Quo vadis Mann? Aus dem unsichtbaren Gefängnis traditioneller Männlichkeit ausbrechen

Man kann Männlichkeit nicht unabhängig von der sexuellen Beziehung zur Frau verstehen. Es wäre jetzt aber ein Fehler zu versuchen, Männlichkeit als Reaktion auf die derzeitige Selbstbemächtigung der Frau zu definieren, so wie sich (umgekehrt) der Feminismus als berechtigte Reaktion auf das Patriarchat bestimmt. Die Frage ist vielmehr, was ist die Essenz des Mannes? Man kann nicht darüber hinwegsehen, dass Frauen in vieler Hinsicht den Männern überlegen sind. Sie ergreifen nicht nur jede Art vormals typisch männlichen Berufen vom Banker über Soldaten bis zum Schornsteinfeger. Sie können darüber hinaus Kinder gebären und stillen, und sind sexuell potenter als der Mann – können z.B. multiple Orgasmen haben. Was ist die Rolle des Mannes, wenn er eigentlich so gut wie überflüssig erscheinen könnte, wenn man bedenkt, dass Frauen wohl lange Zeit ohne Männer auskommen könnten, was umgekehrt eher nicht der Fall ist? Wie soll es aussehen, dass sich zwei potente Geschlechter in der Fülle begegnen? Damit befasst sich dieser Artikel (Skript zum Vortrag von Prof. Dirk Revenstorf auf der MEG-Tagung: Gender, Sex & Identität – Hypnotherapie und Vielfalt.)

1. Einleitung

Es ist Zeit sich auf dem Weg zu machen. 
Heldenreise (Joseph Campbell 1999)

Mitte der 90er Jahre hatte ich unverhofft Gelegenheit meine Rolle als Mann zu überdenken. Ich wurde nämlich Vorsitzende der Frauenkommission – da es in der Fakultät keine weiblich besetzte Professur gab. Die Diskussion in diesem Gremium unterschied sich deutlich von der ausgesuchten Rhetorik in den Fakultätssitzungen, wo nur Männer saßen, die hemmungslos - wenn auch emotionslos - aufeinander losgingen. Jeder wollte Gewinner sein, immerhin ging es um Geld und Stellen, das typische Nullsummenspiel. Was der eine gewann, verlor jemand anderes. Aber eigentlich ging es um Prestige. Anders in der Frauenkommission. Es schien keine Hierarchie zu geben, alle redeten ausgiebig, spontan und gleichzeitig, sodass ich oft Mühe hatte, zu Wort zu kommen. Ich war am Anfang total genervt von dem undisziplinierten Geschnatter. Aber es war lebendig und es ging nicht darum, wer die geschliffensten Argumente fand. Ich hatte auf einmal nicht mehr das Bedürfnis besser sein zu müssen. Ich dachte, naja, ungewohnt aber ohne den tierischen Ernst. Davon könnten Männer profitieren.

1940–1950 

In meiner Kindheit war Krieg und die richtigen Männer waren Soldaten, hart wie Kruppstahl hieß es. Typ Landser: tapfer und unermüdlich stapften und schossen sie sich für den Sieg durch Kälte und Schlamm z.B. in Russland, von wo mein Vater nach zehn Jahren zurückkam. Über Schmerz, Angst und Trauer wurde kein Wort verloren. In jovial heiterem Ton erzählte er von Kommissbrot Wettessen und geklauten Hühnern. Das war verwirrend; da waren doch so viele gestorben - ganz abgesehen davon, wie grässlich sie gestorben waren; und dass auch jemand sie getötet haben muss. Irgendwie schien das alles nicht erklärungsbedürftig. Und natürlich auch für mich galt, Jungs weinen nicht; sei keine Memme.

Mit freundlicher Genehmigung von www.galerielaqua.de

1950–1960. 

Dann kam die Nachkriegszeit. Unnahbare ernste Männer, vom Krieg zurückgekehrt auch mal mit nur noch einem Bein oder einem Arm. Wieder keine Trauer, keine Schuld. Es wurde zähe am Wiederaufbau gearbeitet und dabei die Vergangenheit übersprungen. Man knüpfte beim Männerbild der Preußen an – sozusagen Bestandswahrung ohne die totgeschwiegene, unmittelbare Vergangenheit des bankrotten 3. Reiches. Fleiß und Verantwortung zählte, so wie vorher Subordination und Gehorsam gezählt hatte. Diese übrig gebliebenen Väter schienen die Niederlage mit unermüdlichem Aktivismus zuzudecken und von Versagen war keine Rede. Sie machten mir Angst mit ihrem humorlosen Ehrgeiz und ihrer unerbittlichen Disziplin. Immer noch das traditionelle Männerbild: Härte und Unverletzbarkeit.

1960–1980. 

Mit deren Söhnen wurde es turbulent. Die versagten der Obrigkeit den Respekt und bewarfen die Polizei mit Steinen. Insubordination und politisches Bewusstsein war angesagt; es wurde um Ideologien gestritten: Marxismus, Maoismus Anarchismus, Kriegsdienstverweigerung und in der Ferne Black Power. Die Schuldfrage der Väter kam auf den Tisch. Das Studium war Bühne für politischen Diskurs. Streber waren nicht gefragt. Aufbruch zu neuen Werten wurde enthusiastisch gefeiert. Der richtige Mann war Revolutionär oder Hippie. Die Wut und Flowerpower machten gleichermaßen Spaß. Schade nur, dass das schon so bald wieder vorbei war, dachte ich später. Hier spaltete sich das Männerbild. Einerseits Politagitation mit Aggression und Härte, anderseits Gegenkultur und Pazifismus. Krieger und Softie. Aber sie waren reflektiert.

1980–2000 

Nachdem das Neue sich etabliert hatte, machte sich eine gewisse Desillusionierung breit; einerseits Umwelt- und Friedensbewegung und andererseits No-Future und Punk (Babyboomer und Generation X). Dann war für viele plötzlich Karriere vorrangig. Es wurde fleißig studiert, damit man im Leben vorankommt, wirtschaftlich erfolgreich wird. Die Yuppies trugen Designer-Garderobe, Geld, und Konsum zählte. Der richtige Mann war lässig und imponierte durch Statussymbole, dicke Autos und so. Cool aussehen war angesagt, keine Sentimentalitäten. Ich fand das anstrengend und ich machte mich heimlich über die Angepassten lustig. MANN hatte jetzt zwar viel in der Birne, aber es gab Tabus. MANN durfte nicht versagen, nicht im Beruf und nicht im Bett. Frauen wurden immer noch als Objekte gesehen.

Mit Globalisierung und Digitalisierung kam ein neuer Typ von Mann auf den Plan: Mobil, viel beschäftigt, technikaffin. Die allmähliche Umsetzung der Gleichberechtigung ließen Männer auch vormals weibliche Attribute für sich beanspruchen. Der Metro-Mann kümmert sich um Körperkultur, Mode und Kosmetik.

Allerdings ergab sich eine schleichende Verunsicherung. Männer machen sich unbeliebt, weil sie die Gleichberechtigung verschleppen. In einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung fanden selbst 2016 nur 10 % der Frauen und 15 % der Männer, dass die Gleichberechtigung bereits eingetreten sei (Stokowski, 2016 S. 221). Immer noch unterschiedliche Bezahlung, Männer-dominierte Führungspositionen, immer noch wurde 80 % der Hausarbeit durch die Frauen erledigt.

Aber sogenannte weibliche Werte haben Konjunktur; aber gibt es überhaupt typische männliche und typisch weibliche Werte und Fertigkeiten? Womit ist das begründet? Genetik, Steinzeit oder Kultur? Frauen können, das, was Männer männlich macht, oft genauso gut und manchmal sogar besser. Sie sind konkurrenzfähig, erfolgreich und setzen sich zur Wehr – von Thelma und Luise über Kill Bill zu Wonder Woman als Kino-Metaphern [1]. Männliche Werte geraten ins Wanken. Männer könnten nicht lieben und würden immer noch das Gefühlsleben den Frauen überlassen (das wusste man schon seit den Achtzigern [2]).

Hinzukommt, dass sich die Geschlechts-Rollen differenzieren und sich die Grenzen zwischen männlich und weiblich teilweise aufzulösen scheinen. Wie reagieren Männer auf die allgemeine Verunsicherung? Manche mutierten daraufhin zu Kofeministen und wurden von Rechtsradikalen als Weicheier diffamiert. Andere kehrten zum Machismo zurück. Bärte, Glatzen Gängsta-Rapp.

Neue Männlichkeit kann ja nicht bedeuten, dass man einer Frau nicht mehr in den Mantel helfen darf, weil es als „paternalistischer Akt der Bevormundung“ ausgelegt werden könnte [1], oder soll jedes Mal ein Tonband mitlaufen, wenn der Mann seine Frau fragt, ob sie mit ihm schlafen will? Neue Männlichkeit kann auch nicht bedeuten, für die Wiederkehr eines Matriarchats einzutreten, denn Feminismus will keine Frauenherrschaft, sondern die Abschaffung der Herrschaft. Wo ist die Perspektive, sich von den Makeln der Männlichkeit zu lösen, ohne Rückfall in die Tradition oder Angleichung an die Frau? Selbstermächtigung und Augenhöhe: doch Männer und Frauen jede auf eigene Weise. Aber wie sieht das aus?

Wenn man im Netz nach Männertypologien forscht, finden sich zahlreiche nicht sehr schmeichelhafte Sortierungen. Eine heißt z.B.: „Vor diesen Kerlen sollten Frauen sich hüten“ [4] mit fünf Kategorien:

  • der Unverbindliche (schwärmt immer von der Mutter);
  • der (G)Raver (immer noch Techno, aber mit einem Bein schon im Grab),
  • der Zweifler (übernimmt keine Verantwortung);
  • das Mädchen (kommt nicht zum Date, wenn es regnet); 
  • der Gossip-Boy (postet alles in Echtzeit).

Sind Männer tatsächlich die gefühlten Verlierer?[5] Nach einer Umfrage eines Berliner Meinungsforschungsinstituts waren 81 % der Frauen stolz auf ihr Geschlecht während das nur 17 % der Männer von sich behaupteten. Wie der Soziologe Walter Hollstein (2008) anmerkt, war das zu Goethes Zeiten anders, wo er doch Egmont sagen lässt: „Welch Glück sondergleichen ein Mannsbild zu sein“. Man kann wohl von einer gravierenden Identitätskrise des Mannes sprechen. 

Sokrates Weisheit bestand darin, die richtigen Fragen zu stellen aber zuzugeben, dass er nichts wisse. Geben wir doch zu, dass wir nicht wissen, wie der neue Mann der nächsten Stufe seiner Evolution aussieht und stellen wir ein paar Fragen.

  • Kann man Männlichkeit unabhängig von der Beziehung zur Frau definieren?
  • Was ist eigentlich toxische Männlichkeit?
  • Welche Rolle spielt die sexuelle Begegnung für sein Mann-sein? 

2. Männlichkeit in der Evolution 

Von Vertretern der konservativen Rollenverteilung von Mann und Frau wird oft mit der Steinzeit argumentiert: Es sei schon immer so gewesen. Die Frau ist für Kinderaufzucht und den Herd zuständig, der Mann geht auf die Jagd. So wird es in Medien, Filmen und Schulbüchern dargestellt. Selten wird der Zirkelschluss wahrgenommen, dass dieses Bild eine Projektion der bürgerlichen Kleinfamilie in das Jäger- und Sammler-Szenario ist, was dann wieder zum Beweis für die patriarchalen Rollenbilder der Gegenwart als evolutionär gegeben herangezogen wird.

Aber womöglich waren Männer über lange Perioden der Menschheitsgeschichte bis auf den kurzen Moment der Zeugung weitgehend überflüssig. Entsprechend finden sich zahllose Zeichnungen des weiblichen Schoßdreiecks an den Höhlenwänden. Die mindere Rolle des Mannes belegen auch Funde von Hunderten weiblicher Figurinen im Verglich zu ganz wenigen männlichen Statuetten (König, 1979).      

Die Figurine von Hohle Fels. Geschätztes Alter 30.000–40.000 Jahren.

Spätestens im antiken Griechenland und der römischen Republik hatten dann die Frauen nicht mehr viel zu sagen. Allmählich wurden die weiblichen Gottheiten aus dem Olymp verdrängt bis am Ende Juden, Christen und Moslems sich mit einem einzigen Gott begnügten und der war männlich.

Es ist insgesamt gesehen unplausibel über einen Zeitraum von 2 Millionen Jahren Menschheitsgeschichte eine einheitliche kulturelle Prägung oder genetische Determination der Geschlechterrollen anzunehmen. Es hat vermutlich vieles schon gegeben: Frauenherrschaft mit starken Männern, Männerherrschaft mit starken Frauen. Männer, die mit Frauen jagen und Krieg führen und mehr. Sodass sich das beliebte Steinzeitargument nicht aufrechterhalten lässt, dass es schon immer so gewesen sei, dass Frauen Hausfrauen und Männer Jäger waren.

3. Toxische Männlichkeit

Aber seit einigen hundert, wenn nicht einigen tausend Jahren gibt es das oft beschriebene Traditionelle Männerbild (z.B. Süfke 2016) vom emotional gefassten, rationalen und strukturierten Beschützer und Versorger. Das ist funktional und produktiv. Doch es gerät aus zwei Gründen zunehmend in Misskredit, denn es ist repressiv und ungesund. Es ist ungesund, denn Männer leiden zwar nur halb so oft wie Frauen an Depressionen aber:

  • neigen mehr zu Burnout und
  • dreimal mehr, bei Jugendlichen sogar viermal mehr zu Selbstmord,
  • leiden häufiger unter Erkältungen, Leberzirrhose, HIV und Koronarerkrankungen, unter Süchten,
  • sterben 7 Jahre früher als Frauen und
  • sind häufiger Langzeitobdachlose, Wanderarbeiter, Opfer von Gewalttaten (Hollstein, 2008).

Vieles davon galt bisher als stark, so als seien Männer unverletzbar. Nur ist diese Art von Stärke toxisch, wie die Anekdote vom fleißigen Manager deutlich macht:

Ein pflichtbewusster Geschäftsmann arbeitete abends immer länger als alle anderen und hatte öfter mal schon Beschwerden in der Magengegend und am Herzen. Eines Abends war es schon acht Uhr, als er noch im Büro war und regelrechte Krämpfe in der Herzgegend empfand. Da ging er auf dem Heimweg beim Notarzt vorbei und der machte ein kleines Blutbild und ein EKG. Als er sich die Ergebnisse anschaute, wurde er vor Schreck ganz blass und sagte: „Guter Mann, wie es aussieht, werden Sie den nächsten Morgen gar nicht erleben!“ Der brave Mann ging bedrückt nach Hause und erzählte seiner Frau die traurige Neuigkeit. Sie weinten zusammen ein bisschen und dann sagte die Frau: „Weißt du was, ich koch dir nochmal dein Leibgericht – es könnte ja das letzte Mal sein.“ Dann aßen sie und gingen zu Bett. Auf der Bettkante sagte die Frau: „Weißt du was, wir schlafen nochmal miteinander – es könnte ja das letzte Mal sein.“ Der Mann war einverstanden, das war so um elf Uhr. Um eins weckte er seine Frau und sagte: „Können wir vielleicht noch mal – es könnte ja das letzte Mal sein.“ Die Frau war einverstanden. Um drei weckte er sie nochmal und sagte: „Ich weiß, es ist spät, aber können wir vielleicht noch mal – es könnte ja das letzte Mal sein.“ Da setzte die Frau eine strenge Miene auf und sagte: „Du hast gut reden – du musst morgen früh nicht raus!“

Insofern ist doch der traditionelle Mann in seiner Klaglosigkeit eine tragische Figur. Tragisch ist auch, dass laut der Sinusstudie über Jugendliche (Calmbach et al. 2016) zwar 80% der Frauen eine positive Vorstellung davon haben, wie Erwerbstätigkeit und eine Beteiligung am Haushalt zusammenpassen, aber nur 25% Männer angaben, einen solchen Lebensentwurf zu haben. Überhaupt ist die Rolle des traditionellen Mannes mit einem modernen Frauenbild schwer vereinbar. Er gilt als gewalttätig, sexgetrieben, hegemonial, egoistisch. Es lässt sich nicht leugnen, die letzten 2000 Jahre sind eine Geschichte von männlicher Gewalt und Missachtung der Frau, bis hin zu den 50.000 Hexenverbrennungen im europäischen Mittelalter (Richter 2006). Als Herrscher über Eigentum und Menschen hat sich der Mann in seiner Machtposition nicht immer gut benommen, was das traditionelle Männlichkeitsbild überschattet.

Frauen prangern immer neue krasse Fälle von sexueller Belästigung an. In Europa haben 33 % Prozent aller Frauen körperliche Gewalterfahrungen hinter sich – davon zwei Drittel in der Familie[6]. In Deutschland werden jährlich 145 Frauen durch ihre derzeitigen oder ehemaligen Partner umgebracht. Männer verüben 80% aller Gewalttaten und füllen daher auch die Gefängnisse zu 94 %. Hat das vielleicht auch etwas mit kulturell geprägten hegemonialen Ansprüchen zu tun? 

Die „Natur“ des traditionellen Mannes ist der Weiblichkeit moralisch unterlegen, die in einer rational, kalten und brutalen Welt zum Sehnsuchtsort wird, von dem aus sich die Gesellschaft kritisieren lässt wie der Innsbrucker Psychoanalytiker und Bildungsforscher Josef Aigner sagt (2016).

Man kann es bedauern, dass manche Feministinnen meinen, dass Männer eine Art biologischer Irrtum seien. Dass es ihnen nur um drei Dinge ginge, nämlich „töten, vögeln und Geld machen“, und dabei würden sie angeblich auch noch versagen, wie Marilyn French in ihrem Bestseller „Frauen“ behauptet (2008). Man kann es aber auch als Gelegenheit sehen, den Dialog mit Frauen aufzunehmen, um einer derartigen Männerverachtung (Misandrie) entgegenzutreten. Man kann als Mann sein eigenes Verhalten auf sexistische Anteile untersuchen, die reflexartig im Alltag einfließen und mit seinen Geschlechtsgenossen und mit Frauen eine entsprechende Diskussion darüber beginnen. 

Courtesy of Comicada

Doch jetzt, da Muskelkraft nicht mehr erforderlich ist und die letzte Steinkohlenzeche gerade geschlossen wurde, wo Roboter die verbleibende schwere Arbeit übernehmen – was bleibt den Männern, was die Frauen nicht auch oder sogar besser können. Sie lernen schneller, sind seit 100.000 Jahren im Multitasking geübt und sind besser im Vernetzen und der Pflege von Beziehung. Alles Eigenschaften, die heute in der Dienstleistungsgesellschaft gefragt und wichtig sind. Was bleibt dem Mann? Wie kann er respektvoll gegenüber der Frau sein und zugleich sich selbst gegenüber den Respekt nicht verlieren?

Von zahlreichen Autoren wird immer wieder darauf hingewiesen, was der tiefere Grund für diese männliche Defektologie ist. Es ist der mangelnde Zugang zu den eigenen Gefühlen – sei es Unwilligkeit oder Unfähigkeit. Und das wird gesellschaftlich so gewünscht. Denn auf der anderen Seite: wie steht es mit der Frauenquote bei Tätigkeiten wie Abfallbeseitigung, Tiere schlachten, Unfallsanitäter, Polizist oder Feuerwehrmann sein und derart belastende Dinge tun – mal ganz abgesehen von Scharfschützen oder Bomben auf Zivilisten werfen. Wer will, dass sich mehr Frauen an solchen Jobs beteiligen, die durch Abspaltung von Gefühlen leichter ertragen werden. Diese Arbeitsteilung wird scheinbar stillschweigend vorausgesetzt: Frauen fühlen, Männer halten durch.

Können Männern weibliche Lebenshaltungen in den Blick nehmen, um herauszufinden, was sich dann an diesem heiklen Thema ändern würde?

4. Gleichberechtigung und Gleichheit

Durch die Frauenbewegung und die zunehmende Umsetzung der Gleichberechtigung scheint das Verhältnis der Geschlechter aus dem Gleichgewicht zu geraten, „Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs“, wie es in einem Buchtitel der letzten Jahre heißt (Rose & Sichtermann 2006). Männer spüren, dass sie sich ändern müssen, aber schlingern orientierungslos zwischen Hausmann und Retromacho.

Für Frauen ist es sonnenklar, was zu gewinnen ist, nämlich endlich auch die Privilegien zu haben, die sich bisher Männer zugestanden haben. Nämlich Gleichbehandlung[7] in politischer und ökonomischer Hinsicht. Das ist eindeutig attraktiv; dafür kämpfen sie seit über hundert Jahren. Und zu verlieren haben sie gar nichts, denn das, was als weiblich gilt, wird sowieso als wertvoll erachtet: Empathie, Beziehungstalent, Opferbereitschaft, Fürsorge. Doch - ein bisschen haben sie vielleicht schon zu verlieren, das Versorgt-werden. 

Männer dagegen sollen die toxische Seite der traditionellen Männlichkeit aufgeben, die ihnen ein Gefühl der Stärke gab – aber was haben sie zu gewinnen, wenn sie einfühlsamer, beziehungsfähiger und weniger konkurrenzorientiert werden? Die bisher weiblichen Privilegien: Erziehung und Hausarbeit üben auf die meisten Männern keine besondere Anziehung aus. Wir werden zwar offiziell als Helden gefeiert, wenn wir unseren Vaterschaftsurlaub in Anspruch nehmen, doch inoffiziell gelten wir dann als Hausmänner und das kann anscheinend nur bedeuten, dass die Frau die Hosen anhat, heißt es in Neon.[8] 

Es bedarf eines kulturellen Wandels, um dahin zu kommen, dass es normal ist, dass Männer Hausmänner und hauptberuflich Väter sind und Frauen zwei Tage im Monat frei haben. Um das androzentrische Weltbild zu verlassen, wo die Monsterwellen von Männern gesurft werden und die Tech- und die KI Branche Männersache sind (12 % Frauen) [9]. 

Doch die Emanzipation des Mannes kann nicht darin bestehen, das alles zu tun, was Frauen als ungerechte Überlastung erleben. Vielmehr müsste die Emanzipation der Männer darin bestehen, seine Essenz zu suchen, ohne dies auf dem Rücken der Frauen auszutragen.

Phallus im Tempel. Ein Relief aus Pompej.

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind unübersehbar, anatomisch, hormonell, emotional, kognitiv. Das Fatale scheint zu sein, dass Männer wenig haben, was Frauen nicht haben. Außer dem Penis. Dagegen haben Frauen viel was Männer nicht haben. Sie tragen Kinder aus, gebären Kinder und können sie stillen. Sind dadurch näher an der Natur, wie Camille Paglia anmerkt (1996). Männer strebten stattdessen schon immer nach geistiger Höhe. Die Orientierung nach oben zeige sich schon bei der Erektion. Doch die Erektion als Indiz der Männlichkeit ist ja so fragil. 

Männer haben der Erdverbundenheit der Frau wenig entgegenzusetzen mit ihrem monotonen Hormonspiegel und dem ewigen Kriegsgeschrei, als wollten sie ihre Bedeutungslosigkeit übertönen. Hinzukommt, dass die Frau grundsätzlich sexuell potenter ist als der Mann. Schließlich kann sie mehrere Orgasmen nacheinander haben und wenn es darauf ankommt, mehrere Männer in einer Nacht glücklich machen. Im Grunde haben die Männer uneingestanden Angst vor der Sexualität der Frau, könnte man meinen. Jedenfalls wurde das zu Zeiten der Hexenverfolgung so erkannt:  

„Es ist die sexuelle Leidenschaftlichkeit der Frauen; dass alle Hexerei von der fleischlichen Lust kommt, die bei Frauen unersättlich ist“ heißt es im Hexenhammer vom Großinquisitor H Kramer 1534.

5. Sexualität

Für Männer resultiert aus dem Auftritt einer Frau als sexuell begehrenswert ein Doublebind. Er soll den Köder der erotischen Ausstrahlung annehmen, ohne zu denken, dass er ihn konsumieren kann. Das ist in doppelter Hinsicht pathogen. Männer werden dadurch dazu erzogen, dass das, was sie wirklich wollen, verboten ist, dass ihre sexuelle Lust nicht wunderbar, sondern dass sie unanständig ist. Sie müssen damit im Grunde sich selber unanständig finden. Und daraus, nämlich sich selbst unwürdig zu empfinden, können Hass und Verachtung entstehen, die sich nach innen wie nach außen zerstörerisch auswirken. Dies wird an dem Fall eines Mannes deutlich, der bei einer McPherson Dessous-Show auf den Laufsteg stürzte und Hure brüllte und sich nach Rauswurf vom Dach des Gebäudes stürzte (Bidulph 1996, S. 82).

Für Frauen ist diese Inszenierung genauso krank, denn es bedient zwar den Narzissmus, aber Frauen müssen sich dabei vorkommen wie Geldfälscher, die Scheine ausgeben, die nicht eingelöst werden können. Die Feministin Svenja Flaßpöhler bemerkt dazu, die Sexualität der Frau bleibe „eine gesellschaftliche Leerstelle" (Flaßpöhler, 2018).

Sexuelle Freiheit hat etwas mit Freiheit von Herrschaftsansprüchen zu tun, hatte Wilhelm Reich vermutet. Und tatsächlich geht Sexismus mit gesellschaftlicher Macht einher. Denn ist es nicht bemerkenswert, dass in Zeitschriften, die von pubertierenden Mädchen und Jungen gelesen werden, sich elaborierte Anleitungen für den optimalen blowjob finden[10] aber keine Ratschläge, wie eine Vulva oral verwöhnt werden kann, googelt man „Cunilingus“ öffnen sich nur Pornoseiten.

Es gibt sexuelle Begegnungen auf Augenhöhe und in gegenseitiger Wertschätzung, aber wohl nicht durchgängig, sonst gäbe es nicht #me-too. Der Unterschied zwischen Übergriffigkeit und Kompliment entscheidet sich an der Frage des Respekts; dazu sind altmodischer Takt und Anstand nützlich, von denen Axel Hacke (2017) meint, sie ständen gegenwärtig nicht gerade hoch im Kurs. Oder können Wünsche vielleicht auch verhandelt werden?

Während auf der gesellschaftlichen Ebene viele Unterschiede im Verhältnis von Mann und Frau sozial konstruiert sind, sind sie in der körperlichen sexuellen Begegnung biologisch in gewissen Grenzen vorgegeben. Der Mann dringt ein, die Frau lässt ihn in sich hinein. Ihre Verletzbarkeit besteht in der ungewollten Invasion. Der Mann dagegen kann nicht so leicht von einer Frau sexuell überwältigt werden. Dazu braucht er eine Erektion. Und gerade darin besteht seine Verletzbarkeit, nämlich, dass er sichtbar versagt, wenn diese schwächelt. Diese Art von Scham muss die Frau nicht befürchten, da ihre Sexualität sich weitgehend für den Mann unsichtbar im Inneren abspielt.

Im Gegensatz zu zielorientiertem Durchhalten drückt sich lustvoll erlebte männliche Sexualität in Präsenz aus und im spielerischen Umgang mit der sexuellen Erregung, Erkundung des erotischen Raumes und eine eindringende Haltung, die weder zögerlich noch bedürftig oder gierig ist.

Um Sexualität ohne Verrenkung oder Selbstzweifel entspannt und selbstbewusst zu leben, muss man sie aus dem Sumpf der moralischen Schäbigkeit befreien.

Wenn sie in Abgrenzung zum Warencharakter der medialen Massen-Angebote und der uralten ecclesiogenen Abwertung seit Augustinus und der Kirchenväter aus der Schmuddelecke befreit ist, wird sie als Quelle von Lebendigkeit und tiefer Verbindung mit dem Partner zurückgewinnen. Sex ist nicht nur, wie Anais Nin sagt der einzige Zauber gegen den Tod, das Altern und die Langeweile. Sex ist nicht nur gesund[11], er ist göttlich, weil wie der Poet Kalil Gibran (1923) sagt, Sex die Gewissheit vermittelt, dass es etwas gibt, was größer ist als jede Angst in uns.

Männer müssen die Gratwanderung hinkriegen, mit Bestimmtheit ihr Interesse zu signalisieren, ohne respektlos zu sein. Aber auch ohne sich und seine Sexualität moralisch fragwürdig zu finden.

6. Quo vadis?

Traditionell haben sich Männer stark und den Frauen überlegen gefühlt. Das war eine Illusion, die durch Unterdrückung aufrechterhalten wurde und sie wurde mit einem Preis bezahlt, der sowohl für die eigene Gesundheit wie für die Beziehung toxisch war. Nun stellt sich heraus, dass Frauen in typischen Männerdomänen selbstbewusst auftreten: man sieht sie im Ring boxen, hört aus dem Cockpit die Stimme der Pilotin den Senkflug ankündigen und überhaupt üben Frauen mittlerweile fast alle Berufe aus, die Männer als typisch männlich betrachten: Soldatin, Richterin, Präsidentin, Kfz-Mechanikerin usw., in denen sie keineswegs unterlegen sind. Was sich zeigt ist, dass Frauen durch die Emanzipation zu einer Vielfalt von Frauenbildern vorgedrungen sind und die Rolle der hauptberuflichen Mutter und Hausfrau hinter sich gelassen haben. Entsprechend könnte Vielfalt auch unter Männern das Ziel sein: weg von der Rolle Sieger und Versorger – nun, da das patriarchale Modell überlebt ist.

Männer und Frauen befinden sich in einem historischen Moment, in dem der Schlüssel zur gegenseitigen Befreiung liegt. Die Frauen hatten es in den ersten Wellen der Feminismus einfach, denn es gab einen definierten Feind: das Patriarchat und einzelne seiner Repräsentanten. Sie konnten eine bewährte, eigentlich männliche Methode nutzen, um ihren Zielen näherzukommen. Nämlich einen Feind ausmachen, eine Strategie finden und kämpfen. So haben sie die männliche Welt in vieler Hinsicht erobert. Männer befinden sich in einer ungleich schwierigeren Lage: es gibt keinen offensichtlichen Feind. Man kann natürlich Sündenböcke suchen. Zunächst die Frauen selbst etwa, wenn man über die Feministinnen jammert oder Soldatinnen als Flintenweiber bezeichnet.

Wie Susan Faludi (2001) in dem Buch „Männer, das betrogene Geschlecht“ deutlich macht, hat die männliche Krise mehrere Ebenen und am Ende fällt sie mit der Krise der Frauen zusammen. Als Erstes haben Männer die ökonomische Überlegenheit verloren. Schlimmer als diese Kränkung ist, dass der Glaube daran bröckelt, dass seine berufliche Pflichterfüllung und Loyalität vom Arbeitgeber gewürdigt wird. Er findet in der Arbeitswelt weder Sicherheit noch Geborgenheit und wird austauschbar und nicht selten unerwartet arbeitslos (häufiger als Frauen). Tiefer sitzt die vielfach unbewusste Schicht der Vaterlosigkeit. Entweder durch die geschäftliche Abwesenheit des Mannes in der Familie oder durch Scheidung der Eltern wachsen Jungen vielfach mit Frauen heran: alleinerziehende Mütter, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen auch Großmütter (die Großväter sterben ja früher). Wo ist der väterliche Garant für wohlwollende Männlichkeit, der dem Jungen beibringt, wie man ein Mann wird. Stellvertretend wirken die Pop- und Actionhelden und die Pornohengste aus den Medien auf die Vorstellung heranwachsender Männer ein.

Und schließlich die vielleicht weitreichendste Krise: Männer werden in der Gesellschaft zu Kunstfiguren stilisiert, die zwar nach wie vor Gewinner sein müssen aber nicht wissen wofür. Es zählt der Erfolg in Form von Einkommen, Besitz, Titeln aber es fehlt der Bezug zum Gemeinwohl, der dem Erfolg einen tieferen Sinn geben. Was zählt, ist der narzisstisch ornamentale Charakter des Erfolgs. Deswegen müssen immer neue Erfolge errungen werden, ohne dass damit Stabilität verbunden ist. Und der Motor dahinter ist der Konsum, Männer werden ebenso wie Frauen schon lange zu repräsentablen Kunstfiguren stilisiert, die durch ihre Kaufkraft dem Markt dienen. Männer wie Frauen werden mehr oder weniger ohne es zu merken zu Objekten des digitalisierten Massenkommerz – wobei der weibliche Körper mehr noch als der männliche für die Sexualisierung der Werbung missbraucht wird und anschließend als plastifizierte Idealvorstellung den Konsum von Mode, Kosmetik und Wohlstandsgütern bei Frauen und Männern gleichermaßen anheizen soll.

Um zu einer neuen Perspektive von Männlichkeit vorzudringen, müssen Klischees überholt werden. Einer Dämonisierung der Männlichkeit in den Nachrichtenmedien ist entgegenzuhalten, dass der Mehrheit der Männer keine sexuelle Gewalt vorgeworfen werden kann und sie zu Unrecht einer kollektiven Ächtung ausgesetzt würden. Und der Glorifizierung der Männlichkeit als heldenhaft, attraktiv, super potent in den fiktionalen Medien wie Filmen, Serien, Pornos, Musikvideos, ist entgegenzuhalten, dass hier bindungsloses und leistungsorientierte Sexualverhalten und Männlichkeit mit den genannten toxischen Auswirkungen suggeriert wird, nämlich Risikoneigung, Frauenfeindlichkeit und Selbstwertzweifel bei Nichterreichen der Ideale.

Es geht um den Abbau der sozial konstruierten Unterschiede bei gleichzeitiger Beachtung der facettenreichen biologischen Kerngeschlechtlichkeit, wie der Sexualforscher Volker Sigusch (2013) es nennt. Männer sollen Sexualität leben können, die aus der Schmuddelecke befreit und in Abgrenzung zum Warencharakter der medialen Massen-Angebote als Erfüllung in der Liebesbeziehung erlebt wird. Und es geht um Akzeptanz der polaren maskulinen und femininen Anteile der Psyche, in allen hetero- oder homosexuellen Männern und Frauen und in allen Mischungen dieser beiden Aspekte. Für den femininen Teil ist die Liebe in der Beziehung vorrangig. Für den maskulinen Teil ist wichtig, was jeder in die Welt bringt, was man als Aufgabe oder Mission empfindet (Deida 1996). Wenn man merkt, dass sich eine Aufgabe erschöpft, resultiert meist eine Krise, die zur einer neuen Mission auf einer persönlicheren Ebene führt. Allerdings nur, wenn man bereit, ist eine erreichte Komfortzone zu verlassen. Das ist übrigens auch eines unter fünf Dinge, die finale Patienten in der Befragung durch die Sterbebegleiterin Broni Ware (2012) am meisten bereuten: nicht den Mut gehabt zu haben, die Komfortzone zu verlassen und eine gewagte Entscheidung zu treffen. Und das trifft auch auf die Entwicklung der eigenen Männlichkeit zu. Es ist ein Projekt wie Bernd Ulrich in Erwiderung auf Jens Jessens Klagelied über die Kollateralschäden des Feminismus[12].

Man könnte von einem Kollateralnutzen des Feminismus für die Männer sprechen, dass es sich nämlich lohnt, die Komfortzone des angestammten androzentrische Welt- und Selbstbildes zu verlassen. Um dabei die unsichtbaren Wände des männlichen Gefängnisses zu erkennen und neue Formen der Männlichkeit zu erforschen. Als gäbe es nicht unter Männern humanitäre Werte, Schutz der Kinder, Respekt für die Frauen und Fürsorge für die Schwachen, empört sich der Aigner (2016). Es kursieren ja bereits unterschiedliche Modelle von nicht-toxischer Männlichkeit in Selbsthilfegruppen und der entsprechenden Literatur dazu (z.B. Bidulph 2000, Eldrige 2003, Schick 2014, Gray & Ardach 2015)

  • Archaische positive Männlichkeit: Autonomie und Mut (Der wilde Mann)
  • Neue anständige Männlichkeit: nobel, ritterlich, heldenhaft,
  • Inclusive Männlichkeit: fürsorglich, zärtlich, partnerschaftlich
  • Metrosexuelle Männlichkeit: gepflegt, gestyled, schlank, trainiert (Simpson 1994) 

Wie kann man von sich von dem eingefleischten Mythos lösen, dass das Leben ein Nullsummenspiel sei und dass das Glück dem Sieger gehört? Männer brauchen den Feminismus, denn erst, wenn Frauen gleichberechtigt sind, können sie aufhören zu glauben, sie müssten die 51er sein. Männer sollten gute Verlierer sein und sich Gefühle eingestehen können. Als Roger Federer gegen Rafael Nadal im Tennis verlor, hat er auf der Bühne geweint und ihn umarmt (nach dem Finale der Australian Open 2009). Er zeigte sich verletzbar und verbunden. Serena Williams sagte, sie danke Gott, dass Nadal und Federer geboren wurden.

Männer sollten sich um ein gutes Leben kümmern. Ein Beispiel ist die britische Kampagne gegen das elende Leben (CALM, Campaign against living miserably), die Männern in suizidalen Krisen hilft [13]. Und Männer sollten mit Männern und Frauen darüber reden, wie sie aus dem männlichen Gefängnis ausbrechen können und was sie daran hindert. Die Partnerin spielt dabei für den Mann eine besondere Rolle, weil sie Beschwichtigung und halbherziges Engagement durchschaut. Ohne die teils unerbittlichen Gespräche mit meiner Frau hätte ich mich diesem Thema überhaupt nicht nähern können.

Autor: Prof. Dirk Revenstorf

Professor für Psychologie, Universitäten Tübingen und Puebla (Mexiko). Ausbildung in Gestalt-, Hypno und Körpertherapie sowie VT. Ehemaliger Vorstand der M.E.G. Gründungsmitglied der Deutsch Chinesischen Akademie für Psychotherapie. Publikationen: 16 Bücher und 200 Artikel über Psychotherapie und Evaluation. Jean-Piaget-Award of Clinical Excellence. Preis der Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Forschung.

Fußnoten

[1] Nur wenn Kinder geboren werden, kommt es häufig zu einer Re-Traditionalisierung. Die Karriere wird den Kindern geopfert. Und die Kinder werden wieder nach Geschlechtsstereotypen erzogen. Wenn ich jetzt für die Enkel in Kleider- und Spielzeugläden umsehe, finde ich im Gegensatz zu Zeiten der 68-Generation wieder streng nach Rosa und Blau getrennte Abteilungen - entweder Ballettschuhe und Glitzer oder Camouflage und Autos. 

[2] Wilfried Wieck (1989). Männer lassen lieben.

[3] wie eine den Grünen angehörende Politikerin meinte (zit. nach Aigner, 2016 S. 21)

[4] Die WELT 1.9.2009: https://www.welt.de/104651978 

[5] www.deutschlandfunkkultur.de/lesart.1269.de

[6] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zitiert nach Stokowski (2016) S. 198

[7] Entsprechend der Anzahl der Studienabschlüsse müssten über die Hälfte der C4-Professuren weiblich besetzt sein; es sind aber nur 11 % (Statistisches Bundesamt, zit. nach Süfke, 2016 S 24). Auf der anderen Seite sind Männer bei den Sorgerechtsentscheidungen eher benachteiligt

[8] www.neon.de/artikel/sehen/gesellschaft/die-emanzipation-des-mannes/665625

[9] Fei Fei Li, Direktorin des Human-centered Artificial Intelligence Institue der Stanford University in: Time, 4.Februar 2019

[10] Petra: „Blasen kann auch Frauen Spaß bringen“ Brigitte: “beim Blowjob in die Augen sehen“. Glamour: „Einen Mann verwöhnen: Der perfekte Blowjob“ Woman.AT: „Blowjob für Anfänger“;

[11] Sex ist auch noch gesund für den Mann: Er senkt das Risiko von Prostatakrebs und koronaren Erkrankungen[11] (Hartmann, 2016). Trotzdem ist Sex tabuisiert: Versagensangst, Sprachlosigkeit

[12] Bernd Ulrich: Mann irrt. Die Zeit, 17. April 2018

[13] www.neon.de/artikel/sehen/gesellschaft/die-emanzipation-des-mannes/665625

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