Welche Hypnotherapie-Ausbildungen gibt es?

Du möchtest Hypnotherapeut*in werden? In diesem Artikel erhältst du eine Übersicht zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen von Hypnose-Ausbildungen, welche Voraussetzungen du erfüllen musst, um Hypnotherapeut*in zu werden und wo du in Deutschland, Österreich und der Schweiz Ausbildungsinstitute findest.

Die Arbeit mit Hypnotherapie ist leicht und macht Freude. Sie unterstützt KlientInnen zur Selbsthilfe und basiert auf einem wissenschaftlichen Fundament. Die Hypnotherapie ist in Deutschland zwar nicht als psychotherapeutisches Verfahren anerkannt, wohl aber als psychotherapeutische Methode. Wird Hypnose beispielsweise mit der Verhaltenstherapie kombiniert, lassen sich bessere Ergebnisse erzielen, als ohne Hypnotherapie (Alladin & Alibhai, 2007).

Hypnotherapie kann den Therapieprozess für Therapeutinnen und Therapeuten wesentlich erleichtern, doch sie eignet sich nicht für einen jeden:

Gefahren und Risiken der Hypnose

  • “Was sind zwei Kontraindikationen zu Hypnose?” Ich horchte auf als Dirk Revenstorf in einem Seminar diese Frage stellte. 
  • Eine Teilnehmerin kommentierte: “Psychosen?”
  • D.R.: “Korrekt und die Zweite?”
  • Schweigen.
  • D.R. “Das zweite Ausschlusskriterium ist, wenn der Hypnotiseur zu einer narzisstischen Persönlichkeit tendiert.”

Wie bereits in einem anderen Artikel beschrieben, ist jede Hypnose in Wirklichkeit Selbsthypnose. Doch Menschen sind und bleiben beeinflussbar. Hypnose ist ein Werkzeug, das man auch missbrauchen kann. Menschen mit Allmachtsphantasien werden von Hypnose angezogen und können über Trancephänomene, Scham oder sozialer Erwünschtheit Schaden anrichten. Darum ist es wichtig genau darauf zu achten, von wem du dich in Hypnose ausbilden lässt (Revenstorf, 2011).

Neben dem absichtlichen Missbrauch von Hypnose gibt es auch Hypnose-Unfälle: Manchmal werden durch Hypnose psychische Dynamiken losgetreten, die zu einer lavierten Depression oder einer Retraumatisierung führen können. Daher ist es notwendig, dass Hypnose Anwender klinisch geschult sind und im Bedarfsfall auch wissen, wie sie solche Unfälle professionell versorgen können (Revenstorf, 2011).

Der Begriff Hypnose ist im deutschsprachigen Raum nicht geschützt. Praktisch jeder kann sich also Hypnotiseur nennen und Weiterbildungen in diesem Bereich anbieten. Als Laie ist es schwierig Hypnose mit Ethik und Qualitätsstandards von weniger seriöser Hypnose zu unterscheiden. Darum findest du in seriösen Gesellschaften und Ausbildungsinstituten ein Leitbild und einen Ethikkodex zudem sich diese verpflichten. Nationale Gesellschaften sind zudem Mitglied in internationalen Gesellschaften, die gegründet wurden, um einen hohen Qualitätsstandard für Hypnose zu gewährleisten. 

Seriöse Hypnose-Ausbilder setzen eine klinische, psychotherapeutische Ausbildung voraus. Im Folgenden findest du eine Übersicht über die wichtigsten wissenschaftlichen internationalen und nationalen Hypnose-Gesellschaften.

Wissenschaftliche Hypnose-Gesellschaften

Auf internationaler Ebene sind für den deutschsprachigen Raum folgende zwei Gesellschaften wichtig:

Beide Gesellschaften (und alle deren Mitgliedsgesellschaften und Mitglieder) verpflichten sich unter anderem zu einem Ethikkodex. Hier ein Auszug aus dem Kodex der ISH:

Ethikkodex

Punkt 1: Professionelles Verhalten gegenüber Patienten oder Probanden

  • Bei der Verwendung von Hypnose sollten die ISH-Mitglieder stets dem Wohlergehen des Patienten in der Klinik sowie des an wissenschaftlichen Forschungsexperimenten beteiligten Probanden Vorrang einräumen.
  • Es sollten angemessene Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, wenn ein klinischer Patient oder eine Versuchsperson ungewöhnlichem Stress oder einer anderen Form von Risiko ausgesetzt ist. Wenn es sich um Stress oder Risiko handelt, sollte der Patient oder Betroffene informiert werden und seine Zustimmung geben. Bei Zweifeln an den ethischen Grundsätzen und Risiken sollte sich der Arzt an geeignete qualifizierte Kollegen wenden, die auch Experten für Hypnose sind.

Punkt 6: Hypnose und Unterhaltung

  • Kein ISH-Mitglied sollte Dienstleistungen zum Zwecke der öffentlichen Unterhaltung anbieten oder mit einer Person oder Agentur zusammenarbeiten, die sich mit öffentlicher Unterhaltung beschäftigt.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz verpflichten sich unter anderen folgende Gesellschaften dem selben Ethikkodex. 

Hypnose-Gesellschaften im deutschsprachigen Raum

Deutschland

In Österreich: 

In der Schweiz

Wie werde ich Hypnotherapeut*in?

Die Milton H. Erickson Gesellschaft bietet eine Ausbildung für klinische Hypnose an. Die Besonderheit dieses Curriculums ist, dass man nicht nur formale Hypnose, sondern auch höchst wirkungsvolle Kommunikationsstrategien erlernt.

Die Ausbildung begründet sich auf der genialen Arbeit von Milton H. Erickson. Er wurde aufgrund seiner eigenen bewegten Geschichte ein Meister der Hypnose und Kommunikation. Durch den elektrifizierenden Klang seiner Stimme und seiner ganz eigenen Art der nonverbalen Kommunikation, war er in der Lage Menschen in eine tiefe Trance zu versetzen. Gleichzeitig verstand er es wie kein anderer hypnotische Suggestionen in die klassische Gesprächsführung einzustreuen, um seine Klienten bei der Erreichung ihrer Ziele zu unterstützen. Seine Therapieform war sehr unkonventionell und er nutzte, was auch immer den Klienten gerade zur Verfügung stand, um diese in ihrem Anliegen zu unterstützen (Utilisation). Ein weiteres wichtiges Prinzip seiner Arbeit war, dass er den Klienten ins Zentrum stellte und die Psychotherapie an das Weltbild und die Bedürfnisse des Klienten anpasste.

milton erickson

Milton Erickson am Anfang seiner Karriere als Psychiater und Psychotherapeut.

milton erickson hypnotherapie

Milton Erickson trug immer lila, weil das die einzige Farbe war, die er sehen konnte.

Jeder Mensch ist ein Individuum. Die Psychotherapie sollte deshalb so definiert werden, dass sie der Einzigartigkeit der Bedürfnisse eines Individuums gerecht wird, statt den Menschen so zurechtzustutzen, dass er in das Prokrustesbett einer hypothetischen Theorie vom menschlichen Verhalten passt. – Erickson 1979

Übersicht über das klinische Hypnose Curriculum der Milton H. Erickson Gesellschaft

Das Curriculum besteht aus 8 Seminaren, 50 Stunden Supervision in klinischer Hypnose und 4 Themen-Seminare.

B1 Einführung in die Klinische Hypnose / Hypnotherapie

Menschenbild und Grundanschauung Ericksons. Was ist Utilisation und welche Formen der Utilisation gibt es. Wie können Problemmuster durch Vorstellung und Suggestion verändert werden. Wie gelingt eine Tranceinduktion, was sind Trancephänomene. Welche Indikationen und Kontraindikationen gibt es.

B2 Rapport: Verbale und nonverbale Kommunikation

Ericksons kooperativer Ansatz und individualisiertes Vorgehen. Wie gestaltet man die therapeutische Beziehung durch Pacing und Leading. Wie nutzt man verbale und nonverbale Kommunikationsmöglichkeiten. Welche Repräsentationssysteme, Sinnesmodalitäten können genutzt werden. Assoziation von Ressourcen; Ziel- und Zukunftsorientierung und die Technik des Ankerns.

B3 Indirekte Kommunikation und Induktion

Sprache und Wirklichkeit; Welche Formen direkter und indirekter Suggestionen gibt es. Pragmatischen Modelle der Untersuchung von Sprache (Meta-Modell) und der Verwendung hypnotherapeutischer Sprachmuster (Milton-Modell). Welche indirekte Tranceinduktionen gibt es. Technik: Zeitprogression.

B4 Nutzung von Trancephänomenen I: Dissoziation und Assoziation

Wie kann die Trance vertieft werden. Wie kann Kommunikation in Trance über ideomotorische Signale wie Handlevitation und Fingersignalen stattfinden. Wie können Symptome für den Therapieprozess genutzt (utilisiert). Wie gelingen posthypnotische Suggestionen.

B5 Nutzung von Trancephänomenen II: Regression

Wie funktioniert die Altersregression und Affektbrücke. Wie können schwierige Lebenserfahrung ressourcenorientiert verändert werden. Wie können belastete und bedürftige Persönlichkeitsanteile unterstützt werden. Wie kann mit Hypnotherapie Trauma bewältigt werden. Was sind Amnesie und Hypermnesie in der Hypnose.

B6 Nutzung von Trancephänomenen III: Symbole und Rituale

Welche Symbolisierungstechniken gibt es. Wie gelingt Hypnotherapeutische Teilearbeit und Abgrenzung von anderen Teilekonzepten. Welche Rituale und klassische Induktionstechniken gibt es. Strategische Aspekte und Techniken: Konfusion; minimale strategische Veränderung; Utilisation von Problemtrancen; paradoxe Verschreibungen, Umdeutungen.

B7 Therapeutische Metaphern und Geschichten

Wie können Anekdoten und Metaphern genutzt werden. Wie funktioniert die Stellvertretertechnik. Wie konstruiert man Metaphern für psychosomatische und andere Symptome. Was sind gestufte Metaphern und Kettenmetaphern und wie nutzt man diese im Therapieprozess.

B8 Integration und spezielle Anwendungen

Mehr zur Hypnotherapeutische Behandlungsplanung. Wie kann die Hypnotherapie mit anderen Therapieformen kombiniert werden. Welche Klienten- und indikationsspezifische Anwendungen der Hypnotherapie gibt es. Abschluss- und Transferinterventionen.

Voraussetzungen, um am Curriculum Klinische Hypnose teilnehmen zu können

Für eine Teilnahme am Curriculum klinische Hypnose der Milton H. Erickson Gesellschaft, musst du folgende Voraussetzungen erfüllen:

1. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Psychologie, Medizin oder Pädagogik:

Das Hochschulstudium muss gemäß den aktuellen gesetzlichen Regelungen in Deutschland zu einer Approbationsausbildung als Psychologischer Psychotherapeut oder Psychotherapeut für Kinder- und Jugendliche befähigen. Auch ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin ermöglicht die Teilnahme am Curriculum.

2. Du bist aktuell beruflich im psychotherapeutischen oder paar- und familientherapeutischen Bereich tätig.

Kommentar: Das Ziel dieses Kriteriums ist, dass die gelernten Inhalte in der Praxis unmittelbar vertieft und angewandt werden können. Sollte der Transfer auf eine andere Art und Weise sicher gestellt sein, gilt dieses Kriterium auch als erfüllt.

3. Kenntnisse der klinischen Psychologie.

Über die genannten Voraussetzungen hinaus sind psychotherapeutische Vorerfahrungen und Selbsterfahrung wünschenswert.

Die Teilnehmer des Curriculums erhalten von den jeweiligen Regionalstellen eine Teilnahmebescheinigung, jedoch kein Zertifikat.

Voraussetzungen, um das Zertifikat "Klinische Hypnose (M.E.G.) / Hypnotherapie" zu erhalten

Um das Zertifikat “Klinische Hypnose (M.E.G.) / Hypnotherapie” durch die MEG Geschäftsstelle in München erteilt zu bekommen, musst du zusätzlich folgende Voraussetzungen erfüllen:

Abschluss einer Psychotherapeutischen Ausbildung in einem vom „Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie“ (nach §11PsychThG; siehe www.wbpsychotherapie.de) anerkannten Psychotherapieverfahren an einem von der M.E.G. anerkannten Psychotherapeutischen Ausbildungsinstitut.

In Österreich können neben ausgebildeten PsychotherapeutInnen und FachärztInnen für Psychiatrie auch klinische PsychologInnen ein Zertifikat erteilt bekommen.

In der Schweiz gibt es für die Teilnahme und die Erteilung des Zertifikats ähnliche Regelungen wie in Deutschland.

Du möchtest Hypnose lernen, hast aber keinen klinischen Hintergrund?

Hypnose ist eine Methode, wie auch andere psychotherapeutische Methoden, die Eingriffe in die menschliche Persönlichkeit ermöglicht. Psychotherapie ist nicht umsonst ein geschützter Tätigkeitsbereich, da du ohne professioneller Ausbildung fahrlässig Schaden anrichten kannst. Darum ist es zunächst wichtig, dass du zunächst eine psychotherapeutische Ausbildung absolvierst.

Für alle PädagogInnen und Coaches die im psychosozialen Bereich arbeiten gibt es auch das Curriculum Hypnosystemische Kommunikation. In diesem Curriculum liegt der Fokus auf Gesprächsführung und wie du in Gesprächen unbewusste Anteile mit einbeziehen und aufgreifen kannst. Mehr zu dieser Ausbildung findest du hier.

Welche Ausbildungsinstitute gibt es?

Eine Übersicht über alle Milton Erickson Institute in Deutschland findest du hier:

In Österreich wird die Ausbildung unter anderem von folgenden Instituten angeboten:

Eine Übersicht über alle Institute in der Schweiz findest du hier:

Quellen

Fotocredits: Titelbild mit freundlicher Genehmigung der Milton Erickson Foundation

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