungen werden verschwunden sein und Sie werden in diesem Zustand verbleiben, bis ich mit den Fingern schnipse. Drei, tiefer und tiefer, weiter und weiter hinab. Zwei, tiefer und hinab, weiter hinab. Eins
“

In diesem Moment ereilt den Hypnotherapeuten der sich anbahnende Herzinfarkt und er stirbt auf der Stelle. Peter öffnet die Augen und man sieht ihm an, dass er sich großartig fĂŒhlt. Ab da ist er wie ausgewechselt, entspannt und selbstbewusster, nimmt die Arbeit und das Leben mit deutlich mehr Leichtigkeit.

Was ist dran an dieser Hypnoseszene? Nun, die Umgebung sieht eigentlich recht authentisch aus. Das Gruppenambiente ist zwar etwas ungewöhnlich, vermutlich aber der Drehbuchlogik geschuldet, dass Peters „hypnotisiertes“ Verhalten gegen die angebrachte Reaktion auf den umkippenden Therapeuten vonseiten der anderen Menschen kontrastiert werden soll. Von der ProfessionalitĂ€t des Therapeuten mag man halten was man möchte, zumindest hat er Peter meines Erachtens mit der Hypnose ungefragt ziemlich ĂŒberrumpelt.

Die Induktion ist natĂŒrlich etwas kurz geraten, im Großen und Ganzen jedoch eine recht klassische Entspannungsinduktion. Ich hĂ€tte zu bemĂ€ngeln, dass man in der hypnotherapeutischen Sprache im Zielzustand nichts „verschwinden“ lĂ€sst, sondern den erwĂŒnschten Zustand direkt anspricht.

Beispielsweise heißt es bei der Raucherentwöhnung nicht: „Sie werden nicht mehr rauchen mĂŒssen“, sondern eher: „Sie werden sich frei und stark fĂŒhlen, sich fĂŒr die gesunde Alternative zu entscheiden“. Verneinungen aktivieren lediglich die gleichen Assoziationen im Gehirn, die sowieso schon bestehen („Nichtrauchen“ aktiviert die Assoziationen fĂŒrs Rauchen).

Besteht die Szene den RealitĂ€tstest? Nein. Ich halte es fĂŒr Ă€ußerst unrealistisch, dass Peters Persönlichkeit nach den wenigen, unzeremoniell vermittelten Suggestionen derart ausgewechselt ist. Ich halte es auch nicht fĂŒr möglich, dass das Umkippen des Therapeuten und die Schreie der anderen Teilnehmer*innen ihn nicht aus der Hypnose reißen.

Wir können uns darauf verlassen, dass das sogenannte Unbewusste stets darĂŒber wacht, ob das, was um uns herum passiert, noch angemessen ist und unseren Werten und WĂŒnschen entspricht. Darum ist es möglich, dass wir als Teilnehmer*in einer Showhypnose allerlei LĂ€cherliches mitmachen oder geschehen lassen (es dient ja der vermeintlichen Unterhaltung), was in einer therapeutischen Praxis nicht möglich wĂ€re. Sprich, es ist einfach zu außergewöhnlich fĂŒr diese Situation, dass der Therapeut umkippt und die anderen schreien. In diesem Moment wĂŒrde jede*r von uns den Ernst der Situation erspĂŒren und sofort aufwachen.

Im nĂ€chsten und letzten Komödienfilm „Die nackte Kanone“ („The Naked Gun“; 1988) versucht Lieutenant Frank Drebin ein Attentat auf Königin Elisabeth II zu verhindern. Der dahintersteckende Unternehmer benutzt Hypnose, um gewöhnliche Menschen zu AttentĂ€tern werden zu lassen.

In der folgenden Szene wird die posthypnotische Suggestion mit einem Signal zur Armbanduhr aktiviert. Die Uhr beginnt wĂ€hrend des Baseballspiels zu piepsen und dieses GerĂ€usch soll einen Baseballspieler dazu bringen, die Königin umzubringen. Er bewegt sich roboterhaft auf das Versteck mit der Pistole zu und spricht zu sich: „Ich muss die Königin töten.“

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NatĂŒrlich ist auch diese Szene völlig unrealistisch, wie auch schon oben fĂŒr „Das Cabinet des Dr. Caligari“ besprochen wurde. Das Töten eines Menschen liegt einfach zu weit außerhalb unseres gesunden Werte- und Handlungsbereichs und ist somit auch mit Hypnose höchstens in Filmen möglich.

Hypnose bei Disney 🧚 🩁

Schon alte Walt-Disney-Filme sind auf den Geschmack von Hypnose fĂŒr das Aufpeppen ihrer DrehbĂŒcher gestoßen. Vielleicht erinnerst Du Dich an „Aladdin“ (1992) und den Schurkencharakter Jafar.

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Inhaltszusammenfassung "Aladdin"

Jafar hypnotisiert den Sultan, um an seinen großen Diamantenring zu kommen. DafĂŒr hĂ€lt er ihm lediglich seinen langen Zauberstab in Form einer Schlange mit leuchtendroten Augen direkt vors Gesicht. Ansonsten muss er nicht viel sagen, außer: "KĂŒmmere dich nicht, alles wird gut.“ Der Sultan ist sofort hypnotisiert und antwortet brav: „Alles wird gut.“ Jafar braucht nur noch zu sagen: „Der Diamant“, und schon wird der Ring ihm bereitwillig ĂŒbergeben. Er lĂ€sst den Sultan sodann in Hypnose zurĂŒck und geht. Der Sultan wird sich spĂ€ter an nichts mehr erinnern.

In diesem wie auch in den folgenden Zeichentrickfilmen brauchen wir nicht ernsthaft den RealitÀtstest anlegen. Hypnose dient hier lediglich der verspielt-magischen Manipulation und ist versehen mit der Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die der RealitÀt bei Disney anhaftet.

Auch in „Das Dschungelbuch“ („The Jungle Book“, 1967) wird Hypnose von der riesigen Pythonschlange Kaa mit der Absicht benutzt, Mogli letztlich zu verspeisen.

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Inhaltszusammenfassung "Das Dschungelbuch"

Mit ihren bunten, zirkulierenden Augen, von denen man den Blick nicht lassen kann, mit den Bewegungen, die Mogli beschĂ€ftigt halten und gleichzeitig nonverbal Vertrauen fordern, muss Kaa nicht mehr viel tun, außer zu singen: „Hör‘ auf mich, glaube mir. Augen zu, vertraue mir. Schlafe sanft, sĂŒĂŸ und fein. Will dein Schutzengel sein. Sink‘ in tiefen Schlummer, schwebe dahin im Traum, langsam umgibt dich Vergessen, doch das spĂŒrst du kaum. 
 Hör‘ auf mich und glaube mir, Augen zu, vertraue mir."

Übrigens, als Kaa unterbrochen und zur Rede gestellt wird vom Tiger Shir Khan, redet sie sich heraus, sie habe nur zu sich selbst gesungen: "Du weißt schon, Selbsthypnose."

Von allen bisher besprochenen Filmen finden wir die bisher simpelste Art, einen Menschen zu hypnotisieren, in „Dornröschen“ („Sleeping Beauty“, 1959). Schau‘ mal in folgendem Video hinein, wie Malefiz Prinzenssin Aurora mithilfe eines grĂŒnen Lichtballs hypnotisiert und dazu bringt, sich an einer Spindel zu stechen und somit die Voraussagung in ErfĂŒllung zu bringen.

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Andere Filme 🎭

Ich möchte noch ein paar zusÀtzliche Filme vorstellen, in denen mir die Verwendung von Hypnose auch erwÀhnenswert erscheint. Ich werde allerdings nicht mehr so detailliert in die Besprechung einsteigen.

In Lars von Triers „Europa“ (1991) wird Hypnose als filmisches Gestaltungsmittel eingesetzt, um die Zuschauer*in in die Narration zu absorbieren. Das erste Video zeigt das Intro, das zweite das Outro.

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Inhaltszusammenfassung "Europa"

Eine hypnotische Stimme suggeriert, dass man bei der Zahl zehn in Europa aufwachen wird. WĂ€hrenddessen sieht man Schienen unter sich, so als wĂ€re man als Zuschauer*in auf einem Zug und sieht auf die Schienen beim Fahren hinunter. Es ist Nacht und das Bild ist schwarzweiß. Das Gesprochene Ă€hnelt einer klassischen Hypnose-Induktion. Danach beginnt die eigentliche Filmhandlung. Sie endet mit einem ins Wasser stĂŒrzenden Zug, mit dem Hauptprotagonisten eingesperrt in einem Abteil. Die Stimme kehrt zurĂŒck: "Sie sind in einem Zug in Deutschland. Der Zug sinkt und Sie werden ertrinken. Bei zehn werden Sie sterben
“ u.s.w.

In der Romanadaption „Thumbsucker“ (2005) möchte ein KieferorthopĂ€de einen 17-jĂ€hrigen Jungen vom Daumenlutschen befreien.

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Auch hier kommen die typischen Aspekte filmischer Verwendung von Hypnose ins Spiel: Die therapeutische Legitimation des KieferorthopĂ€den ist fragwĂŒrdig, die Induktion geht zu schnell und die Person wird weder ordentlich aufgeklĂ€rt noch wird um Erlaubnis gefragt. Auch Verneinungen sind hier zu finden („Du brauchst deinen Daumen nicht“). Dennoch fand ich diese Suggestionen recht liebevoll gestaltet und insgesamt eine erfrischend positive Darstellung von Hypnose im Rahmen einer Hypnotherapie.

Und zum Schluss noch das Drama „Auf Messers Schneide“ ("The Razor’s Edge"; 1946). Ein Mann wendet Hypnose an, um einen anderen von seiner MigrĂ€ne zu befreien.

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Auch das ist eine angenehm positive Darstellung von Hypnose, weil es weder um eigennĂŒtzige Manipulation noch um Unterhaltung geht und weil der Hypnotisierende selbst zugibt, dass es nichts Wundersames sei und dass der Hypnotisierte sich selbst geholfen habe.

Ich halte es ĂŒbrigens fĂŒr möglich, dass diese Hypnose im echten Leben auf diese Weise und bei einer hochsuggestiblen Person geholfen haben könnte. UngĂŒnstig ist hingegen die Verwendung der Verneinung („und du wirst keine Schmerzen mehr haben
 keine Schmerzen“).

Außerdem fiel mir positiv auf, dass der Hypnotiseur eine harmlose Demonstration hypnotischer Selbstsuggestionen voranstellte, um die (Selbst-)WirksamkeitsĂŒberzeugen des Hypnotisierten zu steigern. Das findet auch heute in der Praxis Verwendung. Beispielsweise kann man mit der Klient*in eine Armlevitation durchfĂŒhren, damit die Person Glauben in die Möglichkeiten ihrer unbewussten FĂ€higkeiten schöpft. Eine höhere Erwartungshaltung verstĂ€rkt vermutlich die spĂ€tere therapeutische Suggestion.

Fazit

ZunĂ€chst einmal: Wenn Du es bis hierher geschafft hast, gratuliere ich Dir zu Deiner Geduld, und mir zu einem offenbar gelungenen Blogartikel 😊.

Allen besprochenen Filmen ist es gleich, dass die Induktion bzw. der Hypnoseprozess zu kurz gestaltet war. Der Griff zu Blitzinduktionen ist gut verstĂ€ndlich, weil es jegliche Dynamik aus einem Film saugt, wenn die Zuschauer*innen 15-30 min einer ausfĂŒhrlichen hypnotischen Induktion lauschen mĂŒssten. Das macht bereits einige der besprochenen Szenen unrealistisch.

Blitzhypnosen hingegen hinterlassen bei vielen Menschen einen unangenehmen Beigeschmack. Es entsteht der Eindruck, dass man der Hypnotiseur*in willenlos ausgeliefert ist. Ich denke da an „Get Out“, „Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt“, „Schwer verliebt”, „Alles Routine“, „Die Unfassbaren“ und „Trance“.

Abgesehen von Lars von Triers idiosynkratischen Einsatz von Hypnose als Gestaltungsmittel, wurde Hypnose in den besprochenen Filmen fĂŒr folgende Zwecke eingesetzt:

  • Manipulation, um Rache zu nehmen („Dornröschen“, „Trance“)
  • Manipulation, um handlungsunfĂ€hig zu machen („Das Dschungelbuch“, „Get Out“, „Die Unfassbaren“)
  • Manipulation, um an Reichtum zu kommen („Aladdin“, „Die Unfassbaren“, „Trance“)
  • Manipulation zum Töten („Das Cabinett des Dr. Caligari“, „Die nackte Kanone“)
  • Unterhaltung („Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“)
  • Um an Vergessenes heranzukommen („Der Hypnotiseur“, „Trance“)
  • Therapeutische Absicht („Auf Messers Schneide“, „Thumbsucker“, „Schwer verliebt“, „Alles Routine“)

Immerhin vier der Filmhandlungen hatten also einen therapeutischen, genuin wohlgemeinten Anspruch an Hypnose. Und selbst in manchen dieser Filme fĂŒhrt die unrealistische Darstellung dazu, die Wirksamkeit und somit potentielle Bedrohung durch Hypnose ĂŒberzubewerten.

Die anderen Filme bedienen unsere unbewussten Ängste, auf die die Filmemacher*innen erfolgreich mithilfe von Hypnose abzielten. Die große Angst hinter den meisten dieser Filme ist die, unsere Entscheidungsfreiheit oder unseren freien Willen zu verlieren.

Es hĂ€ngt mit dem allen Menschen innewohnenden emotionalen GrundbedĂŒrfnis nach Kontrolle und Selbstbestimmung (nach Grawe, 2004, und Young, 2005) zusammen. Wird dieses GrundbedĂŒrfnis in der Kindheit nicht befriedigt, sind tiefe Verunsicherungen bis hin zu psychischen Erkrankungen als Folge nicht unwahrscheinlich. Aber auch als Erwachsene haben wir noch das BedĂŒrfnis, uns selbst und unsere Umwelt als kontrollierbar zu erleben.

Hypnose und Manipulation sind natĂŒrlich in den Köpfen vieler Menschen ein Geschwisterpaar, das Hand in Hand geht. Leider ist das genau das Vorurteil, das viele Menschen davon abhĂ€lt, eine hypnotherapeutische Hilfe zur Selbsthilfe aufzusuchen. Und Filme sind ein solches Medium, ĂŒber das dieses Vorurteil erweckt und zementiert wird.

Das Ziel der Hypnotherapie ist also nie, der Klient*in die Kontrolle und Selbstbestimmung zu nehmen – was wie oben erwĂ€hnt auch nicht möglich wĂ€re. Im Gegenteil: Therapie ist Hilfe zur Selbsthilfe. DafĂŒr muss sich die Klient*in als handlungsfĂ€hig und selbstwirksam erleben.  

Ein weiteres Vorurteil entsteht durch die PortrÀtierung von Hypnotiseur*innen als Menschen mit böser Absicht. Mir ist bisher noch nie eine Geschichte untergekommen, wonach eine Hypnotherapeut*in auch nur annÀhernd boshafte Absichten pflegte.

Ich bin an einer Hypnotherapie interessiert. Was soll ich beachten? đŸ€”

Wenn Du an einer Hypnotherapie interessiert bist, ist es wichtig auf eine seriöse Ausbildung der Therapeut*in zu achten. Du findest alle anerkannten, deutschsprachigen Gesellschaften, die in Hypnotherapie ausbilden, hier: https://hypnose.de/gesellschaften/.

Wenn Du beispielsweise auf eine Person triffst, die dir ĂŒberzogene Allheilversprechen macht („Ich kann Sie mit Hypnose fĂŒr immer von Ihrer Allergie befreien“), ist es ein sicheres Zeichen dafĂŒr, sich lieber weiter umzusehen.

Alles weitere darfst Du Deinem gesunden Menschenverstand und Deiner Intuition anvertrauen. Denn das Wichtigste ist eine gute therapeutische Beziehung. Und natĂŒrlich kann man noch vorhandene Zweifel und Vorurteile in der Therapie vorbesprechen.

In der seriösen hypnotherapeutischen Praxis ist der Vorgang normalerweise folgender: Zuerst lernt man sich kennen und es gibt eine ausfĂŒhrliche Problem- und Zielbesprechung. Ist das Interesse an einer Behandlung dann weiterhin auf beiden Seiten gegeben, wird die Klient*in zuerst ĂŒber den Ablauf einer Hypnose-Sitzung informiert und offene Fragen werden geklĂ€rt. Erst dann erfolgt die eigentliche Hypnose, mit einer deutlich lĂ€nger andauernden Induktion als in den obigen Filmen. Die Induktion nimmt ĂŒblicherweise zwischen 10 und 30 min in Anspruch und kann an sich schon therapeutisch wirken, weil man dabei eine tiefe Entspannung erreicht. Außerdem darf die Klient*in die Hypnose auf Audio aufzeichnen, um die Aufnahme zu Hause in Selbsthypnose nochmals anzuhören.

Ich hoffe, dass Dich dieser Artikel sensibilisiert fĂŒr Deine persönliche Auffassung von Hypnose und woher sie stammen könnte. Es wĂ€re nur natĂŒrlich, wenn Du als Lai*in im Feld der Hypnotherapie gewisse Vorurteile hĂ€ttest – ich hatte sie ja auch. Und ich denke, meine Vorurteile stammten zu einem wesentlichen Teil aus Filmen.

Wenn Dir dieser Artikel gefallen hat, traue Dich gern, ihn zu teilen und mir einen Kommentar oder eine Frage zu hinterlassen. Kennst Du noch andere Filme, in denen Hypnose vorkommt?

Autorin: Lisa Anton-Boicuk

Lisa hat ihren Masterabschluss in Klinischer Psychologie an der UniversitĂ€t Wien absolviert und erforschte dort ĂŒber zwei Jahre lang den Einfluss von Hypnose auf das Wahrnehmen, Denken und FĂŒhlen. Am Milton-Erickson-Institut Rottweil hat sie die Curricula der Klinischen Hypnose und Hypnosystemischen Kommunikation durchlaufen. Heute arbeitet sie als Psychologin in einer psychosomatischen Klinik.


Privat ist sie ambitionierte KaffeesomeliĂšre.


Aktuelles Lieblingsbuch: Karsten Dusse "Achtsam Morden" (Danke an die Person, die es mir geschenkt hat)

(Weitere) Quellen / Literaturliste:

  • Eine Liste mit Filmen, in welchen Hypnose vorkommt (laut Wikipedia): https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Films_featuring_hypnosis
  • Anton-Boicuk, L. (2019). Influence of hypnotic suggestions on empathy and social fear learning as measured by skin conductance response: A pilot study. Unveröffentlichte Masterarbeit. UniversitĂ€t Wien.
  • Grawe, K. (2004). Neuropsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.
  • Shaw, J. & Porter, S. (2015). Constructing rich false memories of committing crime. Psychological Science, 26(3), 291–301.
  • Young, J. E., Klosko, J. S., & Weishaar, M. E. (2005). Schematherapie. Paderborn: Junfermann.

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